Weihnachten 2017 mit festlichen Berührungen

Lichtgeschwindigkeit 7816

Vom Sonntag, 24. Dezember 2017

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Eine schöne Weihnachtsfreude ist, wenn man ein angelegentlich aufgehobenes Zettelchen findet, das Liebe abstrahlt, wie es mir heute beim Schreibtisch Aufräumen geschah:

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Was mache ich mit der Weihnachtsbotschaft, die mir der Deutschlandfunk heute bereitstellte – und – ich habe sie abgeholt, die Behauptung aus einer angeblich wissenschaftlichen Publikation, die der DLF hier ausgewählt hatte?

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„Feiertage sind Sextage“

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„An Weihnachten … Suchanfragen, in denen das Wort „Sex“ vorkommt. Das berichten Forscher aus den USA im Fachmagazin Scientific Reports.

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Und es bleibt offenbar nicht nur bei virtuellen Gedankenspielen. Auch in den Geburtenraten der jeweiligen Länder rund neun Monate später zeigt sich laut der Studie jeweils ein kleiner Baby-Boom.

Nach Ansicht der Forscher belegen die Daten, dass solche saisonalen Geburtenzunahmen weniger mit natürlichen als mit gesellschaftlichen Zyklen und Stimmungen zusammenhängen. In die Studie flossen Daten aus 130 Ländern zu Google-Anfragen mit Sex-Bezug aus den Jahren 2004 bis 2014 ein.“

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Nun, liebe Aufruferin der LICHTGESCHWINDIGKEIT an Weihnachten 2017 und lieber Aufrufer:

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Weihnachten unterbrechen viele Profi-Fußballer ihren Alltagsbetrieb. Sehr viele Internetzbesucher steigen aus dem ununterbrochenen INFORMATIONS-SCHWALL aus und gehen anderen sozialen Weihnachtsaufrufen nach.

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Kurz, Weihnachten 2017, sind – außerhalb des gewerbsmäßigen Verkehrs – ganz spezielle Menschen in Lichtgeschwindigkeit im Netz. Man kann es durchaus auch an den Sonderthemen in Zeitungsportalen sehen, Weihnachtsgeschenke, Weihnachtsreisen, Weihnachtsessen, Weihnachtsmusik – meine alljährliche Weihnachtslektüre ist WILHELM RAABE, die Weihnachtsnovelle zum dreissigjährigen Krieg mit der ELSE VON DER TANNE.

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Wer sich also erst irgendwann nach Weihnachten hierher einschaltet und dabei hoffentlich findet, was er oder sie suchen (ich glaube, die meisten der tausenden Klicks sind enttäuschte Sucher – man wird es bei WordPress an den Verweildauern genau messen und festhalten).

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Die häufigen Benutzer der Gedanken von Dietmar Moews, wie sie täglich neu herausgebracht werden, besonders Abonnenten, die sich Neubeiträge anzeigen lassen, werden ihr eigenes Nutzerverhalten angenehm einrichten. Damit ist Lichtgeschwindigkeit doch ein lustiger Modus, der vermutlich bald durch das gewaltsame Ende der NETZNEUTRALITÄT dann noch weiter relativiert sein wird. LICHTGESCHWINDIGKEIT heißt dann nämlich:

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Die Geschwindigkeit des elektrischen Impulse bleiben physikalisch „lichtschnell“. Aber die dazwischen geschalteten bremsenden Kassen machen das „SURFEN“ dann in Richtung (MODEM) Vorzeit.

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WILHELM RAABE Aquarell, „Bauernkaten und Heidelandschaft“

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aus „ELSE von der TANNE oder Das Glück Domini Friedemann Leutenbacher, armen Dieners am Wort Gottes zu Wallrode im Elend“ (von 1865)

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…“Er hat mich in die Finsternis gelegt, wie die Toten in die Welt!“ wiederholte Ehrn Friedemann Leutenbacher zu Wallrode im Elend, trat an seinen Tisch und zeichnete drei Kreuze unter die Predigt für das Weihnachtsfest des Jahres Sechzehnhundertachtundvierzig. Martina hatte jetzt das Lämpchen auf den Tisch gestellt, ohne deshalb anzufragen, sie hatte auch einen Laib Brot und ein Messer neben die Predigt gelegt; – die weiße Katze saß aufrecht im Stuhl des Pfarrers und sah mit grünlich leuchtenden Augen in das Licht und auf das Brot. In diesem Augenblicke pochte jemand an das Fenster, und Ehrn Friedemann fuhr zusammen, als habe ihn die Hand des Todes berührt. Einen kurzen Moment zögerte er, dann aber öffnete er das Fenster, welches der Wind ihm fast aus der Hand riß. Heulend drang der Sturm in das Gemach und trieb den Schnee bis auf den Tisch. Die Lampe erlosch, die Blätter der Predigt wurden durcheinander geworfen und in die Ecken gewirbelt; mit einem entsetzten Satz verkroch sich die Katze unter dem Ofen.

„Wer ist da? was will man zu solcher Stund?“ rief der Pastor; zwei dürre Hände klammerten sich an das Fensterkreuz und eine alte keuchende Stimme kreischte:

„Gebet mir ein Stück Brot für meine Nachricht: Else von der Tanne muß sterben in dieser Nacht.“ Der Pfarrer von Wallrode sprach kein Wort, er fiel schwer nieder auf beide Knie und fasste ebenfalls das Fensterkreuz mit beiden Händen. Die Stimme draußen fuhr fort:

„Die schöne Else muß sterben, ich aber kann’s nicht; gebet mir ein Stücklein Brot. Der Wolf ist mir ausgewichen auf meinem Weg, der fallende Ast hat mich nicht treffen dürfen, der Schnee hat mich nicht verschüttet im wilden Walde. Ich bin so alt, – und die schöne junge Else muß sterben. Gebet mir ein Stück Brot!“

Der Prediger hatte sich wieder erhoben, er tastete mechanisch und reichte dem gespenstischen Wesen da draußen, welches die schöne junge Else von der Tanne um den Tod beneidete, den schwarzen Laib und das Messer.

„Im Namen Gottes und aller seiner guten Geister Dank!“ kreischte die Stimme, und dann kam ein neuer Sturmesstoß und jagte solche neue gewaltige Lasten des Schnees heran, daß die Lichter der Hütte dem Pfarrhaus gegenüber, gänzlich verschwanden. Nun war es fast, als habe der Sturm das alte Weib wieder entführt, wie er es brachte.

Vergeblich rief der Prediger den Namen desselben, der Schall seiner Stimme ging in dem Brausen und Zischen verloren. Niemand antwortete, eine Minute lang war’s dem Pfarrer, als ob es gar keine Menschenstimme, nicht die Stimme jenes alten Weibes, das am Johannistag am Wege saß, gewesen sei, welche ihm das Wort, daß Else von der Tanne sterbe, ins Fenster gekreischt habe. Ein böser Geist, welcher auf den Sturmwolken fuhr, hatte es ihm ins Ohr geschrien; eine Menschenstimme konnte solch kalt, grimmig Erschrecken nicht einjagen, konnte solche furchtbare Vernichtung nicht bringen.

Else, die schöne, junge Else stirbt! Else stirbt! Else stirbt! – Der Pfarrer von Wallrode im Elend faßte mit beiden Händen die Stirn; – war die Stunde gekommen, die seit dem Tage Johannis des Täufers langsam, drohend, unabwendbar heranschlich?

„Sie stirbt, – Else von der Tanne stirbt!“ stöhnte der Pfarrherr. Er tastete nach der Tür und wankte hinaus.

Auf dem Flur stand Martina mit der Lampe.

„Um Himmels willen, Ehrwürden, was ist Euch geschehen? was wollt Ihr tun? Ehrwürden, wollt Ihr fort? Bei diesem Wetter?“

Ehrn Friedemann schien die treue Dienerin gar nicht zu erblicken; er ging an ihr vorüber, er stand vor dem Haus im Sturm und tiefen Schnee; mit dem Mantel verhüllte er das Gesicht und schritt durch das Dorf, dem Wind und Flockengewirbel entgegen, dem Walde zu. Das Gebell der Hofhunde verhallte hinter ihm; er war allein mit seinen wilden Gedanken in der wilden Nacht.

Von dem freien Feld zwischen dem Dorf und dem Forste hatte der Wind den Schnee so rein weggefegt, daß der kahle, schwarze Boden nackt in dem seltsamen Dämmer dalag, und entsetzlich war dieser Wind auf diesem Gange. Er trieb den Atem in die Brust zurück, als wolle er sie zersprengen, wütend griff er in die Haare, die Mantelfalten des Wanderers, um ihn zu Boden zu werfen, in rasenden Sprüngen und Sätzen schnaubte er gegen das Dorf Wallrode hinab und jagte das weiße Gestäube vor sich hin.

Als der Pfarrer den Rand des Waldes erreichte, hätte er sich selber zu Boden werfen mögen, um die keuchende Brust ausatmen zu lassen. Wie Schlachtendonner rollte es durch das Gebirge, – Geächz und Stöhnen, Gekrach und Geknirsch, wie von den Grenzen der Erde her!

Wo das hübsche Reh die blutende Else mit fröhlichen Sprüngen und Schmeichelgebärden empfing, lag der Schnee mannshoch; im Walde konnte der Sturm nicht also sein Spiel mit ihm treiben; – in manchen Gründen war die Luft so still, wie hinter einer hohen Mauer, und nur das Gebrüll zu Häupten und das Ächzen und Wiegen der Stämme war hier ein Zeichen, wie’s von Wipfel zu Wipfel, von einer Höhe zu andern, in die Ebene hinausfuhr.

Die Kinder und die Irren hält Gottes Hand fest auf ihren Wegen; – seinen Weg durch den verschneiten Wald konnte der Pfarrer von Wallrode nur durch ein Wunder finden. In seinem zerrütteten Gehirn war jetzt seltsamerweise nur alles liebliche Frühlings- und Sommerglück der letzten elf Jahre lebendig. Wo er brusttief in dem aufgehäuften Schnee versank, da hatte die kleine Else aus den Stengeln der gelben Butterblumen Ketten geschlungen, und das uralte Kinderlied vom guten Bischof Buko von Halberstadt den Pastor von Wallrode gelehrt. Wo die große Eiche, die tausend Jahre lang allen Ungewittern trotzte, niedergebrochen war, hatte Else von der Tanne in jungfräulicher Schöne ruhig und still gestanden und dem fernen, fernen Rollen und Donnern in der Ebene gelauscht, wo die Schweden unter ihrem Generalleutnant Königsmark sich mit den Kaiserlichen jagten. Vor dem Eingange der schwarzen Höhle, in welcher sich die Gemeinde, um der Wut des Feindes im Jahre Sechzehnhundertneununddreißig zu entgehen, verborgen hatte, stand ein Wolf; aber er griff den irrenden Wanderer so wenig an, wie er die irre Justine angegriffen hatte; mit winselndem Geheul wich er in das Innere der Grube zurück.

Als der Prediger in den Bezirk der hohen Tanne gelangte, hörte das Sausen und Brausen in den Lüften und Wipfeln plötzlich auf, und als Friedemann Leutenbacher das Licht der Hütte des Meisters Konrad durch die Stämme schimmern sah, endete auch der Schneefall, und es wurde nach all dem Aufruhr zwischen Himmel und Erde ganz still. Aber in dieser unerwarteten gespenstischen Pause fühlte der nächtliche Wanderer erst im vollsten Maße die übermenschlichen Anstrengungen und Mühen des zurückgelegten Pfades. Die Pulse klopften, die Knie und Hände erzitterten, mit einem tiefen Seufzer griff Friedemann Leutenbacher nach einem überhängenden Baumzweig, um sich aufrecht zu erhalten. Heiß und keuchend war sein Atem, seine Augen, von der Gewalt des Windes ausgetrocknet, brannten, rings um ihn her belebte sich die Schneedämmerung und die Finsternis des Forstes mit tausendfachen wirbelnden Gestalten seiner fiebernden Phantasie, – er hätte in seiner Angst laut aufschreien mögen und vermochte doch keinen Laut hervorzubringen! Es war ihm, als kämpfe er noch immer gegen den Sturm und die Gefahren des Weges an, um das ruhige Licht in der Hütte zu erreichen; und es war ihm, als weiche dieses Licht immer weiter, weiter zurück; und es war ihm, als werde er ihm in alle Ewigkeit so zum Tode erschöpft und in solch namenloser Angst folgen müssen.

Dieser Zustand währte wohl eine Viertelstunde lang; dann endete er, wie der Sturm geendet hatte.

„Else von der Tanne stirbt! Else von der Tanne ist tot!“ sagte der Prediger von Wallrode im Elend und schritt durch den Raum, der ihn von der Hütte des Meisters Konrad trennte.

Nur fußtief lag der Schnee hier zwischen den Stämmen, aber gegen die Hütte selbst war er in desto gewaltigeren Massen getrieben worden. Der Pfarrherr von Wallrode vermochte es kaum, sich einen Weg zu dem niedern, engen Fenster zu bahnen; endlich gelang es ihm doch, und er stand und blickte stier und starr in das Gemach, allein die Scheiben waren so sehr vom Frosthauch beschlagen, daß er nur unbestimmte Schatten sah; er mußte die unheilvolle Arbeit von neuem beginnen, um zu der Tür der Hütte zu gelangen.

Er pochte, doch zuerst regte sich nichts darinnen; er pochte zum zweitenmal, und dann hörte er den schweren Tritt des Magisters.

„Wer ist da? Hier innen ist der Tod, – das Leben ist entwichen aus diesem Haus.“

„Öffne Vater,“ sagte der Prediger von Wallrode.

Der Meister Konradus schob den Riegel zurück und Friedemann Leutenbacher trat in die Hütte; stumm wandte sich der Meister, und Friedemann stand vor der Leiche Elses von der Tanne – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Sie lag auf ihrem Lager wie eine Schlafende; der Vater hatte ihr die Arme über der Brust ins Kreuz gelegt; sie schien zu lächeln, und die Ruhe des bleichen Gesichtes war mehr als jegliches Mienenspiel irdischen Behagens, irdischen Glückes.

Das zahme Reh stand neben dem Bett und hatte seinen schlanken Hals, sein Köpfchen auf die Decke gelegt, die weiße Waldtaube, welche vor zwei Jahren aus dem Nest gefallen und von Else aufgezogen war, saß zu Häupten des Lagers auf dem Bettpfosten und sah auf die bleiche Herrin.

„Um fünf Uhr, als der Sturm anhub, ist sie gestorben,“ sagte der Vater. „Ich dachte nicht, daß es so bald sein würde; sie ist aber ohne Schmerzen fortgegangen, hat den großen Sturm nicht mehr erlebt; – – sie ist tot.“

„Sie ist tot!“ wiederholte Friedemann Leutenbacher, der Pfarrherr zu Wallrode im Elend, und kniete neben dem Lager nieder. Der Meister Konrad setzte die Lampe, welche er bis jetzt über das stille Haupt der Tochter hielt, auf den Schemel und stand in der Dämmerung am Fußende des Bettes, ohne sich zu regen.

Ohne das Gesicht zu erheben, sprach der Prediger nach einer Weile:

„Sagt mir mehr von ihrem Abscheiden, Vater; als ich gestern abend Abschied nahm, sagte sie, sie würde leben, eine Stimme in ihrem Herzen habe es ihr versprochen.“

Der Vater neigte das Haupt:

„Sie lebt, – die Stimme, welche sie vernahm, spricht keine Lügen. Sie lebt; wir aber sind tot, und werden sie nimmer wiedersehen.“

Ein Schauer lief über der Leib des Predigers; der Meister Konrad fuhr fort.

„In der vergangenen Nacht litt sie große Schmerzen; ich hielt ihre Hand und wich nicht von ihr, bis zum Morgen. Als der Morgen kam, schlief sie ein und schlummerte wohl drei Stunden; dann erwachte sie, grüßte mich und wußte nichts mehr von den Qualen der Nacht. Sie sorgte um ihre Tiere, Reh und Täublein, und sah sie neben ihrem Bett essen. Ich aber sah, daß sie kränker war, denn je; sie selber wollte weder essen noch trinken; ihre Stimme war wie ein Hauch. Sie sprach von dem heiligen Feste und sorgte um Eure Predigt, so ihr, Friedemann, dem armen Volke im Dorfe zu Weihnacht halten würdet. Er soll meiner nicht gedenken, sprach sie – die Liebe Gottes ist über allem; – er soll das Vergangene von sich werfen und soll der Kinder gedenken und zu den Alten reden wie zu den Kindern; wir sind so glücklich, glücklich gewesen in ihrem Wald, und als sie die Steine auf uns warfen und mich trafen, wußten sie nicht, was sie taten, Er soll um meinetwillen den armen Leuten nicht weiter zürnen, redete sie weiter, ich werde es gewißlich in meinem Herzen fühlen, wenn er morgen hart zu ihnen spricht. – – Ich erinnerte sie an das Versprechen, so Ihr über dieses ihr gestern gegeben hattet, und sie lächelte und sagte, sie wisse es. Um Mittag kam die alte Justine, die seit dem Johannistage ihre Freundin ist, um sich an unserm Herde zu wärmen, und die blieb bei uns bis zu einbrechender Dämmerung. Da der Kranken Zustand nicht schlechter geworden zu sein schien, so war allmählich wieder Ruhe in meine Seele gekommen, und ich saß am Fenster und hatte Platonis hohes Buch Phädon vor mir aufgeschlagen; die Sanduhr zeigte vier Uhr nach Mittage an. Da tat die Justine plötzlich einen Schrei und hob beide Arme, und ich war aufgesprungen und sah auf meine Tochter.

„Der Tod! der grimme Tod!“ schrie die Alte im Wahnsinn und stürzte aus der Hütt hinaus in den Wald und floh wie gejagt von tausend Larven und Schrecknissen; aber meinem Kind saß der Tod am Herzen. Heimtückisch war er herangeschlichen, und ich hatte es nicht gemerket. Sie lag mit offenen Augen und sah mich an, wie sie es noch nie getan hatte; sie regte sich nicht, sie sprach nicht mehr; aber sie kannte mich und wollte mich durch ihre Augen trösten; – gegen fünf Uhr ist sie gestorben. Ich habe sie vergeblich in der Wildnis verborgen – weh, es ist keine Rettung in der Welt vor der Welt, – – um fünf Uhr ist sie gestorben, und der große Sturm erhob seine Stimme im Wald, sie aber hörte dieselbe nicht; – sie ist sicher und lebt; aber wehe uns!“

Jetzt erhob der Prediger von Wallrode im Elend das Gesicht von der Leiche; er ließ die Hand auf den kalten Händen der toten Else liegen und rief:

„Jawohl, wehe uns“ Es ist geschehen, – Gottes Wille ist vollbracht. Er hat seine Hand abgezogen von der Erde, er hat die Völker verstoßen und uns vernichtet; es ist keine Hoffnung und kein Licht mehr in der Welt und wird auch nimmer wieder kommen. Wir haben uns gesträubet gegen seine mächtige Hand und sind geschlichen wie Diebe in der Nacht mit unserm und der Erde letztem Schatz und Edelstein, ihn seinem Auge zu verbergen: Er aber hat uns aufgefunden, über uns gehauchet und uns geschlagen mit der Geißel es Zornes; er hat unser gelachet und gegriffen, was sein war. Wer will sich nun fürder wehren? es ist nicht nütze und verlohnet der Mühe nicht! Lasset der Sünde und der Schande Strom schießen und brausen; – wer will noch Dämme bauen gegen des Herrn Willen? Der Herr spottet der Erde, und seinem Lachen lauschet der Antichrist in der Tiefe, stehet und ruft den Seinen: wacht auf, wachet auf, ihr Fürsten der Nacht; – der Schein Gottes gehet aus der Welt; stehet zu den Riegeln, ihr Gewaltigen, die Pforten des Abgrundes aufzuwerfen – unser ist das Reich!“

„Der Schein Gottes ist für uns aus der Welt gegangen – für uns ist das letzte Fünklein erloschen. Mein Kind lebt; aber wir, die wir Atem holen, liegen unter dem Fuße des Todes.“

Friedemann Leutenbacher hatte sich von den Knien erhoben; noch einmal sah er die tote Else mit einem langen Blick an: dann schritt er aus der Hütte, und der Meister Konrad machte keinen Versuch, ihn aufzuhalten; er fragte ihn nicht, wohin er gehe, er wußte es nicht, daß der Prediger von Wallrode ihn neben der Leiche der Tochter allein ließ. –

Der Wind hatte seine Stimme wiederum erhoben; doch nicht so laut denn zuvor. Im Kreise schritt Friedmann Leutenbacher um die Hütte an der hohen Tanne, rang die Hände und rief den Namen:

„Else! Else!“

Ihm antwortete niemand, sogar den Widerhall schien der Schnee im Walde erstickt zu haben. Die Nacht war jetzt so dunkel wie jene andere furchtbare Nacht, deren Nahen der Prediger so wild in seinem Schmerz verkündet hatte. Das Licht in der Hütte war plötzlich verschwunden, sei’s, daß die Lampe erlosch, oder daß der Meister Konrad sie an eine andere, verborgene Stelle gesetzt hatte; – Ehrn Friedemann Leutenbacher verlor sich in der Wildnis.

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Mainzer Straße in Köln-Süd, nördlich Eierplätzchen

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Er wanderte und wußte nicht wohin.

Durch tiefen Schnee und über kahle Flächen, Berg auf und ab, weiter und immer weiter jagte ihn die unendliche Angst seiner Seele. Er fiel und richtete sich empor; er zerriß die Hände und die Gewänder und das Gesicht an den Dornen; er sank von neuem zu Boden und sagte abermals:

„Er hat mich in die Finsternis geleget wie die Toten in die Welt.“

Allmählich war es bitter kalt geworden, und nur noch einmal gelang es dem Unglücklichen, sich zu erheben und weiter zu schwanken, Ohne es zu wissen, stieg er immer mehr aus den Tälern empor, zu jener Höhe, von welcher man die weiteste Aussicht aus dem Walde in das Land hatte, von welcher er Else von der Tanne Städte und Dörfer, Fluß und Bach bis in die weiteste Ferne gedeutet hatte. Er hörte eine ferne Glocke, nannte den Namen eines Fleckens und strich mit der Hand über die Stirne und sagte, daß es Mitternacht sei.

Er stand schaudernd in dem pfeifenden eisigen Winde und legte lauschend die Hand an das Ohr, wie jemand, der erwartet, daß man seinen Namen rufen werde. Nachdem er lange Zeit so gestanden hatte, schüttelte er das Haupt und sank in sich zusammen.

Sein Kopf ruhte auf einem Felsstück, sein Leib streckte sich lang, seine Hände mit den blutroten Narben um die Gelenke kreuzen sich über der Brust, – Friedemann Leutenbacher, der Prediger am Worte Gottes zu Wallrode im Elend, glaubte jetzt, er liege in seinem Sarge und der Deckel über ihm; während der aber dumpf darum grübelte, wie es komme, daß er noch von sich wisse und denke, entschlief er und ging in einem Traume fort, ging hinüber auf dem Wege, den Else von der Tanne gegangen war.

Seine Wunden waren geheilt, seine Ketten abgefallen, die Mauern seines Gefängnisses waren gebrochen, und die Pforte war aufgerissen. Else von der Tanne hatte dem Prediger Friedemann Leutenbacher das Glück gebracht, als ihr Vater sie, ein hold klein Kindlein, auf dem Arm in den Wald trug, um sie vor der bösen Welt zu retten; Else von der Tanne hatte das Glück Friedemann Leutenbachers nicht mit sich fortgenommen, als der Welt Elend und Jammer sie doch ausfand und ihr das Herz zerbrach; – Else von der Tanne führte die Seele des Predigers aus dem Elend mit sich fort in die ewige Ruhe. Ihnen beiden war das Beste gegeben, was Gott zu geben hatte in dieser Christnacht des Jahres Eintausendsechshundertvierzigundacht.

Der Magister Konradus hat sein Kind begraben mitten in der Wildnis, fern der Menschen; des Predigers Leiche aber haben die Bauern am zweiten Weihnachtstage nach langem Suchen gefunden, sie aus dem wüsten Walde ins Dorf getragen und sie neben der Kirche in die Erde gelegt.

Der Meister Konrad hat den Winter noch in der Hütte gewohnt, um des armen Rehes und der Taube willen; aber im Frühling, als die Tiere seiner nicht mehr bedurften, und endlich jedermann wußte, daß der Friede geschlossen sei zu Osnabrück, ist er fortgegangen. Die alte, arme, irre Justine ist ihm am Bettelbrunnen begegnet, hat seinen Schatten vor ihm am Boden, und einen schwarzen aufrechten Schatten ihm folgen sehen und gesagt, das letzte sei der Tod gewesen.

Heute sind von dem Dorf Wallrode im Elend nur noch geringe Trümmer im Wald zu erblicken; es ist nicht auszusagen, nicht an den Fingern herzuzählen, was niederging durch diesen deutschen Krieg, welcher dreißig Jahre gedauert hat.“

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Dietmar Moews meint: Vom Rahmen einer verschachtelten Rahmen-Novelle zeugt der Schluss-Auszug aus ELSE von der TANNE, die ich, als Kunde von Wilhelm Raabe (1831-1910), an alle Kunden der LICHTGESCHWINDIGKEIT weiterempfehlen möchte.

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Mit schönen Weihnachtswünschen.

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P. S. Else von der Tanne lese ich schon viele, viele Weihnachten (das hat auch mit den Weihnachtssozialitäten zu tun, die man nicht unbedingt wählen kann). So kann ich noch auf meine „Osterlektüre“ hinweisen, die ich stets schon vor Karfreitag beginne – es sind alle Teile von „FAUST“, auch die oft sehr erotischen, gestrichenen Teile, damit auch Osterfeiertage Sextage sind).

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FINE E COMPATTO

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