Gretel Bergmann 1914 – 2017 Kurznachruf

Lichtgeschwindigkeit 7472

Vom Donnerstag, 27. Juli 2017

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Die frühere deutsch-jüdische Leichtathletin Gretel Bergmann (später Margaret Bergmann-Lambert) * 12. April 1914 in Laupheim, Königreich Württemberg, die in den 1930er Jahren im Hochsprung zu den Spitzenathletinnen zählte, aber von den Nazis an der Teilnahme bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin gehindert worden ist, ist jetzt 103-jährig, am † 25. Juli 2017 in New York City, New York, gestorben.

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Gretel Bergmann wuchs in einer jüdischen Familie auf. Ihr Vater war ein Fabrikant (Bergmann GmbH&Co.KG) aus der oberschwäbischen Kleinstadt Laupheim. Gretel Bergmann begann ihre Karriere in ihrem Heimatort Laupheim. 1930 trat sie für den Ulmer Fußball-Verein 1894 (UFV) an und erreichte als 16-Jährige bei den süddeutschen Meisterschaften im Hochsprung mit 1,47 m den zweiten Platz. Im folgenden Jahr gewann sie den Titel mit einer übersprungenen Höhe von 1,46 m; vorher war sie bereits mit 1,50 m süddeutsche Jahresbestleistung gesprungen.

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Grete Bergmann sprang, wie damals im Hochsprung üblich, in aufrechter Körperhaltung mit Beinscherenschlag-Technik seitlich über die Sprunglatte. Auch 1932 wurde sie Süddeutsche Meisterin. Trotz anhaltender Überlegenheit in der Region trat sie bei den deutschen Meisterschaften nicht in Erscheinung. An den Olympischen Spielen 1932 nahm Helma Notte als einzige deutsche Hochspringerin teil.

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Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Gretel Bergmann im April 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus ihrem Sportverein ausgeschlossen. Daraufhin verließ sie Deutschland und nahm am 30. Juni 1934 für den Polytechnics Ladies A.C. an den offenen britischen Meisterschaften (Women’s A.A.A. Championships) teil. Dabei gewann sie den Hochsprung mit 1,55 m.

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Die Nationalsozialisten zwangen Gretel Bergmann danach zur Rückkehr und zum Training für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, indem sie ihrer in Deutschland verbliebenen Familie mit Repressalien drohten. Hintergrund war das Ziel der Nationalsozialisten, Deutschland als weltoffenes und tolerantes Land zu präsentieren. Entscheidend dürfte auch gewesen sein, dass die Amerikaner die Teilnahme deutscher Juden forderten, da sie andernfalls die Spiele boykottiert hätten. Ohne geeignete Trainingsmöglichkeiten war ihre Lage im Hinblick auf einen Wettkampf erschwert, da es gleichwertige Traininingsmöglichkeiten für Juden im NS-Deutschland nicht mehr gab. Obwohl sie ins Olympia-Team sollte, durfte sie in keinem Verein starten. Sie war stundenlang unterwegs, um in Stuttgart auf einem Sportplatz zu üben.

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Trotz dieser Widrigkeiten übersprang sie im Sommer 1935 bei den Frauen-Olympiaprüfungskämpfen in Ulm erneut 1,55 m und einige Wochen später, Anfang Juli, gewann sie die Württembergische Meisterschaft mit 1,50 m. Zu den Olympiaprüfungskämpfen unmittelbar danach in Hamburg wurde sie jedoch nicht hinzugezogen (12 Springerinnen nahmen teil). und bei den deutschen Meisterschaften am 3. und 4. August des Jahres fehlte sie ebenfalls, obwohl von den 20 Teilnehmerinnen nur vier in dem Jahr höher gesprungen waren. Am 25. August gewann sie bei den Reichsmeisterschaften des Sportbundes Schild und kam abermals auf 1,55 m.

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Im Olympiajahr verteidigte Bergmann Ende Juni ihren Meistertitel in Württemberg; dabei stellte sie den deutschen Rekord (1,60 m) ein. Dieser Rekord wurde erst 2009 vom DLV offiziell anerkannt, allerdings war Bergmann gleich anschließend in der Tagespresse als Olympiahoffnung sowie Mitfavoritin bei der deutschen Meisterschaft hervorgehoben worden.

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Es wiederholte sich die Abfolge des Vorjahres: Die Chance, ihre Leistung bei der Deutschen Meisterschaft am 12./13. Juli in Eichkamp bei Berlin zu bestätigen, erhielt Gretel Bergmann nicht. In der Fachpresse fehlte ihr Name schon in der Vorschau. Auch im Wettkampfbericht eine Woche später wurde auf Bergmanns Abwesenheit nicht eingegangen.

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Kurz vor Beginn der olympischen Wettkämpfe teilte der Reichssportführer Hans Tschammer und Osten Gretel Bergmann mit, sie werde nicht berücksichtigt, weil ihr Leistungsstand nicht ausreichend sei. Nominiert wurden Ratjen und Kaun, die ebenfalls schon 1,60 m übersprungen hatten; der dritte Startplatz blieb unbesetzt. Um einen öffentlichen Skandal während der Olympischen Spiele zu verhindern, wurde ihr Heimtrainer für die Dauer der Spiele in Schutzhaft genommen. Im folgenden Jahr war Bergmanns Leistung aus der Weltbestenliste in Deutschland bereits getilgt.

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Sie wanderte in die Vereinigten Staaten von Amerika aus.

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Mit Gelegenheitsarbeiten verdiente sie sich ihren Unterhalt. 1937 heiratete sie den aus Deutschland stammenden Arzt Bruno Lambert, der mit ihrer finanziellen Unterstützung aus Deutschland ausgewandert war. Mit ihm lebte sie über 75 Jahre zusammen, bis er im November 2013 im Alter von 103 Jahren starb. Er war auch Sportler, kam 1938 in die USA nach, aus seiner Familie überlebte niemand den Holocaust. Auch Bergmanns Familie blieb nicht von NS-Verfolgung unberührt. Ihr Vater hatte sechs Wochen in einem NS-Lager verbracht und litt sein Leben lang an den gesundheitlichen Folgeschäden.

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Margaret Bergmann-Lambert gewann auch in den USA die nationalen Meisterschaften im Hochsprung (1937, 1938) und im Kugelstoßen (1937). Mit Kriegsbeginn 1939 war ihre sportliche Karriere beendet, und sie widmete sich ihrer Familie und der Kindererziehung. 1942 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie lebte im Stadtteil Jamaica in Queens, New York City.

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Im Jahr 1980 wurde Margaret Bergmann-Lambert in die International Jewish Sports Hall of Fame aufgenommen – Jewish Hall of Fame at Wingate Institute in Israel, 1995 erfolgte die Aufnahme in die US-amerikanische National Jewish Sports Hall of Fame and Museum. 1999 erhielt sie den Georg von Opel-Preis, 2012 wurde sie in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen, außerdem wurden Sportstätten in Berlin und Laupheim und eine Schule im Hamburger Stadtteil Neuallermöhe nach ihr benannt. 2014 erhielt sie die Staufermedaille in Gold und die Bürgermedaille der Stadt Laupheim. Im Olympiapark Berlin wurde im August 2014 der bislang unbenannte Weg an der ehemaligen Dienstvilla des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten als „Gretel-Bergmann-Weg“ eingeweiht.

(Quellen: Tagesnachrichten und WIKIPEDIA am 26. Juli 2017)

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