Neue Sinnlichkeit 69 – neue Ausgabe mit KNIGGE erschienen

Lichtgeschwindigkeit 7947

Vom Sonntag, 4. Dezember 2016

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Neue Sinnlichkeit, Blätter für Kunst und Kultur, im 37. Jahrgang von Dietmar Moews:

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Sehr erfreut kann ich zur Vorstellung des neuesten Blatts „Neue Sinnlichkeit 69“ eine Folge aus „Über Undank und Eigennutz“ von KNIGGE hier vorstellen:

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Neue Sinnlichkeit 69, Seite 56 „Über Undank und Eigennutz“

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Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) wird in der Neuen 
Sinnlichkeit als einer der bedeutendsten 
Autoren der (Spät-)Aufklärung beurteilt. Das lässt sich 
insbesondere in „Über Eigennutz und Undank“ 
an seinen Kantkritiken aufspüren, die hier in Folgen 
aufgeboten werden. Folge 18:
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>33. Doch nicht nur in den Geschäften des bürgerlichen 
Lebens, sondern sogar in ihren Studien und in 
Ausfüllung ihrer Nebenstunden verraten die Menschen 
eigennützige Absichten. Seltener haben sie, wenn sie 
eine Wissenschaft treiben, den Zweck vor Augen, 
dadurch der Welt nützlich zu werden, öfter nur den Plan, 
durch dies Mittel auf eine einträgliche Bedienung 
Anspruch machen zu dürfen. Man strebt nach 
Erwerbung neuer Kenntnisse, nicht sowohl um Geist 
und Herz zu veredeln und dadurch ein würdiges 
Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden, als 
vielmehr des eigenen Genusses wegen und um damit 
zu prahlen zu können. Man legt sich auf schöne 
Künste und Sprachen, um in die Gesellschaften zu 
glänzen und Lob einzuernten. Ja! Bis in die geselligen 
Vergnügungen hat sich der Eigennutz hineingedrängt, 
da die schändlichste, jedes verständigen und redlichen 
Mannes höchst unwürdige Beschäftigung, das 
vermaledeite Spiel um hohes Geld, zu einem ganz 
unentbehrlichen Bedürfnisse aller große Zirkel 
geworden ist – ein Sitten-Verfall, der nur von solchen 
Personen in Schutz genommen und mit elenden 
Gründen unterstützt werden kann, die ihre eigene 
Spielbegierde rechtfertigen müssen. Mögen immerhin 
leere Köpfe auf diese Weise die Zeit töten! Mögen 
immerhin Leute, die kein Gespräch zu führen wissen, 
ohne Verleumdungen einzumischen, durch die 
Achtsamkeit auf ihre Karten zum Schweigen 
gezwungen werden! Aber gebildete, denkende 
Menschen müssen einen besseren Stoff zur 
Unterhaltung zu finden verstehen. Je größer dann 
die Gesellschaft ist, um desto lebhafter wird der
 Ideen-Tausch-Handel fortgehen, und wenn nur 
eine Anzahl solcher Männer, denen es damit ein 
Ernst wäre, in ihren Zirkeln den Anfang dazu machen 
wollten, so würde bald, nachdem sie vielleicht zuerst 
einige Mühe hätten anwenden müssen, die Übrigen 
in den Gang zu bringen und den Ton anzugeben, 
niemand mehr um Stoff zu interessanten 
Gesprächen verlegen sein, besonders wenn man 
die Musik zu Hilfe nähme. Dankbar erinnere ich 
mich der glücklichen und belehrenden Stunden, 
die ich als Knabe, Jüngling und Mann in 
Braunschweig, in einigen sächsischen Städten, in 
den Rheingegenden und in Hamburg mitten unter 
den edelsten und gebildetsten Personen beiderlei 
Geschlechts auf diese Weise verlebt habe.
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> 34. Wenden wir nun unseren Blick auf die Geschäfte 
im bürgerlichen Leben, so sehen wir nicht weniger oft 
den Eigennutz unter allen Beweggründen, die den 
Menschen bestimmen, seine Kräfte dem Dienste des 
Staates zu widmen, obenanstehen. Wer schlägt wohl 
ein einträgliches Amt aus, das er zu erlangen 
Gelegenheit hat, er mag nun in seinem Gewissen 
überzeugt sein, dass er die dafür nötigen Kenntnisse 
habe oder nicht? Wie selten lässt man seinem 
geschickteren und fleißigeren Mitbewerber 
Gerechtigkeit widerfahren und ist bereit, Verzicht 
auf eine Bedienung zu tun, damit sie dem, welcher 
ihr besser vorstehen würde, zu Teil werde? Auf 
Kosten des gemeinen Wesens seine Tage in Ruhe, 
Wohlstand und im Genusse äußerer Ehre verleben 
zu können. Das scheint der Hauptzweck zu sein, 
weswegen man sich zu zu öffentlichen Geschäften 
drängt. Genau betrachtet haben die Fürsten und 
Regierungen gegen die Staatsdiener keine andere 
Verbindlichkeit als die, einen Jeden von ihnen im 
Besitze der ihm angewiesenen Stelle zu lassen, 
solange er die dabei übernommenen Pflichten 
erfüllt und ihn dafür, dass er sich durch keine 
andere Art des Erwerbs Unterhalt verschaffen 
kann, durch verhältnismäßige Besoldung zu 
entschädigen. Allein kaum sieht sich ein Mann 
im Besitze der Bedienung, um welche er 
angehalten hat. So denkt er schon daran, 
weiter hinaufzurücken, und glaubt ein Recht 
auf jede höhere und einträglichere Stelle zu 
haben, die erledigt wird – gleich als wenn die 
Landesregierung nicht befähigt wäre, zu einem 
Amte, ohne Rücksicht auf die schon angesetzten 
Staatsdiener, den Würdigsten zu wählen! ...“

Aus Adolph von Knigge 
ausgewählte Werke Band 7, auch im Fackelträger-Verlag 
Hannover 1994: Einige Worte an die heutige 
Schreibweise angepasst und manchmal einen Punkt 
zwischen gekettelte Knigge-Sätze hineingeändert  
von Dietmar Moews 	
	       Fortsetzung folgt“
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Adolph von Knigge

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