KARL KRAUS‘ FACKEL vor 100 Jahren Nr. 521 Januar 1920

Lichtgeschwindigkeit 9904

am Sonnabend, 11. Januar 2020

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Als der Maler und Galerist Dietmar Moews im Jahr 1979, in Hannover, seine eigene Zeitschrift >Neue Sinnlichkeit< (in loser Folge) mit der NUMERO 0 begann, riet ihm sein älterer Freund, der Schriftsteller, Studioleiter und Film- und Fernsehaugur August-Friedrich Teschemacher (1908-1985), der längst im Himmel ist, doch so etwas wie DIE FACKEL( von Karl Kraus) für Hannover zu machen. AF Teschemacher wurde mein Abonnent auf LEBENSZEIT in LOSER FOLGE.

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Die geistig-ästhetische Reibung mit Hannover war mir für eine Neue Sinnlichkeit zu arm – so nahm ich es mit der großen „WESTLICHEN KUNSTPAUSE des 20sten JAHRHUNDERTS“ auf. Das war nunmehr vor über 40 Jahren – Neue Sinnlichkeit erschien kürzlich mit Blatt Numero 73 in Köln.

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Doch als ich im Jahr 2009 mit dem Aufbau der Piratenpartei in Berlin den Youtube-VIDEO-BLOG LICHTGESCHWINDIGKEIT in täglicher Folge begann, erinnerte ich mich wieder an A.F. Teschemacher und Karl Kraus DIE FACKEL, die eine unabhängige Chronik des deutschsprachigen Betriebs, ohne Unterbrechung bis 1936, bildet, die ein schaffender kritischer Geist schuf.

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So steuert die LICHTGESCHWINDIGKEIT, seit 2009 nunmehr nach über zehn Jahren und an die 10 000 Ausgaben in täglicher Abfolge ebenfalls an den selbstgestellten Anspruch heran eine überparteiliche unpropagandistische CHRONIK über die Kraftspiele am Beginn des neuen Jahrhunderts – ab 2009, bis 2020 – zu sein.

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So will ich hier zum Schluß dieser intensiven Tauch- und Oberflächen-Schwimmerei der gutmütig-blöden Menschheit noch einige Zitate aus der FACKEL bringen, die jetzt 100 Jahre alt sind – und heute einigermaßen betulich scheinen (auch weil uns die bitteren Machtkämpfe der JOURNAILLE nicht so nahe sind, wie sie damals dem Karl Kraus brodelten).

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Fackel-Reprint von 2001

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SO KARL KRAUS im Jahr 1920:

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Eine Zeitschrift herausgeben ist eine elitäre Leistung. Karl Kraus gab die einzigartige Zeitschrift DIE FACKEL auf eigene Rechnung allein heraus und schrieb und redigierte sie, überwiegend zweiwöchentlich – von 1899 bis zu seinem Tod im Jahr 1936.

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Die Entwicklung der Zeitschrift Die Fackel ist eine Biographie ihres Herausgebers. Von Anfang an war Karl Kraus nicht nur der Herausgeber, sondern auch der Autor der meisten Beiträge (ab 1912 alleiniger Autor). Während die Fackel zu Beginn durchaus mit anderen Zeitschriften (wie etwa der Weltbühne) vergleichbar war, wurde sie später mehr und mehr die privilegierte Form seines eigenen schriftstellerischen Ausdrucks. Karl Kraus war finanziell unabhängig und musste keine Rücksichten nehmen. Seine FACKEL wurde an Zeitungstrafiken verkauft und enthielt Annoncen. Aber so war Die Fackel allein sein Werk; es wurde darin ausschließlich gedruckt, was er für richtig hielt. Die letzte Nummer, erschienen vier Monate vor seinem Tod, endet mit dem Wort Trottel.

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Karl Kraus wurde 1884 in Böhmen, Österreich-Ungarn, geboren, studierte die deutschsprachigen Literatur- und Theaterkünste sowie die einschlägige Publizistik. Er war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhundert. Wer die Synchronität und den Ort Wien mit dem jüngeren Adolf Hitler betrachtet, wird Lockerungsübungen nötig haben. Kraus war allgegenwärtig, reiste im Deutschsprachigen, machte Lesungen und Auftritte, besuchte Premieren von WIEN bis BERLIN, war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker sowie vor allem ein scharfer Kritiker der vorherrschenden Presse und des Hetzjournalismus seiner Zeit bzw. – wie er selbst es ausdrückte – der Jounaille.

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DIE FACKEL Nr. 521 – 530 JANUAR 1920 XXI. JAHR, Seite 1

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„Randbemerkung

Gesprochen am 14. Dezember

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Nun folgt die Szene „Wilhelm und die Generäle“.

Leser und Hörer waren vielfach der Meinung, diese Zeichnung des gekrönten Scheusals beruhe auf Erfindung. Wer aber, frage ich, könnte derlei erfinden? Und wie müßig wäre solche Anstrengung der Phantasie vor der Leistung der Natur! Nun, da die „Randbemerkungen“, die er uns an den Abgrund schrieb, erschienen sind, wird man der Natur dieses Meisterstück glauben. Mir waren sie keine Enthüllung. Aber auch das, was in der folgenden Szene enthalten ist, war mir, als ich’s erfuhr, keine Enthüllung. Denn ich wußte längst, wie dieser Mensch sprach, ich hörte sein Wolfslachen, ich konnte bellen wie er, ohne dass ich ihn bellen gehört hatte. Ich wusste, er bellte. Einmal tönte mir einer, der ihn gehört hat, seine Stimme vor, und es war ein Erlebnis, dass es eben dieselbe Stimme war, die ich mir vorgestellt hatte. So musste ich recht gehört haben, was ich nicht hörte; so war jener ein guter Darsteller; und diese Wilhelms Stimme. Ich hatte ihr stets den Weltkrieg zugetraut, ja selbst dass sie zu Hans Müllern in der Hofburg sprechen könnte! Meine Szene aber, die nur in der Komposition erfunden ist, beruht teils auf den gedruckten Aussagen des Kontreadmirals Persius, teils auf Berichten über Gastspiele in Donau-Eschingen und Schönbrunn, die ich selbst von schaudernden Ohren- und Augenzeugen erhalten habe.

Denn es ist so, dass auch jene, die es sahen und hörten, es nicht glaubten und noch heute nicht glauben können, wie all das Unglaubliche, das wir erfahren haben und dass ein Volk von solchem Monstrum die Fasson für Leben und Sterben empfing und ihm zuliebe Hass und Hunger von der Welt übernahm. Nur ich habe es geglaubt; und eben darum will man mir’s nicht glauben. Ich habe eigentlich nichts verändert als, zum Teil, die Namen des von der majestätischen Gunst betroffenen, der Gnade wehrlos preisgegebenen Hof- und Militärgesindes. Jede Gebärde, jedes Wort ist von jener grauenhaften Echtheit, ohne die ja auch dieser Weltkrieg nicht glaublich wäre. Es ist, nehmt alles nur in allem, die Gestalt, die die Menschheit regiert und geschlagen hat und um deren Konterfei, Andenken und womöglich Wiederkehr die Jugend dieses hoffnungslosen Deutschland Schule und Staat stürzen will“.

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DIETMAR MOEWS 1978
Ballhof-Galerie Hannover mit Ausblick auf das Hitlergebäude

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Dietmar Moews meint: Man kann DIE FACKEL als Reprint erwerben und darin studieren, welch tiefes Engament im sozialen Geist möglich ist, ohne noch vor die Haustür gehen zu müssen. Wer einen guten Internetzanschluss hat, kann die Welt erobern. VIEL SPASS.

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etwa 1938, Karl Kraus war gerade tot – Hitlerjugend marschiert am Ballhof, entlang der späteren Ballhof-Galerie

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FINE E COMPATTO

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WARNUNG: recommended posts (Zusätze, die als Empfehlungen oder Beziehungen von WordPress hier eingestellt werden)

 

auf dem Dietmar Moews‘ Blog eingeblendete „Recommended Posts“ oder sonstige „Pseudoempfehlungen“ werden von WordPress

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gegen das Einverständnis des Eigentümers Dr. Dietmar Moews

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hier gezeigt und sind keine Empfehlungen von Dr. Dietmar Moews. Nichts davon wird i.S.d.P. von Dr. Dietmar Moews verantwortet. Dietmar Moews klickt diese „recommendends“ nicht an und liest nichts davon.

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1981 – Posieren mit dem Lieblingsauto auf dem Ballhofplatz in Hannover-Altstadt

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Ab jetzt werden alle Dietmar Moews‘ Blog-Beiträge mit dem SLOGAN

 

FINE E COMPATTO deutlich beendet.

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WARNUNG: recommended posts

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Volvo 1800 ES in HJ-Perspektive auf dem Ballhof in Hannover

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und BESTELLEN

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Blätter für Kunst und Kultur erscheinen in loser Folge im Verlag Pandora-Kunst-Projekt Köln

Blätter Neue Sinnlichkeit

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Dietmar Moews Ballhof-Galerie Hannover, rechts der Volvo, 140cm/140cm, Öl auf Leinwand

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Indem ich Ihnen ein langes Leben wünsche, sparen Sie auf diese Weise ganz erheblich.

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Mainzer Straße 28

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Sabine + Dietmar mit Volvo am Ballhof

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