Hildegard Hamm-Brücher 1921 – 2016 – Kurznachruf

Lichtgeschwindigkeit 6961

Vom Freitag, 9. Dezember 2016

.

IMG_3535

.

Die FDP-Parteipolitikerin Hildegard Hamm-Brücher, geb. Brücher, am 11. Mai 1921 in Essen, ist 95-jährig am 7. Dezember 2016 in München gestorben.

.

Hildegard Hamm-Brücher war seit 1954 mit dem CSU-Kommunalpolitiker und Juristen Erwin Hamm (1909–2008) verheiratet. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor

.

Hildegard Hamm-Brücher war ein „PROTOTYP“ einer westorientierten, bürgerlichen Berufspolitikerin, deren hohe beruflichen Qualifikationen und deren ehrgeizige Parteihörigkeit wortwörtlich „über die Leiche“ der deutschen Elisabeth Käsemann in Buenos Aires gegangen war. Erst im hohen Alter, im Jahr 2002, trat Hamm-Brücher mit moralischen Argumenten aus der FDP-Parteiräson aus. Dieser SALONPERSONNAGE-Typus eines Berufspolitikers, der aus bürgerlichem Zusammenhang aufsteigt, zugleich aber hohe berufliche Qualifikationen erarbeitet, ist heute quasi verschwunden und ist deshalb hier etwas detailierter zu belegen.

.

Bis 2002 war sie Mitglied der FDP. Von 1976 bis 1982 war sie Staatsministerin im Auswärtigen Amt. 1994 kandidierte sie für das Bundespräsidentenamt.

.

Hildegard Brücher wuchs mit vier Geschwistern in Berlin-Dahlem auf. Ein Bruder war der spätere Verleger Ernst Brücher. Nach dem frühen Verlust der Eltern – der Vater Paul Brücher, Jurist, verstarb 1931 und die Mutter Lilly, geborene Pick, 1932 – zog sie mit den Geschwistern zur Großmutter nach Dresden. In der Osterzeit 1933 wurde sie in die Quarta des Dresdner Mädchengymnasiums eingeschult. In der Zeit des Nationalsozialismus lebte sie von 1937 an ein Jahr lang im Internat Salem (Mettwurstschule im Allgäu), musste es dann aber verlassen, da ihre Großmutter Jüdin war. Ihre Schulausbildung konnte sie am Mädchengymnasium Friedrich-Luisen-Schule in Konstanz fortsetzen, wo sie 1939 das Abitur bestand. Während des Zweiten Weltkriegs studierte sie in München Chemie. 1945 wurde sie mit der Arbeit Untersuchungen an den Hefemutterlaugen der technischen Ergosterin-Gewinnung zum Dr. rer. nat. promoviert. Ihr Doktorvater, der sie auch vor der Verfolgung durch die Gestapo schützte, war Heinrich Wieland.

.

Nach dem Ende des Krieges wurde sie 1945 Wissenschaftsredakteurin bei der Neue Zeitung, da laut Kontrollratgesetz chemische Grundlagenforschung verboten war. Von 1949 bis 1950 erhielt sie ein Stipendium der Politischen Wissenschaften an der renommierten Harvard-Universität. Sie machte also „Parteikarriere“ mit allem Luxus.

 

Hildegard Hamm-Brücher wurde über ihre Kandidatur im Mai 1948 für den Münchener Stadtrat auf die Liste der FDP-Bayern gewählt. Hier war es Theodor Heuss mit seinen Ansichten und Warnungen zum Aufbau und zum Erhalt der Demokratie, der Verfassung usw., der sie in die Politik brachte. Hamm-Brücher wurde 1963 in den Bundesvorstand der FDP gewählt und war von 1972 bis 1976 stellvertretende Bundesvorsitzende ihrer Partei. Von 1985 bis 1991 war sie erneut Bundesvorstandsmitglied.

.

Am 22. September 2002 trat sie nach 54 Jahren Mitgliedschaft aus der FDP aus. Sie begründete dies mit der „Annäherung der FDP an die antiisraelischen und einseitig propalästinensischen Positionen des FDP-Führers Jürgen Möllemann und des Projekts „18“ (18% Stimmen für die FDP bzw. die Initialen 1=A und 8=H für Adolf Hitler)

.

Sie gehörte von 1948 bis 1954 dem Stadtrat von München an und war von 1950 bis 1966 sowie von 1970 bis 1976 Mitglied des Bayerischen Landtags. Bei der bayerischen Landtagswahl 1962 hatte man sie, „die den Funktionären oft zu klug und zu aufrichtig und manchen, zu weit links‘ war, zur Strafe auf den hoffnungslosen Platz 17 der oberbayerischen Liste verbannt“. Durch die in Bayern mögliche Vergabe von Stimmen an einzelne Kandidaten kam sie jedoch auf Platz 1. So zog sie, von den Medien stark beachtet, zum dritten Mal in den Landtag ein.

.

Von 1976 bis 1990 war sie Mitglied im Deutschen Bundestag. Große Beachtung fand hier ihre Rede vom 1. Oktober 1982 anlässlich des Misstrauensvotums gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt, in der sie sich gegen eine Wahl von Helmut Kohl zum Bundeskanzler und stattdessen für Neuwahlen aussprach.

.

In den Jahren 1977/1978 war Hamm-Brücher enge Mitarbeiterin des FDP-Bundesministers Hans-Dietrich Genscher, in dessen Zuständigkeit die Rettung auf diplomatischem Weg der deutschen Elisabeth Käsemann in Buenos Aires gewesen wäre. Die junge Deutsche wurde vom argentinischen Militärregime gefoltert und schließlich ermordet. Genscher wollte sich nicht für Käsemanns Rettung einsetzen, während britische und auch österreichische Häftlinge durch die staatliche Intervention befreit und gerettet werden konnten. Frau Dr. Hamm-Brücher sowie auch der Staatssekretär Dohnany, SPD, erklärten später, ihre Interventionen bei AA Genscher seien fruchtlos gewesen – mehr allerdings tat Hamm-Brücher nicht zur Lebensrettung der Elisabeth Käsemann. Hierzu gab Hamm-Brücher später zu, sie habe aus Karrieregründen den Mund gehalten, was ihr nun nachträglich leid tat.

.

Mit Hildegard Hamm-Brücher ist eine der letzten Zeuginnen für die erste Bundesrepublik Deutschland gestorben – ein immenser Verlust für das deutsche Gemeinwesen.

.

und BESTELLEN

subscription to Dietmar Moews Abonnement von Dietmar Moews un abonnement à Dietmar Moews

Blätter für Kunst und Kultur erscheinen in loser Folge im Verlag Pandora-Kunst-Projekt Köln

Blätter Neue Sinnlichkeit

 

 

Indem ich Ihnen ein langes Leben wünsche, sparen Sie auf diese Weise ganz erheblich.

Abonnement auf Lebenszeit für EURO 500,- (oder entsprechender Landeswährung)

Einzelpreis oder Abonnement inkl. Versand EURO 12.-, Schüler bei Selbstabholung EURO 4.-

Abonnieren Sie mit Namen, Postanschrift, Ort, Datum, Unterschrift sowie EURO 500 zur Verrechnung bei:

 

PANDORA KUNST PROJEKT

zu Händen Dr. Dietmar Moews

Mainzer Straße 28

D-50678 Köln am Rhein

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: