Verpitbullung der Gesellschaft

Lichtgeschwindigkeit 6413

Vom Mittwoch, 30. März 2016

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Die Verpitbullung der Gesellschaft – ist eine empirisch-soziologische Theorie kleiner Reichweite, die der Ermutigung des Lesers dienen soll:

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Eine Deduktion der zugegeben tragischen Alltäglichkeiten beweist nicht einmal die vielbeschworene menschliche Instinktschwäche als Schlüssel des Übels. Wer Wachsamkeit als Lebenskunst ohne Selbstüberlastung entfalten kann, wird seine Missgeschicke leichter erdulden können: To do the very best.

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Leben wir in einem Wertverlust? Bezahlen wir den Fortschritt durch Wissen, Können und Aufklärung mit Entfremdung und Verwirrung? Ist es erhellend von einer „Dialektik der Aufklärung“ zu sprechen?

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Hat die Männerwelt mal weniger vergewaltigt? Bringen Genderblicke Befreiung? Sind Gerechtigkeit und Fairness auskömmlicher? Suchen wir die Wahrheit oder den Sündenbock?

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Sind die weltweiten Terroristen nur verirrte junge Männer oder lassen sich 30.000 Dschihadisten auf 1,7 Milliarden Mohammedaner als normales Gotteskonzept erklären? Jesus gekreuzigt, Hiob zersetzt, Schwedentrunk im Dreissigjährigen Krieg, fernfuchtelnde christliche Drohnen-Piloten, Napalmfeuer im vietnamesischen Busch, Armenier fahren Bagdadeisenbahn – Gaseinsatz in Verdun, Schlauchboote im Mittelmeer, Auschwitzrampe mit Musik.

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Der Verdacht heißt: Wird es immer schlechter?

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Waren das Böse und die Menschen im Alten Testament, in Goethes „Reinecke Fuchs“ oder in der heutigen Tagesschau, wo der Sprecher als Buchautor verkündet: „Der Ehrliche ist der Dumme“ und der Schlagersänger reimt, „Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“ der Form nach Varianten des ewigen „Unsinns“? Sehen wir in den jungen Gesichtern, auf den bereitgestellten Fahndungsbildern, einen Fortschritt der Verrohung?

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Lassen sich die täglichen Grausamkeiten als Abstumpfung und Überforderung durch eine selbstverschuldete sozio-kulturelle Maßlosigkeit ansprechen, als „Verpitbullung der Gesellschaft“?

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Dr. Dietmar Moews stellt hiermit einen viel nachgefragten Gedankengang, den er in den vergangenen zwanzig Jahren bereits vielfältig publiziert hat, der bei WIKIPEDIA zensiert worden ist, der in der Neuen Sinnlichkeit, Blätter für Kunst und Kultur, mehrfach angeschnitten wurde, der als ein „Brief an Uli Hoeness“ Ausdruck fand und der doch lohnt, wiederholt angezeigt zu werden:

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Alles, was uns als Mensch umgibt, ist Wert. Wir Menschen sind die einzigen Dinge, die die Welt der Dinge mit Bewertungen belasten. Weshalb wir oft enttäuscht werden.

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Es ist hilfreich, zu sehen, dass diese unsere Werte auch aus unserer Sicht wechselhaft, zumindest im stetigen Wandel erscheinen. Eine Gewinn- und Verlustrechnung dieses Wertewandels kann jeder aufmachen. Doch wird er keine Macht über die Werte und über die sozialen Bewertungen erreichen können.

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Es liegt deshalb nahe, den Wertewandel zu erkennen und zu umarmen, um so den Dingen ein eigenes Gepräge anfärben zu können – und sei es in unserer Sprache.

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Werte, allgemein betrachtet

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Wert, Werte, Wertorientierung, Wertvorstellung, Wertprozess, Werthaltung, Wertewandel, Werteverlust und die Sehnsucht nach verlässlichen Werten.

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Wo das Selbstverständliche aufhört, lassen sich Gut und Böse nicht einfach aussprechen. Platon meinte (7. Brief):

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Nur nach häufiger familiärer Unterredung gerade über diesen Gegenstand sowie aus innigem Zusammenleben entspringt plötzlich jene Idee in der Seele wie aus einem Feuerfunken das angezündete Licht und bricht sich dann selbst weiter seine Bahn.“

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Zunächst ist Alles, was man im Sinn hat, ein Wert. Alles, was man in den Sinnen hat ist wert. Was sich von selbst versteht, darüber ist jedes Wort zuviel. Was sich von selbst versteht, kann man nicht durch etwas anderes erklären, was noch besser verständlich wäre.

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Ein Gegenstand ist ein Wert. Ein Gedanke, ein Ziel, Unwissenheit, Verdrängung, Unterdrückung, Zeit, Einsamkeit, Vereinsamung, Ruhe und Unruhe, Erfolg, Glück, Arbeit und Vergnügen, Freundschaft und Liebe, Abhängigkeit, Gehorsam, Entfremdung und Manipulation.

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WERTEDEBATTE schafft Bewertungen zu einem Wert:

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Die WERTE, Tugenden, Normen, Werte, Gemeinsames, Natur,

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HANDLUNGSWEISEN und gesamtgesellschaftliche Werte – das ist immer der Mensch als das Soziale in seinem gesellschaftlichen Sein. Besteht ein Unterschied zwischen individuellen und sozialen Werten, oder ein Zusammenhang?

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Wird WERTVERLUST doch anklagend oder entschuldigend mal dem Sozialen, mal dem Individuellen zugeschoben. Bejammert, auf die Anklagebank gesetzt, Kanzelredner, Menschheitsretter, Sozialethiker, Familienminister oder Frauenbeauftragte heraufbeschwören die Übel unserer Zeit:

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Werteverlust, statt Wertehaltungen zu substantiieren, bekümmern Menschen sich wenig darum, was Werte sind – Selbstinteresse – Wertewandel, Wandlungsprozesse.

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Und darum geht der Streit. Nicht Wertesuche, sondern gegen den Wertewandel. Das Fallen von Tabus, Politik, Kultur, Sexualität oder Lebensführung. Nicht alt oder neu ist besser, sondern wie sich etwas bewährt hat. Was darf ich hoffen?

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Wir haben REGELN und WERTE nach ihren FUNKTIONEN zu FRAGEN, nach dem Nutzen für den Einzelnen und für die Gesellschaft.

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Ob Wertezerstörung, Wertewandel, Werteverfall, Werteveränderung oder Werteverlust – immer geht es um die Funktionalität zum Wohle. Genau betrachtet ist beides an das Selbstinteresse gebunden – ohne hiermit auf Egozentrik, Selbstsucht zu schielen. So sah es schon Adolph von Knigge.

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Wertbestimmungen, wo sich Denken, Fühlen, Wollen und Handeln an Werten orientieren. Wir kennen das Glas Wasser in einer staubtrockenen Gegend.

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Solange zweifelsfrei ist, ob etwas gut oder böse ist, können wir schweigen.

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Oft steckt hinter dem Gebrauch des Wortes gut eine Herrschaft. Oft wird gut missbraucht.

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Rousseau hatte das Dilemma begriffen: „Ich würde mir nicht anmaßen, die Leute zu belehren, wenn andere sie nicht irreführten“.

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Herauszufinden ist Zweierlei: ob für den Menschen etwas Wert hat, weil er es schätzt, oder schätzt er etwas, weil etwas Wert hat;

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und: Einstellungen um zentrale Werte.

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Da stützen sich Werte auf Bedürfnisse. Die wechseln – also sind ewige Werte überirdisch.

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Werte stehen im Blick des Werdens und der Zukunft. Wenig Sinn hat, nach einem Urbild in der Vergangenheit zu suchen. Sinnvoller das Erkennen des gegenwärtigen empirischen Werdens von Werten.

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Wir blicken auf den Gebrauch der WERTE und der WERTEDEBATTE und staunen.

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Werteverlust und Wertbildung

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Oft wird von Werteverlust gesprochen und geklagt, wenn es zunächst um Wertewandel geht. Man darf gewiss sein, dass jeder empfundene Wertverlust vielmehr einen Wertbildungsprozess kennzeichnet. Der Wertbildungsprozess ist ein Wertwandel. Während das aktuelle gewohnte Wertemenü brauchbar und stabil erscheint, steht es doch immer unter Spannung widerstrebender Wertveränderungskräfte. Und es wandeln sich oft unmerklich soziale Wertverhalten. Die gewohnte Normalität wird nicht besonders verteidigt. Aus individuellen und sozialen Bedürfnissen entsteht ein Normalitätswandel und folgt den hineinfließenden Wertkräften. Was mal als Pflicht und Höflichkeit galt, wird möglicherweise als spießig oder dumm herabgewürdigt. Man hatte nicht drauf geachtet – nun gilt nicht mehr, was galt. Wer hat schon multilaterale soziale Prozesse im Blick?

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Die Verpitbullung der Gesellschaft wird hier also nicht als Ordnungsspiel des staatichen Gewaltmonopols im gewaltengeteilten Rechtsstaat erörtert. Im Gegenteil, es soll die angängige gesellschaftliche Seinsbindung des fortwährend prozessuralen Wertewandels – zunächst Diesseits von Gut und Böse – verstanden werden. Im Sinne Friedrich Nietzsches „Jenseits von Gut und Böse“ wird kein moralisch angebundenes Sollen, kein ethisches Über-Ich konstruiert. Sondern aus Nietzsches „Jenseits von“ wird das „Diesseits“ bei Isaiah Berlin. Berlin setzt eine anthropozentrische Parteilichkeit. Damit ist die praktische Kampfmoral eine Vorstellung der Lebensbejahung des Menschen in der weiterlebenden Menschheit.

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Und vielleicht muss noch hinzugefügt werden, „wir reden, wovon geredet werden kann: dem Gemeinsamen, das auch in Widersprüchen und Konflikten aus den Lebensrechten aus Sicht einer „Goldenen Regel“ zu geschehen hätte“.

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Jedenfalls ist dieser normale Wertewandel innerhalb der Natur, also unter den Vorgaben der Naturgesetze, unser Gestaltungsspielraum, den wir Kultur nennen und nutzen können. Die Kultur wird sowohl unwillkürlich gelebt. Die Kultur wird aber auch alltäglich ausgeprägt, besprochen, erstritten, geächtet, verlacht, verstärkt, gelähmt, verteidigt und verhöhnt – meist durch Taten, begleitet von verschleiernder Sprache:

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Wie man sich anstellt!

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Das macht man nicht!

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Das gehört sich nicht!

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Das sagt man nicht!

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Merkt ja keiner!

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Einmal ist Keinmal!

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Fairness ist Dummheit!

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Egozentrik ist schlau!

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Vom Regelbrecher gehen Autoritäts- und Kraftwirkungen aus, die sozial belohnt werden.

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Wir betrachten solche Wertverluste infolge des permanenten Wertewandels leichthin als soziale Verrohung, als Verkommenheit, als Kulturniedergang, als unerwünscht und als sozialdarwinistische Lebenskraft.

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Es lohnt sich dennoch, den niederträchtigen Sozialtypus nicht als vulgäre Naturkatastrophe abzuhaken. Was vor der Hand als Mob auffällt, folgt sozialen Notwendigkeiten und Bedürfnissen. Sie stehen im Dienst der Erleichterung der Schwächeren und Schwachen wie zur Zielverwirklichung der Stärkeren. Sie mögen als Befreiungsimpulse angängiger etablierter Herrschaftsstrukturen zu verstehen sein.

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HYPOTHESE hieße demgemäß: Das Recht des Mobs auf eigene Mobkultur.

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oder HYPOTHESE: Das Spiel „Kampfmoral der Schwachen“ und die alte alchimistische Weisheit: „Das Flüchtige fest und das Feste flüchtig machen“.

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Die Verpitbullung als Befreiungsdynamik

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Ich sehe einen dahergeführten Kampfhund. Das starke Pitbull-Würge-Halsband mit verchromten Zierdornen ist enggezerrt. Der tätowierte Hundeführer erwartet in seiner Stadt, dass der entgegenkommende Bürgersteigbenutzer dem rücksichtslosen Urvieh ausweicht. Sein finsterer Blick sagt:

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Dein Ernst ist mein Spaß – Was willst du? ich habe auch keine Lust, wegen ängstlicher Passanten das werthaltige Tier zu fesseln.

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Kampfhunde, ähnlich den SUV-Autos, Stilmittel der individuellen Selbstdarstellung, Wirtschaftszweig, werden im Seiteneffekt in Dienst des sinnlichen Imponierbedürfnisses gestellt. Was der erwerbsmäßige Alltag dem weitverbreiteten Geltungsdrang vieler Jungmänner nicht einbringt, bringt der Kampfhund im anonymen Sozialverkehr über körperliche Bedrohung und den „klassischen Mob-Modus“ Angst.

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Wenn ein Kampfhund beißt, lässt er dich nicht mehr los. Er durchbeißt Knochen.

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Der demokratische Rechtsstaat hält Gleichheitsrechte und einfache Regeln vor. Rechte, Pflichten, Gut und Böse, Vor- und Nachteile sind allgegenwärtig und werden schon von Kindheit an entfaltet und eingeübt.

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Das heutige westliche Menschenbild reproduziert sich nach den historischen Grundynamiken der Tradition, der Abhängigkeiten und der Veränderlichkeiten. Darin spielen gewisse moderne Interpretationsmuster eine wirkmächtige Rolle. Materielle Macht kann Wertsetzungen auch massenkommunikativ anbinden und führen. Die kulturindustrielle Medienmacht ist inzwischen weltweit, allgegenwärtig. Pschychologische Vorurteile werden in die Gegenwart und die Zukunftsgestaltung und Daseinsvorsorge hineinverstrickt, versäult, wie Heidegger schrieb:

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„Das Dasein steht hinaus in das mögliche Sein.“

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Es steht durchaus nicht in der Macht eines Pitbull-Halters, die Ordnungsregeln auf einem städtischen Kinderspielplatz in die einer Hundetoilette umzuwidmen. Auch der Mob kann nicht „zurück zur Natur“ bei „Adam und Eva neu beginnen“.

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Wir alle spielen unsere Rollen.

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Wir alle lernen das Multirollenspiel.

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Wir alle praktizieren die offenen und diskreten Rollenwechsel.

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Aus der Arschkriecherei und der Heuchelei wird die Kunst der Heuchelei (Dietmar Moews). Aus den vielfältigen Falschbezeugungen, Abstreitungen und Notlügen wird die „Kunst der Lüge“. Es sind dies sämtlich Anspielungen auf moderne, teils postmoderne empirische Wertewandel, die durchaus nicht als Wertverluste dastehen. Und gemäß Peter Sloterdijks „Kritik der zynischen Vernunft“ steckt in jedem kleinen „Kavaliersdelikt“ und jedem Versicherungsbetrüger ein Schüttverlust, der über die heutige Zivilisation ausgegossene Aufklärungssoße. Was als klassische „menschliche Tragik“ überliefert ist, ist heute oft nur noch eine wischende Handbewegung über das Smartphone.

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Der Preis für die Gerechtigkeit, dass auch der Pitbull-Poseur Google und Facebook anwenden „kann“, lässt für Verfeinerung und Moralisierung kaum noch sozio-kulturelle Spielräume, man sagt:

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Das Leben der großen Zahl ist eine Fläche mit Beulen, nach oben und nach unten. An Jahrestagen finden sich kaum Gelegenheiten, gegenseitig seine Beulen zu bejubeln und beweinen – es geht drüber hinweg. Auch dies ist eine Verpitbullung. Der US-Amerikanische Sozialtypus zeigt die Erleichterung der extraovertierten Mitmenschlichkeit. Schon in der Grundschule werden in sich gekehrte Kinder besonders rangenommen, damit sie sich den Extroversionstechniken widmen.

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Wir haben mit der hier akzentuierten „Verpitbullung“ gewissermaßen eine US-Amerikanisierung, deren Wettbewerbsfähigkeit bis heute nicht bestritten werden kann. Doch sind nach europäischen Vorstellungen die Kosten für die Schwachen sehr hoch. Während die amerikanische Lebenskunst eine simple Selbsteuerung hat, die die Gemeinschaft von Sozialbildung und Triebverzicht entlastet:

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Wenn sich jeder um sich selbst sorgt, ist für jeden gesorgt.“

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Die neue Europäische Union, mit den inzwischen 28 Partnerstaaten, hat eine erhebliche „Amerikanisierung“ gebracht. Die kommt den Pitbull-Freunden der Rücksichtslosigkeit entgegen.

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Hemmung und historische Anbindung des Lebensdienlichen

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GEMEINSCHAFTSWERTE sind immer wieder von Wertedefiziten aus jeweilig individuellem Blickwinkel entwertet. Jede Gruppe besteht auf die Gültigkeit ihrer Werte und ihrer Ängste. Zwischen Eltern und Kindern nennen wir es GENERATIONSKONFLIKT.

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Jeder kennt die praktische Tabuisierung der SEXUALMORAL:

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Freuds Irrlehre, nach der das Soziale aus dem Sexuellen geboren sei, während sich das Sexuelle des Sozialen bedient. Hier sollte der Affekt gelten. Aber bei Freud zählt die rationale Kälte. Desungeachtet geht die sexuelle Alltagsmoral ihre eigenene Wege, sie eignet eigene Werte.

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Überhaupt die JUGEND: Rock und Hose: Jugend benutzt Pornos nicht wie die Alten – eher zur Belustigung und Karikatur. Der Wandel ist unaufhaltsam. Die Dynamik einer Gesellschaft muss von den Menschen kommen dürfen, statt gehemmt zu werden.

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Der Begriff Werteverlust als Vokabel gehört der Angstmacherei an. Da geschehen in jeder Minute fünf Straftaten in Deutschland. Pessimismus ist eine gesellschaftsgängige Luftvokabel. Das Interesse an der Arbeit und am Beruf ist meist mäßig, Beteiligung am sozialen Leben, Kirchen, Vereinen, Parteien, Gewerkschaften stagniert.

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Gleichzeitig scheint es wie Entpolitisierung der Gesellschaft – dahinter steckt ANGSTMACHEREI mit dem Begriff WERTVERLUST.

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Deshalb ist zu raten:

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Sagen sie ihr Bedürfnis. Gehen sie nach vorne. Sprechen sie ihren Wert offen aus. Der Rückzug: „my home is my castle“, die Privatisierung, die innere Immigration, der tiefe Schlaf, das Verschwinden, kommen ohnehin. Am Ende ist das Leben ganz kurz.

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Jeder gilt, jeder zählt, auch bei der Integration der ALLGEMEINHEITSWERTE Macht, Herrschaft, Vermassung, Organisation und Verfassung, Loyalität und Staatsräson, Kaufvertrag und Rechtsstaat/Geld, Friede und Wettbewerb, Trieb, Triebhemmung, Triebverzicht, Triebverwirklichung, Glück, Verführung, Werbung, Kultur, Kulturindustrie, Massenmedien, Gewalt, Religion, Kunst, Umwelt, Angst, Bildungsorganisation, Sozialstaat und Solidarität.

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FREIHEIT im naturgelassenen Spielraum der Kultur zeugen wir selbst, Zusammenhalt, Alltag/Feiertag, Erinnerungspolitik, Vergessen, und Gedenken, Vertrauen, Pluralität und Identität. lokal/global, regional, national, bis zu den Fragen:

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Was rät Salomo? Wie werde ich Bundeskanzler?“

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Und schließlich die KLEINEN FAMILIAREN THEMEN, Glück, Marx‘ Himmelreich, Papst‘ VERTRÖSTUNG, können siamesische Zwillinge glücklich sein? Respekt vor dem Alter, Wertkonservativ/Sozialdynamik, Familienzusammenhalt, Gut/Böse, Wertgefühl, Zweck/Mittel, Vertrauen, Liebe, Familientradition und Familienfeste:

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Meinetwegen noch das Tor zum Glück, gestattende Gesellschaft/Permissivität: das gehört sich aber nicht, Partnerwahl, Last und Lust, noch mal Abhängigkeiten/Veränderlichkeiten/Tradition, Opportunismus/Konfliktvermeidung, Ratschläge, Bildung und Wertvermittlung, Ziele, Erfolgs- und Gewinnstreben, Gewissen/Gelassenheit, Trost, Neid, Vetternwirtschaft, Nepotismus, Klüngel, Kavaliersdelikte, Drogen, Gesundheit und Krankheit, Bullshit/Wahrheit/Lüge/Erleichterung, Intrige, Perfidie, Anpassung, Majorität/Minorität.

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Erlösung:

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Das Flüchtige fest machen und das Feste flüchtig“.

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Wir kommunizieren unsere Aufklärung durch Angstmacherei und Übertreibungen. Es entsteht Entfremdung und Dickfälligkeit. Sublimation und Sensibilisierung sind Fehlanzeige.

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Dabei sind Richtig und Falsch, Pflichten, Rechte und Tabus allesamt in Gebote, Vorschriften und Gesetze, ethische Kodizes oder Prinzipien, Richtschnuren in strenge Formen gefasst. Der Wandel fließt kulturperistaltisch, wir schwimmen mit dem Fluss ins Meer, zwischendurch umarmen wir das Schicksal und gehen zum literarischen Setting.

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Literarische Flügel und Verhärtungen

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Geborgenheit und Freiheit – woher wir kommen, wohin wir mögen, aber nicht vermögen:

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Verinnerlichung von Wertorientierungen, Haltungen, Widerstand bei Versuchungen und Verlockungen.

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Das bieten uns die besten Meisterkünstler unserer überlieferten Kultur:

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Beispielsweise Werte und Würde in Texten, Textbildern und Bildern von Wilhelm Busch. Im Spannungsfeld von Gewinn und Verlust stehen heute in der Wertorientierung zwischen Meinungen und Diskurs, Wertäußerungen in Konjunktur, die von unerwünschten Wertverlusten durch Entfremdung (Habermas) und Wertrelativismus (Papst Benedikt XVI.) verlaufen.

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Was bei Wilhelm Busch als Wertbildner der Kunst dazu hervorgebracht worden ist, hält sich weniger mit Verlustgeheule, als mit Wertverwandlung und einer nicht zu verachtenden Lebenstechnik, das Schicksal mit Elastizität, Humor und – diesseits von Gut und Böse – einer Portion alltagspolitischen Selbstbetrugs zu umarmen.

Im Kern des Vortrags stehen die ständig erklärten >idealen Werte< und der Zank um sogenannten >Werteverlust<. Wir beobachten aber bei der überwiegenden heutigen Menschlichkeit in Deutschland wirklich „gelebte Werte“ zwischen mehr oder weniger geschmeidiger Umarmung des Schicksals und dem ergebenen Erleichterungsbedarf durch Selbsterleichterung. Wir sind keine Wert-Helden.

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Kurz, was Texte und Bildtexte betrifft, zeigt Wilhelm Busch uns, wie sowohl die Buben Max und Moritz böse sind, die Opfer übel spießig, Busch selbst als bornierter Eiferer, aus einer eigentlich unsympathischen Werthaltung – eben des bornierten Eiferers – heraus, uns Buschkunden über seinen Buschhumor in Verbindung mit seiner Buschkunst auf seine Seite bringt. Das ist nicht einfach Schadenfreude oder Galgenhumor, sondern es ist der sinnliche Genussmensch, der ohne Askese zeigt, wie eine skeptische bis pessimistische Grundhaltung als Wertorientierung – zwischen cool und kalt – verkörpert, welche soziale Freundlichkeit für unser Alltägliches – mit Busch – zu haben ist. Natürlich ist Buschs Werteleben viel mit Alkohol verbunden, wie bei Jesus, der aus Wasser Wein machte.

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Busch bringt uns mit seinem Werteprogramm vor Augen, wie aus Übeln und Minderwertigkeiten eine Werteverwandlung zur schmunzelnden und lachenden Konsonanz der Gemüter im alltäglichen Diesseits von Gut und Böse möglich ist – wie er den tragischen Widerspruch zwischen Mensch und Würde mit Witz verzaubert.

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Bei seinen Bildern, insbesondere wenn es Wilhelm Busch um die Kunst der Malerei gegangen ist, kommen wir nicht umhin, zu erkennen und anzuerkennen, dass es ihm zweifellos um das „Wahre, Gute, Schöne“ eines Malerschaffens ging. Das bedeutet, wenn man nicht der semantischen Beliebigkeit heutigen Umgangs mit Kunst im Kunsterlebnis im Kunstbetrieb, das sinnliche Anliegen der Malerei, wie sie vom Maler hergebracht wurde, opfert, hat der „Kunde von Wilhelm Busch“, der die Kunst zu seinem persönlichen wie sozio-kulturellen Gegenstand inmitten des Kunsterlebnisses stellen will, es mit einem echten zu Herzen gehende Malwerk zu tun, das vollkommen zweifelsfrei Ausdruck eines hingebungsvollen leidenschaftlichen Idealismus‘, eines guten Auges und großen Könnens ist, worum es dann hinsichtlich dieser Wertedebatte auch zu gehen hat. Betreffs seiner Malerei und seiner Zeichnungen und Skizzen war das Genie Wilhelm Busch ein Spitzenmaler seiner Zeit, dessen „Sonder-Prima-Malerei“ mit den idealen Begriffen „Sonder-Expressionismus“ und „Sonder-Impressionismus“ sinnvoll umrissen werden können. Insofern hat es keinen zweckvollen Sinn, auf die Fortschrittlichkeit oder den Konservativismus von Wilhelm Busch und das Achtel Lorbeerblatt von Duchamp oder Joseph Beuys zu bestehen, um sich einem großen Künstler modernistisch anzubiedern. So gesehen kann zukünftig getrost die Rede vom heutigen Wertkampf im Multirollenspiel unserer Gesellschaft, zwischen den modernen Wertproklamationen und den spießigen Verhaltensnormen aufgenommen werden. Und, wer glaubt, dass davon Wilhelm Buschs Werke nicht zeugen – dass er ein Vogel wär‘, so irrt sich der.

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Ebenso aktuell bzw. „klassisch, wie Wilhelm Busch, ist der vorletzte Papst aus Bayern, der Theologe und Religionswissenschaftler und römisch-katholische Politiker Ratzinger. Auch Ratzinger hat seinen Teil zur Verpitbullung der Gesellschaft beigetragen.

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Ratzingers Allmachtgott und Habermas‘ Relativismus der Entfremdung wurden sogar als öffentliche Gesprächsschau aufgeführt:

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Der Papst Benedikt XVI. belegt das menschliche Dasein mit der Totalität.

Habermas will sich wissenschaftlich einrichten, Wertsetzungen durch Erkenntnis und Interesse schöpfen und instrumentalisieren. Habermas will die kultur- und fortschrittsbedingten Entfremdungen mit marxistischen / vulgärmaterialistischen Konzepten in den Griff nehmen.

Ratzinger weist dabei auf Wissenschaft als Aberglauben hin, der den Erlösungsbedarf derart erhöht, dass es die Hölle ist. Der Glaube an Gott weist laut Ratzinger auf die Erlösung, die durch den Tod des Sohnes am Kreuz als ein Angebot in die Ewigkeit aufgefasst werden soll.

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Dr. DIETMAR MOEWS von FOKKO VON VELDE fotografiert

Dr. DIETMAR MOEWS
von FOKKO VON VELDE
fotografiert

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Dietmar Moews meint: Das ist verrückt. Im Jahre 1997 schrieb ich unbekannt und unaufgefordert einen Brief mit dem Titel „Verpitbullung der Gesellschaft“ an den damaligen Fußballmanager Uli Hoeness, von FC Bayern München in der Säbener Straße.

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Ich hoffte, den von mir damals geschätzten Hoeness, als einflussreichen Peer, zum Wertwandel und zu Jugendbildungsmaßnahmen zu impfen – ich weiß nicht, was und ob daraus etwas wurde.

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Heute weiß ich, dass etwa in jener Zeit – ich selbst war gerade, nach meiner neunjährigen Münchner Zeit, nach Leipzig gewechselt – Uli Hoeness im Begriff war, mit seinen „Steuersparmodellen“ die normale mitbürgerliche Welt zu verlassen.

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Er musste meine Verpitbullungs-Epistel als persönliche Anspielung empfinden. Wenngleich ich von seinem Weg in die Schwerkriminalität als Steuerbetrüger nichts wissen konnte.

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ZUGINSFELD 33 mit Hundegast am 1. Juli 2014, Mainzer Straße

ZUGINSFELD 33 mit Hundegast am 1. Juli 2014, Mainzer Straße

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Wie inzwischen der „Fall Hoeness“ über Lügen, Verjähren und BILD-Kampagnen als „Kurzer Prozess“ vom Münchner Landgericht durchgeschaukelt worden ist, kein Geständnis, keine einwandfreie Selbstanzeige, kein Schuldbewusstsein und, von wegen Hoeness habe die Steuerschulden beglichen? Nein – gezahlt wurden nur die nichtverjährten, angeklagten Steuerbetrügereien.

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Schließlich wurde einfach keine gültige Steuererklärung der sogenannten Selbstanzeige beigefügt und niemals nachgereicht.

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Die gerichtlich gefasste Steuerschuld muss also auch gar nicht mit den bei der Steuerbehörde anliegenden Steuerhinterziehungen übereinstimmen.

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Denke ich heute an die „Verpitbullung der Gesellschaft“ – wer schreibt, der bleibt – fällt mir stets mein damaliger Adressat meiner Verpitbullungs-Soziologie ein:

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Die Kavaliersdelikte, die kleinen Versicherungsbetrüger, der fremdgehende Ehemann, das Kuckucksbaby, die Stech-Uhr-Austrickser, die Auto-Tachometer-Zurückdreher, die tätowierten Zuhälter mit Kampfhund – sie alle sind im Bild von „Herr und Knecht“ geradezu Unschuldige im Kampf ums Restglück. Während der heutige Uli Hoeness als Vorbild und Gallionsfigur der Verpitbullung der Gesellschaft dasteht.

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Auch Hoeness und auch Beckenbauer und die jungen Nachahmer der Vorbilder, zeigen Lebenskraft und Lebenswandel. Und es ist an uns, zu erkennen, welche Werte und welche Wertbildungsprozesse da geschehen.

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Prof. Dr. Alphons Silbermann held a reception to his 90th day of births at the Excelsior Hotel Ernst Cologne near dome

Prof. Dr. Alphons Silbermann held a reception to his 90th day of births at the Excelsior Hotel Ernst Cologne near dome

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Wird mal Thomas Müller, wenn er etwas gereifter sein wird, eine gewissen Distanz zum „verpibullten“ Uli Hoeness einnehmen?

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Wird die Tragödie des Marcel Proust, auf der Suche nach der verlorenen Zeit, in den Jahrestagen von Uwe Johnson gefunden werden? Wird das Mord- und Totschlag-Leben des Guntram Vesper in seinem zwanzigsten Jahrhundert Roman „FROHBURG“ als nüchterner Blick oder als literarisches Trauma in die Literaturgeschichte der Verpitbullung der Gesellschaft eingehen? So lange das Wort „ficken“, der „hochgeschobene Rock“, die Todkrankheit als Kind, der Ausruf „Je pête, je pête“ im Simplizissimus gute Stimmung erzeugen, stellt sich immer neu auch die Frage:

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Wahrheit, Lüge, Bullshit? Untreue, Täuschungsmanöver, Falschbezeugung, Zeugnisverweigerung? – welche Macht gehört zu jedem dieser WERTE, damit daraus Leben werden kann?

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Wer fromm und gottergeben lebt und jeder Obrigkeit (NT Johannes Offenbarung) sich unterwirft, nicht zuletzt, weil noch nie ein Gerechter durch das Nadelöhr gekommen ist, und schließlich noch so ehrlich ist, seiner Heiligung zu Lebzeiten zu widersprechen, wird kaum zum Tugendbock werden können.

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Und – zuletzt – in meinem Blick sollte man so frei sein, mit Georg Christoph Lichtenberg „Nur Lumpe sind bescheiden“ und mit Jean Paul zum Lebkuchen „Ach, ich fress‘ ihn selber“ zu sagen. Es ist eine Verpitbullung leicht anzufixen, indem man sich abwendet und auf Kinderspielplätzen nicht auf fremde Pitbulls pisst.

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