Schoki-Test mit TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32%

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am Dienstag, 17. September 2019

.

Dietmar Moews meint:

.
 I.

Lechzend klebe mir die Zunge
An dem Gaumen, und es welke
Meine rechte Hand, vergäß’ ich
Jemals dein, Jerusalem –“

5

Wort und Weise, unaufhörlich

Schwirren sie mir heut’ im Kopfe,
Und mir ist, als hört’ ich Stimmen,
Psalmodirend, Männerstimmen –
Manchmal kommen auch zum Vorschein

10

Bärte, schattig lange Bärte –

Traumgestalten, wer von euch
Ist Jehuda ben Halevy?
Doch sie huschen rasch vorüber;
Die Gespenster scheuen furchtsam

15

Der Lebend’gen plumpen Zuspruch –

Aber ihn hab’ ich erkannt –

Ich erkannt’ ihn an der bleichen

Und gedankenstolzen Stirne,
An der Augen süßer Starrheit –

20

Sah’n mich an so schmerzlich forschend –

Doch zumeist erkannt ich ihn
An dem räthselhaften Lächeln
Jener schön gereimten Lippen,
Die man nur bei Dichtern findet.

25

Jahre kommen und verfließen.

Seit Jehuda ben Halevy
Ward geboren, sind verflossen
Siebenhundert fünfzig Jahre –
Hat zuerst das Licht erblickt

30

Zu Toledo in Castilien,

Und es hat der goldne Tajo
Ihm sein Wiegenlied gelullet.

Für Entwicklung seines Geistes
Sorgte früh der strenge Vater,

35

Der den Unterricht begann

Mit dem Gottesbuch, der Thora.

Diese las er mit dem Sohne

In dem Urtext, dessen schöne,
Hieroglyphisch pittoreske,

40

Altcaldäische Quadratschrift

Herstammt aus dem Kindesalter
Unsrer Welt, und auch deswegen
Jedem kindlichen Gemüthe
So vertraut entgegenlacht.

45

Diesen echten alten Text

Rezitirte auch der Knabe
In der uralt hergebrachten
Singsang-Weise, Tropp geheißen –
Und er gurgelte gar lieblich

50

Jene fetten Gutturalen,

Und er schlug dabei den Triller,
Den Schalscheleth, wie ein Vogel.
Auch den Targum Onkelos,
Der geschrieben ist in jenem

55

Plattjudäischen Idiom,

Das wir aramäisch nennen

Und zur Sprache der Propheten

Sich verhalten mag etwa
Wie das Schwäbische zum Deutschen –

60

Dieses Gelbveiglein-Hebräisch

Lernte gleichfalls früh der Knabe,
Und es kam ihm solche Kenntniß
Bald darauf sehr gut zu Statten
Bei dem Studium des Talmuds.

65

Ja, frühzeitig hat der Vater

Ihn geleitet zu dem Talmud,
Und da hat er ihm erschlossen
Die Halacha, diese große
Fechterschule, wo die besten

70

Dialektischen Athleten

Babylons und Pumpedithas
Ihre Kämpferspiele trieben.
Lernen konnte hier der Knabe
Alle Künste der Polemik;

75

Seine Meisterschaft bezeugte

Späterhin das Buch Cosari.

Doch der Himmel gießt herunter

Zwei verschiedne Sorten Lichtes:
Grelles Tageslicht der Sonne

80

Und das mildre Mondlicht – Also,
Also leuchtet auch der Talmud
Zwiefach, und man theilt ihn ein
In Halacha und Hagada.
Erstre nannt’ ich eine Fechtschul’ –

85

Letztre aber, die Hagada,

Will ich einen Garten nennen,
Einen Garten, hochphantastisch
Und vergleichbar jenem andern,
Welcher ebenfalls dem Boden

90

Babylons entsprossen weiland –

Garten der Semiramis,
Achtes Wunderwerk der Welt.
Königin Semiramis,
Die als Kind erzogen worden

95

Von den Vögeln, und gar manche

Vögelthümlichkeit bewahrte,

Wollte nicht auf platter Erde

Promeniren wie wir andern
Säugethiere, und sie pflanzte

100

Einen Garten in der Luft –
Hoch auf colossalen Säulen
Prangten Palmen und Cypressen,
Goldorangen, Blumenbeete,
Marmorbilder, auch Springbrunnen,

105

Alles klug und fest verbunden

Durch unzähl’ge Hänge-Brücken,
Die wie Schlingepflanzen aussahn
Und worauf sich Vögel wiegten –
Große, bunte, ernste Vögel,

110

Tiefe Denker, die nicht singen,

Während sie umflattert kleines
Zeisigvolk, das lustig trillert –
Alle athmen ein, beseligt,
Einen reinen Balsamduft,

115

Welcher unvermischt mit schnödem

Erdendunst und Mißgeruche.

Die Hagada ist ein Garten

Solcher Luftkindgrillen-Art,
Und der junge Talmudschüler,

120

Wenn sein Herze war bestäubet
Und betäubet vom Gezänke
Der Halacha, vom Dispute
Ueber das fatale Ei,
Das ein Huhn gelegt am Festtag,

125

Oder über eine Frage

Gleicher Importanz – der Knabe
Floh alsdann sich zu erfrischen
In die blühende Hagada,
Wo die schönen alten Sagen,

130

Engelmährchen und Legenden,

Stille Märtyrerhistorien,
Festgesänge, Weisheitsprüche,
Auch Hyperbeln, gar possirlich,
Alles aber glaubenskräftig,

135

Glaubensglühend – O, das glänzte,

Quoll und sproß so überschwenglich –

Und des Knaben edles Herze

Ward ergriffen von der wilden,
Abenteuerlichen Süße,

140

Von der wundersamen Schmerzlust
Und den fabelhaften Schauern
Jener seligen Geheimwelt,
Jener großen Offenbarung,
Die wir nennen Poesie.

145

Auch die Kunst der Poesie,

Heitres Wissen, holdes Können,
Welches wir die Dichtkunst heißen,
That sich auf dem Sinn des Knaben.
Und Jehuda ben Halevy

150

Ward nicht blos ein Schriftgelehrter,

Sondern auch der Dichtkunst Meister,
Sondern auch ein großer Dichter.
Ja, er ward ein großer Dichter,
Stern und Fackel seiner Zeit,

155

Seines Volkes Licht und Leuchte,

Eine wunderbare, große

Feuersäule des Gesanges,

Die der Schmerzenskarawane
Israels vorangezogen

160

In der Wüste des Exils.
Rein und wahrhaft, sonder Makel
War sein Lied, wie seine Seele –
Als der Schöpfer sie erschaffen,
Diese Seele, selbstzufrieden

165

Küßte er die schöne Seele,

Und des Kusses holder Nachklang
Bebt in jedem Lied des Dichters,
Das geweiht durch diese Gnade.
Wie im Leben, so im Dichten

170

Ist das höchste Gut die Gnade –

Wer sie hat, der kann nicht sünd’gen,
Nicht in Versen, noch in Prosa.
Solchen Dichter von der Gnade
Gottes nennen wir Genie:

175

Unverantwortlicher König

Des Gedankenreiches ist er.

Nur dem Gotte steht er Rede,

Nicht dem Volke – In der Kunst,
Wie im Leben kann das Volk

180

Tödten uns, doch niemals richten. –

.

 II.

Bei den Wassern Babels saßen
Wir und weinten, unsre Harfen
Lehnten an den Trauerweiden –
Kennst du noch das alte Lied?

185

Kennst du noch die alte Weise,

Die im Anfang so elegisch
Greint und sumset, wie ein Kessel,

Welcher auf dem Herde kocht?
Lange schon, jahrtausendlange

190

Kocht’s in mir. Ein dunkles Wehe!

Und die Zeit leckt meine Wunde,
Wie der Hund die Schwären Hiob’s.
Dank dir, Hund, für deinen Speichel –
Doch das kann nur kühlend lindern –

195

Heilen kann mich nur der Tod,

Aber, ach, ich bin unsterblich!

Jahre kommen und vergehen –

In dem Webstuhl läuft geschäftig
Schnurrend hin und her die Spule –

200

Was er webt, das weiß kein Weber.
Jahre kommen und vergehen,
Menschenthränen träufeln, rinnen
Auf die Erde, und die Erde
Saugt sie ein mit stiller Gier –

205

Tolle Sud! Der Deckel springt –

Heil dem Manne, dessen Hand
Deine junge Brut ergreifet
Und zerschmettert an der Felswand.
Gott sei Dank! die Sud verdampfet

210

In dem Kessel, der allmählig

Ganz verstummt. Es weicht mein Spleen,
Mein westöstlich dunkler Spleen –
Auch mein Flügelrößlein wiehert
Wieder heiter, scheint den bösen

215

Nachtalp von sich abzuschütteln,

Und die klugen Augen fragen:

Reiten wir zurück nach Spanien

Zu dem kleinen Talmudisten,
Der ein großer Dichter worden,

220

Zu Jehuda ben Halevy?
Ja, er ward ein großer Dichter,
Absoluter Traumweltsherrscher
Mit der Geisterkönigskrone,
Ein Poet von Gottes Gnade,

225

Der in heiligen Sirventen,

Madrigalen und Terzinen,
Canzonetten und Ghaselen
Ausgegossen alle Flammen
Seiner gottgeküßten Seele!

230

Wahrlich ebenbürtig war

Dieser Troubadour den besten
Lautenschlägern der Provence,
Poitous und der Guienne,
Roussillons und aller andern

235

Süßen Pomeranzenlande

Der galanten Christenheit.

Der galanten Christenheit

Süße Pomeranzenlande!
Wie sie duften, glänzen, klingen

240

In dem Zwielicht der Erinnrung!
Schöne Nachtigallenwelt!
Wo man statt des wahren Gottes
Nur den falschen Gott der Liebe
Und der Musen angebeten.

245

Clerici mit Rosenkränzen

Auf der Glatze, sangen Psalmen
In der heitern Sprache
d’oc;
Und die Laien, edle Ritter,
Stolz auf hohen Rossen trabend,

250

Spintisirten Vers und Reime

Zur Verherrlichung der Dame,
Der ihr Herze fröhlich diente.
Ohne Dame keine Minne,
Und es war dem Minnesänger

255

Unentbehrlich eine Dame,

Wie dem Butterbrod die Butter.

Auch der Held, den wir besingen,

Auch Jehuda ben Halevy
Hatte seine Herzensdame;

260

Doch sie war besondrer Art.
Sie war keine Laura, deren
Augen, sterbliche Gestirne,
In dem Dome am Charfreitag
Den berühmten Brand gestiftet –

265

Sie war keine Chatelaine,

Die im Blüthenschmuck der Jugend
Bei Turniren präsidirte
Und den Lorbeerkranz ertheilte –
Keine Kußrechtscasuistin

270

War sie, keine Doctrinärrin,

Die im Spruchcollegium
Eines Minnehofs dozirte –
Jene, die der Rabbi liebte,
War ein traurig armes Liebchen,

275

Der Zerstörung Jammerbildniß,

Und sie hieß Jerusalem.

Schon in frühen Kindestagen

War sie seine ganze Liebe;
Sein Gemüthe machte beben

280

Schon das Wort Jerusalem.
Purpurflamme auf der Wange
Stand der Knabe, und er horchte
Wenn ein Pilger nach Toledo
Kam aus fernem Morgenlande

285

Und erzählte: wie verödet

Und verunreint jetzt die Stätte,
Wo am Boden noch die Lichtspur
Von dem Fuße der Propheten –
Wo die Luft noch balsamiret

290

Von dem ew’gen Odem Gottes –

O des Jammeranblicks! rief
Einst ein Pilger, dessen Bart
Silberweiß hinabfloß, während
Sich das Barthaar an der Spitze

295

Wieder schwärzte und es aussah,

Als ob sich der Bart verjünge –

Ein gar wunderlicher Pilger

Mocht’ es sein, die Augen lugten
Wie aus tausendjähr’gem Trübsinn

300

Und er seufzt’: „Jerusalem!
„Sie, die volkreich heil’ge Stadt
Ist zur Wüstenei geworden,
Wo Waldteufel, Werwolf, Schakal
Ihr verruchtes Wesen treiben –

305

Schlangen, Nachtgevögel nisten

Im verwitterten Gemäuer;
Aus des Fensters luft’gem Bogen
Schaut der Fuchs mit Wohlbehagen.
„Hier und da taucht auf zuweilen

310

Ein zerlumpter Knecht der Wüste,

Der sein höckriges Kameel
In dem hohen Grase weidet.
„Auf der edlen Höhe Zions,
Wo die goldne Veste ragte,

315

Deren Herrlichkeiten zeugten

Von der Pracht des großen Königs:

Dort, von Unkraut überwuchert,

Liegen nur noch graue Trümmer,
Die uns ansehn schmerzhaft traurig,

320

Daß man glauben muß, sie weinten.
„Und es heißt, sie weinten wirklich
Einmal in dem Jahr, an jenem
Neunten Tag des Monats Ab –
Und mit thränend eignen Augen

325

Schaute ich die dicken Tropfen

Aus den großen Steinen sickern,
Und ich hörte weheklagen
Die gebrochnen Tempelsäulen.“ – –
Solche fromme Pilgersagen

330

Weckten in der jungen Brust

Des Jehuda ben Halevy
Sehnsucht nach Jerusalem.
Dichtersehnsucht! ahnend, träumend
Und fatal war sie, wie jene,

335

Die auf seinem Schloß zu Blaye

Einst empfand der edle Vidam,

Messer Geoffroi Rudello,

Als die Ritter, die zurück
Aus dem Morgenlande kehrten,

340

Laut beim Becherklang betheuert.
Ausbund aller Huld und Züchten,
Perl’ und Blume aller Frauen,
Sei die schöne Melisande,
Markgräfin von Tripolis.

345

Jeder weiß, für diese Dame

Schwärmte jetzt der Troubadour;
Er besang sie, und es wurde
Ihm zu eng im Schlosse Blaye.
Und es trieb ihn fort. Zu Cette

350

Schiffte er sich ein, erkrankte

Aber auf dem Meer, und sterbend
Kam er an zu Tripolis.
Hier erblickt’ er Melisanden
Endlich auch mit Leibesaugen,

355

Die jedoch des Todes Schatten

In derselben Stunde deckten.

Seinen letzten Liebessang

Singend, starb er zu den Füßen
Seiner Dame Melisande,

360

Markgräfin von Tripolis.
Wunderbare Aehnlichkeit
In dem Schicksal beider Dichter!
Nur daß jener erst im Alter
Seine große Wallfahrt antrat.

365

Auch Jehuda ben Halevy

Starb zu Füßen seiner Liebsten,
Und sein sterbend Haupt, es ruhte
Auf den Knien Jerusalem
.

.

 III.

Nach der Schlacht bei Arabella,

370

Hat der große Alexander

Land und Leute des Darius,
Hof und Harem, Pferde, Weiber.
Elephanten und Dariken,
Kron’ und Scepter, goldnen Plunder,

375

Eingesteckt in seine weiten

Macedon’schen Pluderhosen.
In dem Zelt des großen Königs,
Der entflohn, um nicht höchstselbst
Gleichfalls eingesteckt zu werden,

380

Fand der junge Held ein Kästchen,
Eine kleine güldne Truhe,
Mit Miniaturbildwerken
Und mit incrustirten Steinen
Und Cameen reich geschmückt –

385

Dieses Kästchen, selbst ein Kleinod

Unschätzbaren Werthes, diente
Zur Bewahrung von Kleinodien,
Des Monarchen Leibjuwelen.
Letztre schenkte Alexander

390

An die Tapfern seines Heeres,

Darob lächelnd, daß sich Männer
Kindisch freun an bunten Steinchen.
Eine kostbar schönste Gemme
Schickte er der lieben Mutter;

395

War der Siegelring des Cyrus,

Wurde jetzt zu einer Brosche.
Seinem alten Weltarschpauker
Aristoteles, dem sandt’ er
Einen Onix für sein großes

400

Naturaliencabinet.
In dem Kästchen waren Perlen,
Eine wunderbare Schnur,

Die der Königin Atossa
Einst geschenkt der falsche Smerdis –

405

Doch die Perlen waren echt –

Und der heitre Sieger gab sie
Einer schönen Tänzerin
Aus Corinth, mit Namen Thais.
Diese trug sie in den Haaren,

410

Die bacchantisch aufgelöst,

In der Brandnacht, als sie tanzte
Zu Persepolis und frech
In die Königsburg geschleudert
Ihre Fackel, daß laut prasselnd

415

Bald die Flammenlohe aufschlug,

Wie ein Feuerwerk zum Feste.
Nach dem Tod der schönen Thais,
Die an einer babylon’schen
Krankheit starb zu Babylon,

420

Wurden ihre Perlen dort
Auf dem Börsensaal vergantert.
Sie erstand ein Pfaff aus Memphis,
Der sie nach Aegypten brachte,
Wo sie später auf dem Putztisch

425

Der Cleopatra erschienen,

Die die schönste Perl’ zerstampft
Und mit Wein vermischt verschluckte,
Um Antonius zu foppen.
Mit dem letzten Omayaden

430

Kam die Perlenschnur nach Spanien,

Und sie schlängelte am Turban
Des Califen zu Corduva.
Abderam der Dritte trug sie
Als Brustschleife beim Turnier,

435

Wo er dreißig goldne Ringe

Und das Herz Zuleima’s stach.
Nach dem Fall der Mohrenherrschaft
Gingen zu den Christen über
Auch die Perlen, und geriethen

440

In den Kronschatz von Castilien.
Die kathol’schen Majestäten
Span’scher Königinnen schmückten
Sich damit bei Hoffestspielen,
Stiergefechten, Prozessionen,

445

So wie auch Autodafés,

Wo sie auf Balkonen sitzend,
Sich erquickten am Geruche
Von gebratnen alten Juden.
Späterhin gab Mendizabel,

450

Satans-Enkel, diese Perlen

In Versatz, um der Finanzen
Defizit damit zu decken.
An dem Hof der Tuilerien
Kam die Schnur zuletzt zum Vorschein,

455

Und sie schimmerte am Halse

Der Baronin Salomon.
So erging’s den schönen Perlen.
Minder abenteuerlich
Ging’s dem Kästchen, dies behielt

460

Alexander für sich selber.
Er verschloß darin die Lieder
Des ambrosischen Homeros,
Seines Lieblings, und zu Häupten
Seines Bettes in der Nacht

465

Stand das Kästchen – schlief der König,

Stiegen draus hervor der Helden
Lichte Bilder, und sie schlichen
Gaukelnd sich in seine Träume.
Andre Zeiten, andre Vögel –

470

Ich, ich liebte weiland gleichfalls

Die Gesänge von den Thaten
Des Peliden, des Odysseus.
Damals war so sonnengoldig
Und so purpurn mir zu Muthe,

475

Meine Stirn’ umkränzte Weinlaub,

Und es tönten die Fanfaren –
Still davon – gebrochen liegt
Jetzt mein stolzer Siegeswagen,
Und die Panther, die ihn zogen,

480

Sind verreckt, so wie die Weiber,
Die mit Pauk’ und Zimbelklängen
Mich umtanzten, und ich selbst
Wälze mich am Boden elend,
Krüppelelend – still davon –

485

Still davon – es ist die Rede

Von dem Kästchen des Darius,
Und ich dacht’ in meinem Sinne:
Käm’ ich in Besitz des Kästchens,
Und mich zwänge nicht Finanznoth,

490

Gleich dasselbe zu versilbern,

So verschlösse ich darin
Die Gedichte unsres Rabbi –
Des Jehuda ben Halevy
Festgesänge, Klagelieder,

495

Die Ghaselen, Reisebilder

Seiner Wallfahrt – alles ließ ich
Von dem besten Zophar schreiben
Auf der reinsten Pergamenthaut,
Und ich legte diese Handschrift

500

In das kleine goldne Kästchen.
Dieses stellt’ ich auf den Tisch
Neben meinem Bett, und kämen
Dann die Freunde und erstaunten
Ob der Pracht der kleinen Truhe,

505

Ob den seltnen Basrelièffen

Die so winzig, doch vollendet
Sind zugleich und ob den großen
Incrustirten Edelsteinen –
Lächelnd würd’ ich ihnen sagen:

510

Das ist nur die rohe Schale,

Die den bessren Schatz verschließet –
Hier in diesem Kästchen liegen
Diamanten, deren Lichter
Abglanz, Wiederschein des Himmels,

515

Herzblutglühende Rubinen,

Fleckenlose Turkoasen,
Auch Smaragde der Verheißung,
Perlen, reiner noch als jene
Die der Königin Atossa

520

Einst geschenkt der falsche Smerdis,
Und die späterhin geschmücket
Alle Notabilitäten
Dieser mondumkreisten Erde,
Thais und Cleopatra,

525

Isispriester, Mohrenfürsten,

Auch Hispaniens Königinnen.
Und zuletzt die hochverehrte
Frau Baronin Salomon –
Diese weltberühmten Perlen,

530

Sie sind nur der bleiche Schleim

Eines armen Austerthiers,
Das im Meergrund blöde kränkelt:
Doch die Perlen hier im Kästchen
Sind entquollen einer schönen

535

Menschenseele, die noch tiefer,

Abgrundtiefer als das Weltmeer –
Denn es sind die Thränenperlen
Des Jehuda ben Halevy,
Die er ob dem Untergang

540

Von Jerusalem geweinet –
Perlenthränen, die verbunden
Durch des Reimes goldnen Faden,
Aus der Dichtkunst güldnen Schmiede
Als ein Lied hervorgegangen.

545

Dieses Perlenthränenlied

Ist die vielberühmte Klage,
Die gesungen wird in allen
Weltzerstreuten Zelten Jakob’s
An dem neunten Tag des Monats,

550

Der geheißen Ab, dem Jahrstag

Von Jerusalems Zerstörung
Durch den Titus Vespasianus.
Ja, das ist das Zionslied,
Das Jehuda ben Halevy

555

Sterbend auf den heil’gen Trümmern

Von Jerusalem gesungen –
Baarfuß und im Büßerkittel
Saß er dorten auf dem Bruchstück
Einer umgestürzten Säule; –

560

Bis zur Brust herunter fiel
Wie ein greiser Wald sein Haupthaar,
Abenteuerlich beschattend
Das bekümmert bleiche Antlitz
Mit den geisterhaften Augen –

565

Also saß er und er sang,

Wie ein Seher aus der Vorzeit
Anzuschaun – dem Grab entstiegen
Schien Jeremias, der Alte –
Das Gevögel der Ruinen

570

Zähmte schier der wilde Schmerzlaut

Des Gesanges, und die Geier
Nahten horchend, fast mitleidig –
Doch ein frecher Sarazene
Kam desselben Wegs geritten,

575

Hoch zu Roß, im Bug sich wiegend

Und die blanke Lanze schwingend –
In die Brust des armen Sängers
Stieß er diesen Todesspeer,
Und er jagte rasch von dannen,

580

Wie ein Schattenbild beflügelt.
Ruhig floß das Blut des Rabbi,
Ruhig seinen Sang zu Ende
Sang er, und sein sterbeletzter
Seufzer war Jerusalem! – –

585

Eine alte Sage meldet,

Jener Sarazene sei
Gar kein böser Mensch gewesen,
Sondern ein verkappter Engel,
Der vom Himmel ward gesendet,

590

Gottes Liebling zu entrücken

Dieser Erde, und zu fördern
Ohne Qual in’s Reich der Sel’gen.
Droben, heißt es, harrte seiner
Ein Empfang, der schmeichelhaft

595

Ganz besonders für den Dichter,

Eine himmlische Sürprise.
Festlich kam das Chor der Engel
Ihm entgegen mit Musik,
Und als Hymne grüßten ihn

600

Seine eignen Verse, jenes
Synagogen-Hochzeitcarmen,
Jene Sabbath-Hymenäen,
Mit den jauchzend wohlbekannten
Melodieen – welche Töne!

605

Englein bliesen auf Hauboen,

Englein spielten Violine,
Andre strichen auch die Bratsche
Oder schlugen Pauk’ und Zimbel.
Und das sang und klang so lieblich,

610

Und so lieblich in den weiten

Himmelsräumen wiederhallt es:
Lecho Daudi Likras Kalle.

 

 IV.

Meine Frau ist nicht zufrieden
Mit dem vorigen Capitel,

615

Ganz besonders in Bezug

Auf das Kästchen des Darius.
Fast mit Bitterkeit bemerkt sie:
Daß ein Ehemann, der wahrhaft
Religiöse sei, das Kästchen

620

Gleich zu Gelde machen würde,
Um damit für seine arme
Legitime Ehegattin
Einen Kaschemir zu kaufen,
Dessen sie so sehr bedürfe.

625

Der Jehuda ben Halevy,

Meinte sie, der sei hinlänglich
Ehrenvoll bewahrt in einem
Schönen Futteral von Pappe

Mit chinesisch eleganten

630

Arabesken, wie die hübschen

Bombonnièren von Marquis
Im Passage Panorama.
Sonderbar! – setzt sie hinzu –
Daß ich niemals nennen hörte

635

Diesen großen Dichternamen,

Den Jehuda ben Halevy.
Liebstes Kind, gab ich zur Antwort,
Solche holde Ignoranz,
Sie bekundet die Lakunen

640

Der französischen Erziehung,
Der Pariser Pensionate,
Wo die Mädchen, diese künft’gen
Mütter eines freien Volkes,
Ihren Unterricht genießen –

645

Alte Mumien, ausgestopfte

Pharaonen von Aegypten,
Merovinger Schattenkön’ge,
Ungepuderte Perücken,

Auch die Zopfmonarchen Chinas,

650

Porzellanpagodenkaiser –

Alle lernen sie auswendig,
Kluge Mädchen, aber Himmel –
Fragt man sie nach großen Namen
Aus dem großen Goldzeitalter

655

Der arabisch-althispanisch

Jüdischen Poetenschule,
Fragt man nach dem Dreigestirn,
Nach Jehuda ben Halevy,
Nach dem Salomon Gabirol

660

Und dem Moses Iben Esra –
Fragt man nach dergleichen Namen,
Dann mit großen Augen schaun
Uns die Kleinen an – alsdann
Stehn am Berge die Ochsinnen.

665

Rathen möcht’ ich dir, Geliebte,

Nachzuholen das Versäumte
Und hebräisch zu erlernen –
Laß Theater und Conzerte,

Widme ein’ge Jahre solchem

670

Studium, du kannst alsdann

Im Originale lesen
Iben Esra und Gabirol
Und versteht sich den Halevy,
Das Triumvirat der Dichtkunst,

675

Das dem Saitenspiel Davidis

Einst entlockt die schönsten Laute.
Alcharisi – der, ich wette,
Dir nicht minder unbekannt ist,
Ob er gleich, französ’scher Witzbold,

680

Den Hariri überwitzelt
Im Gebiete der Makame,
Und ein Voltairianer war
Schon sechs hundert Jahr vor Voltair’ –
Jener Alcharisi sagte:

685

Durch Gedanken glänzt Gabirol

Und gefällt zumeist dem Denker,
Iben Esra glänzt durch Kunst
Und behagt weit mehr dem Künstler –

Aber Beider Eigenschaften

690

Hat Jehuda ben Halevy,

Und er ist ein großer Dichter
Und ein Liebling aller Menschen.“
Iben Esra war ein Freund
Und ich glaube auch ein Vetter

695

Des Jehuda ben Halevy,

Der in seinem Wanderbuche
Schmerzlich klagt, wie er vergebens
In Granada aufgesucht hat
Seinen Freund, und nur den Bruder

700

Dorten fand, den Medicus,
Rabbi Meyer, auch ein Dichter
Und der Vater jener Schönen,
Die mit hoffnungsloser Flamme
Iben Esra’s Herz entzunden –

705

Um das Mühmchen zu vergessen,

Griff er nach dem Wanderstabe,
Wie so mancher der Collegen;
Lebte unstät, heimathlos.

Pilgernd nach Jerusalem,

710

Ueberfielen ihn Tartaren,

Die an einen Gaul gebunden
Ihn nach ihren Steppen schleppten.
Mußte Dienste dort verrichten,
Die nicht würdig eines Rabbi

715

Und noch wen’ger eines Dichters,

Mußte nämlich Kühe melken.
Einstens, als er unterm Bauche
Einer Kuh gekauert saß,
Ihre Euter hastig fingernd,

720

Daß die Milch floß in den Zuber –
Eine Position, unwürdig
Eines Rabbi’s, eines Dichters –
Da befiel ihn tiefe Wehmuth
Und er fing zu singen an,

725

Und er sang so schön und lieblich,

Daß der Chan, der Fürst der Horde,
Der vorbei ging, ward gerühret
Und die Freiheit gab dem Sclaven.

Auch Geschenke gab er ihm,

730

Einen Fuchspelz, eine lange

Sarazenenmandoline
Und das Zehrgeld für die Heimkehr.
Dichterschicksal! böser Unstern,
Der die Söhne des Apollo

735

Tödtlich nergelt, und sogar

Ihren Vater nicht verschont hat,
Als er hinter Daphnen laufend
Statt des weißen Nymphenleibes
Nur den Lorbeerbaum erfaßte,

740

Er, der göttliche Schlemihl!
Ja, der hohe Delphier ist
Ein Schlemihl, und gar der Lorbeer,
Der so stolz die Stirne krönet,
Ist ein Zeichen des Schlemihlthums.

745

Was das Wort Schlemihl bedeutet,

Wissen wir. Hat doch Chamisso
Ihm das Bürgerrecht in Deutschland
Längst verschafft, dem Worte nämlich.

Aber unbekannt geblieben,

750

Wie des heil’gen Niles Quellen,

Ist sein Ursprung; hab’ darüber
Nachgegrübelt manche Nacht.
Zu Berlin vor vielen Jahren
Wandt’ ich mich deshalb an unsern

755

Freund Chamisso, suchte Auskunft

Beim Dekane der Schlemihle.
Doch er konnt’ mich nicht befried’gen
Und verwies mich drob an Hitzig,
Der ihm den Familiennamen

760

Seines schattenlosen Peters
Einst verrathen. Alsbald nahm ich
Eine Droschke und ich rollte
Zu dem Criminalrath Hitzig,
Welcher eh’mals Itzig hieß –

765

Als er noch ein Itzig war,

Träumte ihm, er säh’ geschrieben
An dem Himmel seinen Namen
Und davor den Buchstab H.

Was bedeutet dieses H?“

770

Frug er sich – „etwa Herr Itzig

Oder Heil’ger Itzig? Heil’ger
Ist ein schöner Titel – aber
„In Berlin nicht passend“ – Endlich
Grübelnsmüd nannt’ er sich Hitzig,

775

Und nur die Getreuen wußten

In dem Hitzig steckt ein Heil’ger.
Heil’ger Hitzig! sprach ich also,
Als ich zu ihm kam, Sie sollen
Mir die Etymologie

780

Von dem Wort Schlemihl erklären.
Viel Umschweife nahm der Heil’ge,
Konnte sich nicht recht erinnern,
Eine Ausflucht nach der andern,
Immer christlich – Bis mir endlich,

785

Endlich alle Knöpfe rissen

An der Hose der Geduld,
Und ich anfing so zu fluchen,
So gottlästerlich zu fluchen,

Daß der fromme Pietist,

790

Leichenblaß und beineschlotternd,

Unverzüglich mir willfahrte
Und mir Folgendes erzählte:
„In der Bibel ist zu lesen,
Als zur Zeit der Wüstenwandrung

795

Israel sich oft erlustigt

Mit den Töchtern Kanaans,
„Da geschah es, daß der Pinhas
Sahe wie der edle Simri
Buhlschaft trieb mit einem Weibsbild

800

Aus dem Stamm der Kananiter,
„Und alsbald ergriff er zornig
Seinen Speer und hat den Simri
Auf der Stelle todtgestochen –
Also heißt es in der Bibel.

805

Aber mündlich überliefert

Hat im Volke sich die Sage,
Daß es nicht der Simri war,
Den des Pinhas Speer getroffen,

Sondern daß der Blinderzürnte,

810

Statt des Sünders, unversehens

Einen ganz Unschuld’gen traf,
Den Schlemihl ben Zuri Schadday.“ –
Dieser nun, Schlemihl I,
Ist der Ahnherr des Geschlechtes

815

Derer von Schlemihl. Wir stammen

Von Schlemihl ben Zuri Schadday.
Freilich keine Heldenthaten
Meldet man von ihm, wir kennen
Nur den Namen und wir wissen

820

Daß er ein Schlemihl gewesen.
Doch geschätzet wird ein Stammbaum
Nicht ob seinen guten Früchten,
Sondern nur ob seinem Alter –
Drei Jahrtausend zählt der unsre!

825

Jahre kommen und vergehen –

Drei Jahrtausende verflossen,
Seit gestorben unser Ahnherr,
Herr Schlemihl ben Zuri Schadday.

Längst ist auch der Pinhas todt –

830

Doch sein Speer hat sich erhalten,

Und wir hören ihn beständig
Ueber unsre Häupter schwirren.
Und die besten Herzen trifft er –
Wie Jehuda ben Halevy,

835

Traf er Moses Iben Esra

Und er traf auch den Gabirol –
Den Gabirol, diesen treuen
Gottgeweihten Minnesänger,
Diese fromme Nachtigall

840

Deren Rose Gott gewesen –
Diese Nachtigall, die zärtlich
Ihre Liebeslieder sang
In der Dunkelheit der gothisch
Mittelalterlichen Nacht!

845

Unerschrocken, unbekümmert

Ob den Fratzen und Gespenstern,
Ob dem Wust von Tod und Wahnsinn,
Die gespukt in jener Nacht –

Sie, die Nachtigall, sie dachte

850

Nur an ihren göttlich Liebsten,

Dem sie ihre Liebe schluchzte,
Den ihr Lobgesang verherrlicht! –
Dreißig Lenze sah Gabirol
Hier auf Erden, aber Fama

855

Ausposaunte seines Namens

Herrlichkeit durch alle Lande.
Zu Corduba, wo er wohnte,
War ein Mohr sein nächster Nachbar,
Welcher gleichfalls Verse machte

860

Und des Dichters Ruhm beneidet’.
Hörte er den Dichter singen,
Schwoll dem Mohren gleich die Galle
Und der Lieder Süße wurde
Bittre Wermuth für den Neidhart.

865

Er verlockte den Verhaßten

Nächtlich in sein Haus, erschlug ihn
Dorten und vergrub den Leichnam
Hinterm Hause in dem Garten.

Aber siehe! aus dem Boden,

870

Wo die Leiche eingescharrt war,

Wuchs hervor ein Feigenbaum
Von der wunderbarsten Schönheit.
Seine Frucht war seltsam länglich
Und von seltsam würz’ger Süße;

875

Wer davon genoß, versank

In ein träumerisch Entzücken.
In dem Volke ging darüber
Viel Gerede und Gemunkel,
Das am End zu den erlauchten

880

Ohren des Chalifen kam.
Dieser prüfte eigenzüngig
Jenes Feigenphänomen,
Und ernannte eine strenge
Untersuchungscommission.

885

Man verfuhr summarisch. Sechzig

Bambushiebe auf die Sohlen
Gab man gleich dem Herrn des Baumes,
Welcher eingestand die Unthat.

Darauf riß man auch den Baum

890

Mit den Wurzeln aus dem Boden,

Und zum Vorschein kam die Leiche
Des erschlagenen Gabirol.
Diese ward mit Pomp bestattet
Und betrauert von den Brüdern;

895

An demselben Tage henkte

Man den Mohren zu Corduba.

(Fragment)

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(Heinrich Heine 1797-1856; aus „Romanzero III. Buch, Hebräische Melodien „Jehuda ben Halevy“, 1851)

 

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Ich probierte eine belgische TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32%. Sie ist industriell hergestellt in Belgien und wird unter TONY’S CHOCOLONELY Polonceaukade 20 1014 Amsterdam Niederlande vermarktet.

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Diese Testsorte Tony’s Chocolonely ist grässlich, sie ist grob, in jeder Beziehung mangelhaft und enthält über 60% Zucker, während bessere Schokoladen um 40% Zucker oder weniger enthalten – eine Bluff, eine Zumutung und auch noch mit hochstaplerischen Werbesprüchen angeboten: 100% sklavenfrei

Sie darf Schokolade genannt werden, weil sie angeblich den Mindestkakaogehalt von 32 Prozent enthält.

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Zu den Ausgangsstoffen zählen neben Zucker, Vollmilchpulver, Kakaobutter, Kakaomasse, Nougat 10%, (Zucker, Glukosesirup, Mandeln 20%, Honig, Kakaobutter, Kartoffelstärke. Hühnereieiweiß, natürliches Vanillearoma), Emulgator: Sojalecithin; Zucker, Glukosesirup, Mandeln 20%, Honig, Kakaobutter, natürliches Vanillearoma nach Fairtrade-Standards gehandelt – von der Rührdauer, Röstzeiten bis zu den Temperaturen, Mahlen, Conchieren wird nichts mitgeteilt. Von den Anbauländern und Herkunft der Blendkakaomischungen ist nichts zu erfahren.

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Kurz vorab: Diese Schokolade TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32%. ist eigentlich ein industrieller Lebensmittelkandal, dem hier REWE in Köln die Hand in die Regale geöffnet hat. Jeder kennt weiße, süße vanillige Industrieart – die alle furchtbar gleich und zu süß sind. Diese enthält anstatt Kakao Zucker 62%, dazu Zusatzfett und Emulgator: Sojalecithin.

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Sie bringt mit einer heftigen groben 180 Grammpackung einen mit 3 Euro 95 (im Versand 3 Euro 30) auch noch teueren Süßstoff Schokolade. Sie ist extrem überzuckert. Sie enthält mit 0,19 Gramm vergleichsweise viel Salz. Die 180 Gramm Tafelpackung enthält einen Schokoladenblock der an der Oberseite als Bruchkantenrelief eine Art M&S-Reifeb. Die Unterseite ist ungemustert.

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Es ist bemerkenswert, dass das ein unverortetes belgisches Produkt aus den Niederlanden ein echtes EU-Veredelungs-Produkt aus Europa ist mit der Herkunftsbezeichnung Kakaobohnen des Kakaos aus Westafrika – 100% sklavenfrei. Der Tester nimmt es so zur Kenntnis, ohne der Anbauregion oder Kakaosorte nachkommen zu können. Unter Fairtrade versteht man doch etwas ganz anderes.

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So weit muss mein Schoki-Test aber auch nicht gehen, der ja keine naturwissenschaftliche Lebensmittelanalyse ist. Vertrauenserweckend indes sind die Werbesprüche auf der Packung nicht. Da heißt es Wie es begann:

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„Hallo, ich bin Tony’s Chocolonely. Ich bin eine ungewöhnliche Schokoladentafel. Mich gibt es, damit die Sklaven in der Schokoladenindustrie abgeschafft werden. Du denkst wahrscheinlich, hä?… Sklaverei? Ja. Schau dir das Video an, um mehr über unsere Geschichte zu erfahren! „

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Mehr erfährt man auch auf der Direkt-Marketing-Homepage nicht:

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http://www.tonychocolonely.com

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Für mich als Schokoladen-Liebhaber ist eine Schokolade, die nicht zu hell, aber nicht ganz dunkel ist und Milch-Schokolade heißt, das Schönste von der Welt. Diese TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32%. trifft mich – auch, weil REWE allgemein nicht die billigsten und minderwertige Produkte verkauft, wo sie neuerdings im Sortiment aufgetaucht ist. Der Inhalt der 180 GRAMM Packung war nicht gerade frisch und soll bis zum 01.07.2020 haltbar sein (Herstellungsdatum ist nicht ersichtlich).

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Man schmeckt, wie sowohl der viele Zucker, Kakao, die Kakaobutter wie die weiteren Bestandteile ein schlappes Abbruch-, Abbeißknacken ergibt. Der Kauwiderstand ist seifig aber durch harte undefinierbare Kleinpartikel, sandähnlich knirschend keine Genussfreude. Die Abbisse schmelzen nicht, weil die Schokoladenmasse nicht fein sondern ziemlich grob ist, aber schleimt. Man kann solche 180 Gramm nicht aufessen – nur nach dem Test wegschmeißen (ich denke an üble Nummern von Stollwerck, von Trumpf-Schokoletten, an Cadbury und an eine russische Sorte – alle in Lichtgeschwindigkeit beschrieben).

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Die Aufmachung bei dieser Sorte einer Tafelschokolade von TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32% wurde ein popgrell gelber

Umschlag gewählt und innen mit Silberpapier abgepackt. Wiederverschließbar ist die Gespenstergroßpackung nicht.

 

 

Knattergelbe Packung mit weißen Spiegeln und Zinoberoter Großschrift sowie einer umlaufenden grüngedruckten Banderole mit dem Titel „TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32%. Hinzugekommen zum Layout.

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Das Format der Tafelfläche entspricht dem „klassischen“, gewohnten. 180 Gramm Inhalt sind natürlich „gewichtig“. Auf dem Weg der Aufmachung haben Tony’s keine Anleihen bei der traditionell-industriellen Aufmachung von Tafelschokolade gesucht, sondern auf die grelle Popfarbe gesetzt, die an sich mit dem Produkt gar nichts zu tun hat.

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Das Design überzeugt – so gesehen – als großmäulig.

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Auf dem äußeren Umschlag hat der Hersteller die nötigen Angaben dem Konsumenten übersichtlich, aber etwas zu knapp, in lesbar kleinem Schriftgrad, in schwarzen Buchstaben auf weißem Grund mitteilt:

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HINTEN: Eine Nährwerttabelle – für die kalorienzählende Konsumenten – auch um diese Tony’s mit den Zusammensetzungsverhältnissen bei anderen Herstellern und Produkten vergleichen zu können in Deutsch.

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ZUTATEN: Zucker, VOLLMILCHPULVER, Kakaobutter, tKakaomasse, Nougat, Emulgator: Sojalecithin, SALZ.

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Die Werbetexte auf der Innenseite des Umschlagspapiers sind knallrot in Kinderjargon geschrieben. Die Schriftgrößen sind lesbar:

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„Teile unsere Schokolade und damit auch unsere Story

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Während du das hier liest, schuften Sklavenarbeiter auf den Kakaoplantagen in Westafrika, darunter auch viele Kinder. Das ist nicht normal.

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Unsere Vision für die Zukunft ist es, zu 100% sklavenfreie Schokolade zu erreichen. Nicht nur unsere Schokolade, sondern alle Schokoladen weltweit.

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Mit unserer wahnsinnig leckeren Schokolade gehen wir mit gutem Beispiel voran und zeigen, dass die Herstellung von Schokolade auch anders laufen kann: In Sachen Geschmack, Verpackung und Umgang mit den Kakaobauern.

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Wir selbst stellen unsere Schokolade sklavenfrei her, doch gemeinsam können wir dafür sorgen, dass sämtliche Schokolade 100% sklavenfrei hergestellt wird. Deshalb bitten wir dich, mitzumachen.

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Denn je mehr Menschen sklavenfreie Schokolade wählen und unsere Story mit anderen teilen, desto eher ist 100% sklavenfreie Schokolade die Norm. Also ist es letztendlich deine Entscheidung. Bist du dabei? Teile unsere Schokolade und damit auch unsere Story.“

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CRAZY ABOUR CHOCOLATE. SERIOUS ABOUT PEOPLE“

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Die auf der Hinterseite aufgebotene Nährwerttabelle per 100 Gramm lautet:

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Energie 537 kcal/ 2246 kj

Fett 31,5 Gramm

davon gesättigte Fettsäuren 18,2 Gramm

Kohlenhydrate 63,7 Gramm

davon Zucker 61,0 Gramm

Eiweiß 7,8 Gramm

Salz 0,19 Gramm

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Der Kaufpreis bei bei REWE, Bonner Straße, Köln-Südstadt ist mit 3 EURO 80 zu hoch. Köln – die schöne Stadt – wo man Sowas bekommt.

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EMPFEHLUNG: Der Tester empfiehlt diese TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32%. nicht. Sie knackt nicht, sie duftet überhaupt nicht, sie ist extrem übersüß, allenfalls als Beispiel maßstabssetzender Großmäuligkeit und Junkfood-Dreistigkeit, unfein und grob.

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Hiermit lernt der Mensch, was qualitativ überhaupt möglich ist, ohne verboten zu sein. Wobei die erlogenen Werbesprüche der Sklavenfreiheit völlig unsachlich an der heutigen Wirklichkeit hochwertiger, natürlich kostbarerer Bean to Bar-Chocolatiers vorbeigeht.

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TEST-BEWERTUNG: TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32%. Sie ist ein einmaliger maßstabssetzender Absturz auf NULL von SECHS Zuckerhüten.

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Ich möchte noch anmerken, wenn die Fragen nach ÖKO-SIEGEL, FAIR-TRADE und so weiter gestellt werden.

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Wer hohe Qualität inhibieren und genießen will, muss nicht nur viel zahlen, sondern er muss Wissen und Erfahrung haben, um letztlich selbst zu beurteilen, ob ein Einzelhändler und ein Chocolatier echt, gut und anständig arbeiten. Denn oft bzw. meist fehlen die prominenten Lables der E U oder von namhaften selbsternannten NGO-Gütesiegel-Beschützer.

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Wie man hier bei TONY’S CHOCOLONELY vollmilchschokolade nougat 32% lernen muss, ist die Mehrdeutigkeit der Labels – was heißt schon „Fairtrade“, wenn untransparente Blend-Rohstoffe verarbeitet werden? Was heißt schon „FSB MIX“ – es wird inzwischen mit EU-Normen Urkundenfälschung offen publiziert, der zusatz „Mix“ bedeutet eben genau, dass es nicht FSB-Qualität ist – sie roden den Regenwald und labeln: „FSB Mix“.

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FINE E COMPATTO

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WARNUNG: recommended posts (Zusätze, die als Empfehlungen oder Beziehungen von WordPress hier eingestellt werden)

 

auf dem Dietmar Moews‘ Blog eingeblendete „Recommended Posts“ oder sonstige „Pseudoempfehlungen“ werden von WordPress

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gegen das Einverständnis des Eigentümers Dr. Dietmar Moews

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hier gezeigt und sind keine Empfehlungen von Dr. Dietmar Moews. Nichts davon wird i.S.d.P. von Dr. Dietmar Moews verantwortet. Dietmar Moews klickt diese „recommendends“ nicht an und liest nichts davon.

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Ab jetzt werden alle Dietmar Moews‘ Blog-Beiträge mit dem SLOGAN

 

FINE E COMPATTO deutlich beendet.

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WARNUNG: recommended posts

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und BESTELLEN

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