Eckhard Henscheid erhält Kasseler Literaturpreis 2018

Lichtgeschwindigkeit 7548

Vom Freitag, 1. September 2017

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Eckhard Henscheid, Fußball-Lesung 1991 v. rechts, mit Bernd Eilert, Ror Wolf

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Dieser erste September 2017 fängt sehr gut an. Der deutsche Dichter und Denker Eckhard Henscheid erhält den Kasseler Literaturpreis 2018.

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Wie epd/dpa meldete, teilte die Stiftung Brückner-Kühner am Dienstag in Kassel mit, dass der Autor Eckhard Henscheid den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor 2018 erhält.

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Damit werde der „Klassiker der literarischen Hochkomik“ für sein ungemein vielfältiges und virtuos gestaltetes Werk ausgezeichnet.

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Die Preisverleihung findet am 3. März 2018 im Kasseler Rathaus statt. Die Laudation wird der ehemalige Chefrdakteur des Satiremagazins „Titatic“ Oliver Maria Schmitt halten.

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Eckhard Henscheid, geboren am 14. September in Amberg, Oberpfalz, ist ein avantgardistischer Dichter und Überdenker in gebundener deutscher Sprache. Er wurde in den 1970er Jahren durch die Mitarbeit an den intelligenten Zeitschriften „pardon“ und „Titanic“ und dem Kreis der „Neuen Frankfurter Schule“ bekannt. Seine Texte wurden auch im Verlag des Direktmarketing-Labels „zweitausendeins“ publiziert, wo bis zum Jahr 2008 eine zwölfbändige Gesamtausgabe erstellt wurde, die mit „Die Vollidioten“ – Roman von 1973 – beginnt.

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Roman-Trilogie von Zweitausendeins,1978, mit „Die Vollidioten“

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Laut Wikipedia nahm Eckhard Henscheid im Juli 1970 – damals als Mitglied der SPD – an der „Besetzung“ des Springerhochhauses teil. Die „Besetzung“ ereignete sich im Rahmen einer satirischen Aktion der pardon-Redaktion, der Henscheid damals angehörte; nämlich „wider die Volksverhetzung durch die Bild-Zeitung“.

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In den frühen 1990er-Jahren hatte Henscheid gerichtliche Auseinandersetzungen in Fragen der Kunstfreiheit mit der Unternehmensberaterin Gertrud Höhler und René Böll, dem Sohn des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll. Henscheid hatte Heinrich Böll zuvor in einer Rezension unter anderem als „steindumm“ und „korrupt“ bezeichnet, über eine Werbeaktion Höhlers für American Express hatte er einen Artikel namens Sie muss verrückt sein in „konkret“ veröffentlicht. In beiden Fällen unterlag Henscheid, der sich auf die Meinungsfreiheit berief, schließlich vor Gericht. Das Bundesverfassungsgericht wies eine Beschwerde gegen ein vorheriges Urteil eines Landgerichtes zurück, da die Böll-Rezension eine nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckte Schmähkritik sei.“

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Im Jargon der „Neuen Frankfurter Schule“ werden Henscheids Texte als Kritik am „Dummdeutschen“ in jeder Form und Vielzahl der von ihm gepflegten Gattungen und Genres gesehen.

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Dietmar Moews meint: Der Dichter und Denker Eckhard Henscheid schreibt inspiriert, weil er was zu sagen hat. Dabei hat er aus dem Dunst der DDR-Kominform zum Sozialdemokratismus gefunden, dann zur selbstmarginalisierten „TITANIC“-Elite, und schließlich war Henscheid von den Straßen und Plätzen in die Wohnstube zurückgekehrt, wo er sich den besten Lektüren und Gedanken hingeben konnte – abseits unserer deutschen KULTURINDUSTRIE und der besten aller Demokratien (nachdem er auch die Schweiz ausprobiert hatte). Dazu lese man Henscheids „KOHL-BIOGRAFIE“.

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Mit Gründung meiner Zeitschrift Neue Sinnlichkeit, in Hannover im Jahr 1979, zeitgleich mit den Erstausgaben von „TITANIC“ und „TAZ“, die genossenschaftliche tageszeitung, hatte sich eine latente Wahlverwandtschaft mit den Frankfurtern und Berlinern gezeigt, die dem elitären Prinzip, politische Orientierung sich vorzustellen und zur Sprache zu bringen, verbunden waren und sind, Moral niemals zu verspotten und – er ist Fußballer.

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TITANIC“-Zeitschriftgründungs-Ansammlung mit Eckhard Henscheid, 1979 (rechts)

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Martin Walser huldigte Eckhard Henscheid. Für Walser ist Maria Schnee das Erzählwerk „mit dem größten mir bekannt gewordenen Atomgewicht.

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Henscheids Arbeiten umfassen Erzählungen, Romane, Idyllen, Märchen, Satiren, Essays, Lyrik, Nonsens-Dichtung, Polemiken, Glossen, Grotesken, Literatur-, Kunst und Musikkritik – meist als Ich-Erzähler mit gesellschaftskritischem Impetus. Die IT-Revolution reflektiert er durch Ausblendung, mehr wie den Übergang vom Bleistift zur Schreibmaschine, wie eine weltverändernde neue Sinnlichkeit des Solipsismus und der sozialen Regression.

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Eine der politischen Baustellen in Henscheids Eigenständigkeit, ist das Thema „Antisemitismus“. So kam es zu Meinungsverschiedenheiten in der Walser-Bubis-Kontroverse und generell über den Inhalt des Begriffs „Antisemitismus“, welchen konkret Henscheid zugeschrieben hatte. Dabei hatte Walser das eisenhölzerne Stakkato von Immobilienhändlern, wie IGNAZ BUBIS – den Alphons Silbermann den „BUBITSCH“ nannte – mit dem Begriff „Antisemitismus“ sein Lebenswerk zu schmücken, in Frage gestellt. Dafür wurde Walser bezichtigt, einen Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheitsbewältigung ziehen zu wollen. Daraus folgerte man kurzerhand, Walser sei ein Antisemitismus-Betreiber.

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Wikipedia.de schreibt dazu noch (Stand 31. August 2017):

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Am 18. Juni 2005 trat Henscheid gemeinsam mit Gerhard Polt in Zürich auf und las aus seinem Werk. Dabei nahm er beispielsweise die gängigen Verirrungen seiner Zeitgenossen in der Grammatik aufs Korn, indem er den Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ mit einer Bauernregel erklärt, wobei er dabei die Dicke der Buchstaben zu Hilfe nimmt.

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Henscheid hat zweimal der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ Interviews gegeben. Das erste davon ging ein in die Textsammlung des Buchs Der Streit um Martin Walser, in dem Walser gegen den Vorwurf des Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Roman Tod eines Kritikers verteidigt wird. 2006 unterzeichnete er den von der Zeitung inszenierten „Appell für die Pressefreiheit“ gegen den Ausschluss der Jungen Freiheit von der Leipziger Buchmesse. Im Jahre 2009 war Henscheid in der Jungen Freiheit als Gastautor tätig.

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Eckhard Henscheid mit Goethe-Büste

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2009 wurde Henscheid der bayerische Jean-Paul-Preis verliehen – „für sein literarisches Lebenswerk […] und nicht für seine publizistischen Scharmützel“, wie der bayerische Kunstminister Wolfgang Heubisch bei der Preisverleihung betonte. Ein polemischer Artikel, den Henscheid kurz zuvor in der Jungen Freiheit publiziert hatte, hatte für Aufsehen gesorgt, und bis auf eine Ausnahme blieben sämtliche Juroren, die auf Druck des Ministeriums später durch andere ersetzt wurden, der Preisverleihung fern.

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Ein für Frühjahr 2012 vorgesehener und bereits fertiggestellter autobiografischer Band „Denkwürdigkeiten – Aus meinem Leben“ wurde wegen Unstimmigkeiten mit dem Rowohlt Berlin Verlag einvernehmlich zurückgezogen. Die Autobiografie erschien im Januar 2013 bei Schöffling & Co.

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Seit dem 3. Juli 2014 ist Henscheid der erste und einzige lebende deutsche Autor, nach dem (in Frankfurt-Bornheim, Mainkurstraße 27) ein Lokal („Henscheid“) benannt wurde.“

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Ich gratuliere Eckhard Henscheid zu dieser weiteren Huldigung, der Kasseler Preisvergabe 2018.

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Henscheid ist lebender Beweis, vorausgesetzt enorme Begabung dazu, dass es möglich ist, als Künstler in Deutschland unbeugsam zu publizieren, am Verkaufsmarkt erfolgreich zu leben und eine beachtete soziale Gruppe zu etablieren. Die Eckhard Henscheid-Gruppe ist zwar sehr klein, sehr elitär und kommt sehr heterogen daher, aber sie ist wirksamer Teil der heutigen „Theodizee“.

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