Beatmusik 1964 die neue Musik als soziale Revolution

Lichtgeschwindigkeit 7932

Vom Donnerstag, 8. Februar 2018

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Der siebzigjährige JEFF BECK mit Band im Kölner E-Werk, der 1964 bei den YARDBIRDS spielte

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Ich knüpfe an den Blogbeitrag LICHTGESCHWINDIGKEIT BEATMUSIK 1963 an.

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Keith Richard meinte mal in den 1980er Jahren zu den Umbrüchen in der SOWJETUNION, „vielleicht verdankt man der BLUE JEANS mehr die Revolution in Moskau, als den politisch sozialen Wertvorstellungen der Russen“.

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Zeitgeschichtlich ist unser westliches Leben sehr stark vom Zweiten Weltkrieg und den darauf gestellten machtpolitischen Folgerungen geprägt. Der materielle Erholungsprozess im Westen, nach 1945, war auch von mehr Freizeit. Modernisierung und mehr Konsumkraft der Privathaushalte geprägt.

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Besonders die Nachkommen der 1950er- und 1960er Geburtsjahrgänge wurden von ihren Eltern in ein geistig und materiell überreiches Angebot zur individuellen Entfaltung gestellt und freigegeben, wie sie es selbst und keine Jugendgeneration früher je erlebt hatten.

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Daraus folgte auch Kaufkraft der Jugend zum Konsum und eine völlig zur Jugend hin veränderte Marketing- und Werbungswelt.

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Das traf nun besonders auf die Freizeitangebote im Rahmen der KULTURINDUSTRIE zu, wo Alles mit Allem von der FINANZ- und KREDIT-Welt profitorientiert und marktmanipulativ organisiert wurde.

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Was zuvor Geburtstagsfeiern mit überquellenden Wohnzimmertischen, mit anschließenden selbstgequirrlten Sahnetorten und alkoholisierten Gesangseinlagen zum Akkordeon waren, wurde nun zu eigenen Konsumsegmenten ausgebaut:

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Jugendmode, Jugendmassenmedien, Libertinage und soziale Familienentkopplungen, Mobilität durch Automobile und Fernfuchtelei durch elektronische Medien sowie große Reichweiten der elektronischen Massenmedien, wie Radio, Fernsehen, bald auch Schallplatten im Verbreitungsnetzwerk mit Audio und Video.

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In den 1950er Jahren begannen in den USA Tanzkapellen als Combos mit elektrisch verstärkten Instrumenten zu musizieren, Bill Haley, Buddy Holly – und sie wurden Live, mit schlechten Tonqualitäten, in Radiosendern und TV bereitgestellt und massenhaft konsumiert. Der Fokus wanderte sehr bald weg vom Massenmedium KINO hin zu TV-Programmen.

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Die weltpolitischen Veränderungen, die in den USA nicht auf einen Zusammenbruch 1945, sondern vielmehr auf Japan 1946, China, Korea, Kuba, Vietnam gerichtet waren, mischten Generationsthemen in die angängige Sozio-Kultur der alltäglichen Lebenssphären, die anders als in Deutschland auf die NAZI-Eltern – auf LIMITS of GROWTH, auf ATOMKRIEG und auf Umweltvernichtung gerichtet waren. Bald zeigte sich, dass machtpolitische und demokratische Steuerungsversuche durch Abstimmungsmehrheiten aussichtslos wurden:

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Das wurde dann „1968“ genannt – in USA völlig anders als in FRANCE oder DEUTSCHLAND.

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Eine ästhtisch-poetische Klammer bildete dabei allerdings die Anglifizierung der Konsumwelt und die 1963 einsetzende BEATLE-MANIA, in USA „British Invasion“ genannt.

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Erstmals in der Moderne entstand europäischer Einfluss auf das Leben in USA – britisch-londonesk. Die Beatmusik erreichte die gesamte westliche Konsumwelt. Sie wurde ebenfalls – nur wenig zeitverzogen –  zu einem unerreichbaren SEHNSUCHTS-Land in der kommunistischen Privat-Welt, bis Wladiwostok.

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In obigem BEATMUSIK 1963 Clip der LICHTGESCHWINDIGKEIT habe ich maßgebliche Welthits aus England angeboten, wie GLAD ALL OVER von DC5 und Mike Smith. Dave Clark Five kamen in JFK-Airport genauso umjubelt aus den viermotorigen Transatlantik-Fliegern wie Lennon/McCartney 1964.

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Hier möchte ich einige Beispiele einstellen, die meine Freunde damals, nachdem die ersten Erfahrungen mit der Schlagerwelt und „Sie liebt Dich“ und „Komm gib mir Deine Hand“ (Beatles sangen Deutsch) vorbeigerauscht waren, hin zu den musikalisch intelligenteren. Wobei THE BEATLES musikalisch immer outstanding, immer intelligent und innovativ waren und mit der höchsten Qualität 1969, ohne viel Redundanz, endeten (die letzten BEATLES-Produktionen waren ihren frühen Liveprogrammen von 1962 entnommen, wie „One after 909“.

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Kurz, wir kamen schon 1964 über Beatles zu Rolling Stones, zu Pretty Things, Them usw. schließlich 1969 kulminierte der ästhetische Revolutionsprozess mit JIMI HENDRIX und das wars.

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Nach JIMI HENDRIX, 1970, kam nur noch hervorragende Popmusik, barocke Virtuosen, Robert Fripp und „Holdig the Compass“ von Family mit ROGER CHAPMAN, dem Sänger mit dem Veiztanz in der Stimme oder zahlreiche Einzelgenies, wie BOB DYLAN, NEIL YOUNG und CAT STEVENS – und auch Adrian Belew oder Peter Hammill – für jeden was dabei, uferte es aus und verlor die soziale Bindungsbedeutung.

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Meine KOHORTE (so heißt das – weiß ich heute) war also die, nach den (1940 geborenen) 68ern, deutschen Babyboomer, denen die neue BEATLES MANIA über Jugendmedien und Konsumangebote attraktiv und über Radio und Single-Schallplatten verfügbar wurden.

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Wir suchten sehr bald aus der Hitparaden-Auswahl, wie man auf RTL-Radio und Radio Caroline empfangen konnte, die weniger konventionellen „echteren“ Bands heraus. Dabei spielten die Liedertexte keine entscheidende Rolle. Da gingen You really got me, Satisfaction und Hang on Sloopy wie Day Tripper oder Ticket to ride – was da gesungen wurde, politisierte uns nicht sehr – wenn es hieß „I’m gonna find me a substitute“ oder „Substitude my coke for gin“, war uns das Mumpe. „Plastic spoon in my mouth“? na und?

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Hier bringt die LICHTGESCHWINDIGKEIT von 1963/1964 diese randständigeren Favoriten und dann dazu die auf grenzüberschreitende Drogen erkannten SKIP ALLEN oder VIVIAN PRINCE (The Pretty Things – „Rosalyn“).

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VIV PRINCE, einer der allerbesten Schlagzeuger der Zeit – der übrigens nach wie vor lebt (in der Schweiz) und spielt experimentellen Jazz.

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Ich wollte diese Lichtgeschwindigkeit mit den Beatles eröffnen. Es sollte eine der frühesten perfekt-genialen Studioaufnahmen sein, etwa It won’t be long, Twist and shout, Please Mr. Postman, dann dachte ich an ein damals sehr prominentes Stück der Beatles „Slow down“. Das spielte beinahe jede deutsche Amateurband. Es gibt „Slow down“ bei YOUTUBE leider nur als ärmliche Mitschnitte.

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„Game of love“ – Wayne Fontana and the Mindbenders – 1963 aufgenommen. Diese Besetzung endete 1966; die Musiker spielen noch heute und sind wirklich witzig. The Game of Love war der am schnellsten auf Platz EINS der US-Charts aufgestiegene Smash-Hit. Man sieht Brian Epstein im Video.

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https://www.youtube.com/watch?v=G7zL6ktCypM

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.“Gloria“ – Them, die in Belfast 1963 gegründete nordirische Band aus zusammengewürfelten Leuten, hatte den jungen Van Morrison als Sänger (1964, Original and Best). „Gloria“ spielte fast jede Provinzband in Deutschland, weil es mit nur drei Harmonien zu spielen ist.

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„Don’t Ha Ha“ – Casey Jones & The Governors 1964

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https://www.youtube.com/watch?v=_RolfEV2MOw

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Diese Band hatte zuerst diesen Hit – Casey Jones war britischer Soldat in Nienburg/Weser. Casey Jones and the Governors waren in England kaum bekannt und spielten überwiegend in Deutschland.

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„Rosalyn“ – The Pretty Things aus London (1964) waren unter den randständigen Jünglingen in der deutschen BEATMUSIK „Ehrensache“. Viele Leute, die heute erzählen, damals dabei gewesen zu sein, kennen „Rosalyn“ gar nicht – hier mit dem genialen Viv Prince, Schlagzeug. Der frühere Rolling Stone Dick Taylor aus Dartford bei London spielt noch heute Sologitarre mit THE PRETTY THINGS.

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https://www.youtube.com/watch?v=yUmtwq5F_tU

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„Land of thousand Dances“ – The Walker Brothers, ein Los Angeles Industrieprodukt, es spielen „wrecking Crew“. Das Stück gehört wiederum zu den sofort mitsingbaren „Volksliedern“, die die jungen Combos in Deutschland fast alle spielten. Da wurde schon mal mehrstimmig mitgesungen.

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https://www.youtube.com/watch?v=ettgTGqy6Aw

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„She’s not there“ – The Zombies aus London – waren für diesen Spitzenhit respektiert. She’s not there wurde oft gecovert, z. B. gibt es aus den 1970er Jahren von der californische VANILLA FUDGE eine sehr heftige Version,

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https://www.youtube.com/watch?v=_2hXBf1DakE

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„Skinny Minny“ – Tony Sheridan & the Beat Brothers – gehörten zu denjenigen, die bereits eigene Schallplatten machen durften (auch „Ain’t she sweet“. Diese Band sind die damals – 1961 und 1962 – in St. Pauli auf der Reeperbahn im INDIA, im TOP TEN und im Star Club als THE BEATLES spielten und ihre ersten, mehrmonatigen Gastspiele hatten.

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https://www.youtube.com/watch?v=zGjLcv1mqSw

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„Da Doo Ron Ron“ – The Crystals waren mit vier singenden farbigen Mädchen bereits ein die Beatmusik affirmierendes us-amerikanisches Industrieprojekt, von dem hervorragenden Produzenten PHIL SPECTOR – man hört den ästhetischen Anschluss an die BEATLES MANIA.

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https://www.youtube.com/watch?v=v-qqi7-Q19k

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Dave Clark Five – „Do You Love Me“ – Dave Clark Five – mit dem hervorragenden Sänger Mike Smith an der Orgel und im März 1964 erstmals aufgeführt. DC5 landeten in New York ähnlich furios wie BEATLES und STONES.

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https://www.youtube.com/watch?v=UIstQ-DgZ8Y

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„For Your Love“- The Yardbirds waren eine Londoner Blues-Band in der die damaligen jungen Trendsetter spielten, die in unzähligen Studio-Sessions all der anderen namhaften Projekte mitwirkten. Jimmy Page wurde einer der in jedem Studio herumhängenden Gitarristen – später LED ZEPPELIN. Keith Relf sang, Jeff Beck (hier akustische Gitarre), Eric Clapton und so weiter. Yardbirds zählten 1964 unbedingt zu den kultigen Bands mit sehr beachteten Platten. For your love wurde ebenfalls von unzähligen deutschen Amateurbands gecovert.

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https://www.youtube.com/watch?v=pn6cxaKRwtk

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Ich habe hier noch eine Auswahl von damals nur als Raritäten bekannten LIVE-Mitschnitten.Nur wer sowas hört, kann verstehen, warum z. B. der geniale BRIAN WILSON immer den unbeschreiblich hohen Druck, den die STONES live erzeugten, ausdrücklich bewunderte.

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Man muss das gehört haben – bzw. auch sehen, weil dadurch die Exklusivität dieser KÜNSTLER und ihrer weltweit begeisterten jugendlichen ANHÄNGER spürbar wird. Es wurde noch 1964 von der MUSIKINDUSTRIE behindert.

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Erst dann, sehr bald, machten Verleger, Produzenten, Rechtsanwälte und Veranstalter mit den leistungsfähigsten Bands EXKLUSIVVERTRÄGE. So wurden sie von den MAJOR-Companies angenommen, alsdann in den großen Radio- und Fernsehstationen gesendet und promotet. Damit konnte dann die ursprüngliche Arme-Leute-Handmusik über die BEATLES MANIA in ein unglaubliches Unterhaltungs-, Livestylekonsum- und – Freizeitgeschäft umgesetzt werden.

Der 72-jährige RAY DAVIES (Mitte) aus Muswell Hill und Tottenham

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FINE E COMPATTO

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