Christian Linder im Deutschlandfunk am 8. November über Peter Weiss

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Vom Mittwoch, 9. November 2016

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Christian Linder für den Deutschlandfunk, er gibt den Eingeweihten zum 8. November 2016:
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Vor 100 Jahren geboren – Der Schriftsteller Peter Weiss
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„Kaum ein deutscher Autor nach 1945 hat sich so entschieden revolutionär geäußert wie Peter Weiss. Begonnen hatte er jedoch mit individualistischen, seine Einsamkeit umkreisenden Prosatexten. Sein Weg ins politische Engagement war einer der spannendsten Vorgänge der deutschen Nachkriegsliteratur. Vor 100 Jahren wurde er als Sohn eines jüdischen Kaufmanns nahe Berlin geboren.“

 

DLF.de stellt am 7. November 2016 ins Netz, was vorher gesendet worden war: Christian Linder:

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…Manch spektakulären Leseauftritt hatten die in der Gruppe 47 versammelten Autoren schon erlebt, aber als Peter Weiss auf der Herbsttagung 1963 zur Trommel griff, waren alle zunächst sehr verblüfft – zumal bei der folgenden Ansprache:

„Als Direktor der Heilanstalt Charenton heiße ich Sie willkommen in diesem Salon“

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Peter Weiss rezitierte und sang aus seinem Theaterstück „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“, nach der Uraufführung 1964 nur noch kurz „Marat/Sade“ genannt. …“

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Ich breche die Hühnerleiter des Herrn Linder hier ab, die stufe für Stufe von der SALONPERSONNAGE bekleckert ist – es ist NUR PEINLICH und grenzt an Leichenfledderung, wenn sich ein nachgeborener an die tote GRUPPE 47, an Adorno, Habermas, Henze und Genossen so ahnungslos einschleimt.

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Dietmar Moews meint: Die Literatur-Bolschewisten der deutschen Kunstorganisations-Verirrung im Namen der SPD, der Kulturpolitischen Gesellschaft und des Deutschen Kulturrats, feiern jetzt bereits in der Enkel-generation die Stalinisten, wie hier erneut PETER WEISS – mitsamt der ganzen SUHRKAMP-Mischpoche und GRUPPE 47.

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Was fehlt?

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WALTER BAUER etwa, der von der Gruppe 47 vertriebene Hochbegabte, der dann „Fremd in Toronto“ in Diaspora die deutsche Literatur rettete. Bauer schrieb an Otto Röders, am 7. November 1971:

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„… die Leute wollen glauben, sie brauchen eine Religion – von Ihm, der bemerkte, dass Religion Opium sei; die left-wing intelligentia besteht zu einem guten Teil aus romantischen Opiumfresserb, verzeihen Sie das „fressern“: Ich habe in Stunden und Nächten, in denen mir miseralbel war, manchmal gedacht, dass alte Leute wie Georg Lukacs, Ernst Bloch, oder, mit Abstand, Ernst Fischer, zu beneiden wären, weil sie glauben; weil sie glauben, dass die geschichtliche Entwicklung zu einer Art Paradies führt; ich beneide sie nicht mehr. Ihr Denken ist mir völlig fremd geworden und mehr: fadenscheinig, romantisch. „Sowjetmensch“, „sozialistischer Mensch“- Schimären, die die Natur des Menschen nicht einbeziehen. – Peter Weiss – ich musste seinen Marat/Sade „behandelt“, in einem anderen Kursus, und ich hoffe, fair gewesen zu sein – kommt mir wie ein hochbegabter marxistischer Studienrat vor (nichts gegen Studienräte, es gibt da hervorragende Leute), der den großen, armen Hölderlin – gestützt auf ein so eloquentes wie windiges Buch wie das von Bertaux – massakriert. Dass er es tut, nun, das gehört zu seinem Fach als marxistischer Dramatiker; dass es das meistgespielte Stück der Saison und der nächsten Jahre sein wird, das ist eine andere Sache, und vielleicht verdient das Publikum, das es beklatscht, nichts anderes als die Fuchtel oder Gefangenschaft im „Paradies“ …“

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Am 27. April 1965 schreibt Walter Bauer in seinem Tagebuch „Ein Jahr – Tagebuch eines Aussteigers“ (Hält Böll, Frisch und Weiss für überschätzt, Hochhuth für Mittelmaß“):

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„… Die Stile ändern sich. Ändert sich auch die Substanz? Was für ein geschrei um den Roman Nouveau, Vague Nouvelle. Man wird herausfinden, dass das Vollbringen hinter dem Versprechen weit zurückblieb. „Letztes Jahr in Marienbad“ wird schneller altern als die „Ballade von einem Soldaten“. Auch Peter Weiß „Marat/Sade“ wird schnell altern. Aber man sollte nicht vergleichen. Was ich sagen wollte: diee Obszönitäten verletzen niemanden …“

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Einladung an alle, die am Tropf von ’68ern, Gruppe 47 und Suhrkrampf ihren Habesatt gestillt haben

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Walter Bauer Tagebuch am 19. Juni 1965:

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„… Sie berufen sich auf eine Tradition, die fünf oder zehn oder dreißig Jahre alt und kaum eine Tradition ist; wissen sie sowas von den Meistern? Deshalb ist ihr Atem kurz und keuchend, sie leiden an Atemnot. Sie wissen nichts von der Bewegung eines Satzes, kaum etwas von der Bedeutung eines Abschnittes, noch weniger von der Notwendigkeit und dem Sinn der Zeichensetzung. (Peter Weiß‘ „Abschied von den Eltern“ wird dadurch ruiniert). Gestalten wie Judith und Anna („Der Grüne Heinrich“, Gottfried Keller) – gehören der Vergangenheit an? Jetzt müssen sie mit aller Gewalt sofort zu Bett gehen. (Nichts dagegen). Aber was dann? La nausée. …“

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Walter Bauer, Tagebuch am 30. Oktober 1965:

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…ein paar Worte zu dem Nicht-Stück von Weiß, ehe mir die Augen zufallen, morgen ist ein langer Tag. Niemand wird ihm die Redlichkeit und Erschütterung absprechen. Aber ich finde, dass sich der Fassung vor allem auf der Bühne entzieht, zu einer tragischen Farce gemacht. Ich kann mir nicht helfen. Sein „Marat/Sade“ erschien mir im Lesen dünn, Geschrei und wenig Wolle. Und dull in einem furchtbaren Sinn ist „Die Ermittlung“. Das Umbrechen der Zeugenberichte und Aussagen in „poetische“ Zeilen erscheint mir als künstlerische Unredlichkeit; ein Trick. Vielleicht ist es auch nur eine geste der Hilflosigkeit. Das Ganze hinterlässt einen bitteren Geschmack. Wie kann das künstlerisch bewältigt werden, was politisch und moralisch nicht bewältigt werden kann, um diese trübe Wort „Bewältigung der Vergangenheit“ zu gebrauchen, wenn auch nur mit Widerwillen. Ein redlicher Mann hat sich da total vergriffen. Gewisse Dinge kann man eben nicht machen, und etwas wie decency, Takt, einfach Takt wollte, in diesem Fall wenigstens, den Dramatiker davon abhalten, einen Stoff zu „behandeln“, der sich jeder Behandlung entzieht, weil er jenseits eines „Stoffes“ überhaupt liegt. In Nelly Sachs‘ Versen ist es einige Male gelungen. Das tiefe, persönliche und allgemeine Leiden hat sich in einigen Zeilen vollkommen kristallisiert. …“

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Es gibt dieser Tage von der deutsch-staatlich-intermediären Forschungs-Finanzierung viel Geld für die Frage, wie kommt es zu Hagiografie? Wie entstehen Heilige? Was ist daran Propaganda? Was ist Idolbedarf? Führen Hochleistungen zur Verehrung?

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Weshalb schreibt Herr Linden so enthusiasmierend über Peter Weiss, ohne dafür Argumente aufzubieten?

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Hundert Jahre nach einem Geburtstag sich Kleingeld vom Staatssender und Namedropping der persönlichen Berühmtheit zu stärken?

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Meine Kritik bezieht sich auf das Geblödel der Grass-Weiss-Böll-Hagiografen. Ohne Argumente kann man auch die Geburtstage anderer Landsleute „ehren“.

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Geburtstage – 8. November etwa – erinnere ich an Jill Judith, an Angelas Vater, an Daniza, an Herrn Bungenstabs Sekretärin Frau Käsebier und ohne Rangordnung und Vollständigkeit diese SELF-FULL-FILLING-Aktion des DLF, indem es heißt „postfaktisch“. Und prompt heben sie mit Peter Weiss ohne „Fakten“ einen Trumpisten hervor: 100 JAHRE ACHTER NOVEMBER.

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