Marco Bertolaso DLF: Opfer von Dresden 1945

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vom Sonntag, 14. Februar 2016

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Das Sterberegister für Februar 1945 weist für die Tage der britischen und amerikanischen Bombenangriffe, 13. – 15. Februar 1945, 800 gestorbene Dresdener Bürger aus: ACHT HUNDERT.

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Man spekuliert, dass es zu mehreren Tausend Toten gekommen sein soll, von denen ungünstigsten Falls durch die ausgebrannten Schuttberge in den Kellern und Häuserruinen zahlreiche Opfer nicht aufgefunden werden konnten.

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Man weiß, dass viele Tote, die in den Häusern und in den Straßen der Dresdner Altstadt verbrannt gefunden worden sind, auf dem Altmarkt gesammelt und aufgetürmt und später dort verbrannt worden sein sollen.

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Dazu ist zu beachten: Um einen Körper in einem Verbrennungsofen zu beseitigen, ist eine so hohe Temperatur erforderlich, die sich unter freiem Himmel mit Hilfe von Benzin nicht erzeugen lässt.

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In jedem Fall bleiben aber die Knochen der Körper übrig, deren anorganische Bestandteile nicht verbrennbar sind.

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Damit ist klar, dass keinesfalls 25.000 verbrannte Körper je auf dem Altmarkt verbrannt worden sein können. 25.000 Skelette wurden in keiner Mühle zermahlen. Es reicht, sich vorzustellen wie groß ein Stapel von Körpern ist, von 10 Körpern, von 100 Körpern, von 1.000 Körpern, die mit Benzin überschüttet restlos beseitigt worden sein sollen. Man kann sie gar nicht entzünden (siehe Ehepaar Goebbels an der Reichskanzlei, Mai 1945).

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Seriöse Schätzungen und Bezeugungen der 1945 betrauten Dokumentatoren der Entsorgung der Toten wird einschließlich der 800 in den Karteien namentlich nachgewiesenen Todesopfern auf etwa 8.000 geschätzt.

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Ich habe diese Zahl 8.000 versucht nachzuvollziehen, die ich bestätigen möchte.

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Alle diese Angaben wurden – mit mir zeitgleich in den Archiven – auch von der Historikerkommission 2002 erörtert.

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Es muss auch noch einmal erinnert werden, dass die gesamte Flächenstadt Dresden weitestgehendst vom Krieg unversehrt blieb. Die Bombardements waren lediglich auf einen etwa 1,6 km breiten Flächenstreifen zwischen dem Elbufer und dem Hauptbahnhof und von etwa sechs Kilometer Richtung Johannstadt bezogen. Dabei waren historisch wertvolle Gebäude ausdrücklich verschont worden.

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Die hohe Zahl der unidentifizierten Opfer von Dresden im Februar 1945 werden auf die große Zahl von Eisenbahn-Flüchtlingen bezogen, die von Schlesien kommend, sich in den Straßen der Altstadt aufgehalten hatten und vom Feuersturm überrascht worden waren.

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800 Namen.

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8.000 geschätzt.

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25.000 von der Historikerkommission „willkürlich hochgezogen“ um Volkes Stimme nicht zu verärgern.

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Jetzt geistert also erneut die maßlose Zahl 300.000 beim Deutschlandfunk in Köln herum.

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Ein Redakteur des DLF erhielt folgende Hörer-Beschwerde zur publizierten Opferzahl von Februar 1945 in Dresden:

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Marco Bertolaso, DLF-Mitarbeiter berichtete:

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Die Zahl der Opfer von Dresden 1945 „Wir manipulieren nicht, wir zitieren Historiker“

Jedes Jahr im Februar wird der Opfer der Luftangriffe auf Dresden gedacht. Und jedes Jahr werfen uns Hörer vor, wir würden in unseren Nachrichten die Zahl der Toten verfälschen. Hier ein Beispiel für Kritik und Antwort.

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Sehr geehrte Redaktion, mir liegen mehrere Berichte aus verschiedenen Quellen vor, die ich Ihnen nennen könnte, die die Anzahl der Opfer des Terrorangriffs auf Dresden zwischen 100 und 250 Tds. beziffern. Warum werden immer nur 25 Tsd. Tote erwähnt? Um diesen Angriff zu relativieren? Ich bezweifele inzwischen stark, dass der DLF noch neutral ist. Mit zweifelhaften Grüßen,

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Sehr geehrter Hörer,

vielen Dank für Ihre Zuschrift und für die Kritik.

Die Luftangriffe auf Dresden sind ohne jeden Zweifel ein furchtbares Ereignis der europäischen Geschichte. Dies kann, ja muss man sagen, ohne Ursache und Wirkungen des Zweiten Weltkriegs zu verwechseln.

Ich schreibe Ihnen aus dem DLF-Funkhaus im Kölner Süden, also aus der deutschen Großstadt, die als erste massiven Bombardements ausgesetzt war und die bis heute schwer davon gezeichnet ist. Auch hier im Westen können wir also in etwa nachvollziehen, worum es geht.

Es gab viele Jahre lang ein aus meiner Sicht kaum zu verstehendes Tauziehen um die Zahl der Toten in Dresden. Es haben politische Interessen eine Rolle gespielt. Es hat auch an mangelnder historischer Bearbeitung gelegen. Ich bin kein Experte für diese Frage. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass seit einiger Zeit  der Bericht einer von der Stadt Dresden eingesetzten Historikergruppe vorliegt, der die Zahl mit „bis zu 25.000“ angibt.

Diese neuere Darstellung ist eingeflossen in die offizielle Bewertung und ist auch Grundlage für unsere Berichterstattung in den Nachrichten.

Gestatten Sie mir noch eine persönliche Anmerkung: Die Kontroverse läuft in gewisser Weise ins Leere. Jeder Tote ist einer zu viel. Das Aufrechnen von Opferzahlen hat seit den Sumerern, Ägyptern oder Griechen noch niemanden weiter gebracht. Es hilft auch uns heutigen Europäern nicht.

Helfen kann uns dagegen, dass wir uns unsere jeweiligen Sichtweisen auf die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges erklären, unsere persönlichen und kollektiven Erinnerungen. Wenn wir diese gegenseitig respektieren, können wir gemeinsam dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr passiert.

Mit vielen Grüßen, Ihr Marco Bertolaso.

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Dietmar Moews meint: Als empirischer Soziologe, aus München kommend, lebte ich bis zum Jahr 2004 knapp neun Jahre in Dresden. Ich habe in Dresden die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs in Dresden studiert und vom Stadtarchiv bis zum Dresdener Geschichtsverein Dokumente in den Archiven recherchiert. Außerdem in einer großen systematischen Stadtbau-Kunst-Studie zum Neuaufbau Dresdens nach 1990 mit allen zuständigen Rollenspielern in der Stadt standardisierte Tiefeninterviews durchgeführt. Angelegentlich dieser dokumentierten Interviews habe ich auch das Wissen und Für-wahr-halten zu den Nacht- und Tages-Luftangriffen am 13. und 15. Februar 1945 erörtert.

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Mein Befund – auf die blanken Todeszahlen in jenen Bombentagen reduziert -, der in den Dresdner Archiven nachzuprüfen ist, weicht von den zuletzt „abschließend“ berichtete Untersuchungsbefund zur Todesopfer-Zahl, die die für Dresden eingesetzten Historikerkommission von etwa 25.000 nannte, erheblich nach unten ab.

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Mit regelmäßigem Bohren treten in Dresden nach wie vor Zeitgenossen auf, die sich darüber beschweren, dass mit Bezug auf „Historiker“ an etwa 25.000 Todesopfer bei den Bombenangriffen auf Dresden erinnert wird.

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Viele glauben an die früher oft beklagten 300.000 Toten von Dresden.

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Man kann „Verrückte“ nicht mit Fakten und Argumenten überzeugen. Ich habe – zwischen den Jahren 2000 und 2005 – Dresdnerinnen und Dresdner interviewt, die in der Semperoper am Waffenbau, Zünder für Munition, mitgearbeitet hatten (der Opernbetrieb war Mitte 1944 eingestellt worden. Es ist der Archivlage der Alliierten zu entnehmen, dass es den Alliierten im Februar 1945 bekannt war, dass im Semperbau Waffenbau lief; sie haben die Semper-Oper nicht bombardiert).

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Ich hatte Interviewpartner die angeblich Zeuge waren, wie feindliche Jagdflugzeuge in den altstadtnahen Elbwiesen einzelne Fliehende gejagt haben sollen (solche kleinen Jagdflugzeuge hatten nicht die Treibstoffeichweite überhaupt nach Dresden zu kommen; angeblich – gemäß Militärdokumenten – gab es solche Tiefflieger nicht in Dresden).

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Kurz, die Leute sind Knallzeugen! – es knallt, sie schauen hin, behaupten sofort, gesehen zu haben, was geknallt habe – haben es aber nicht gesehen, nur gehört. So kennt jeder Dresdner eine Dresdnerin die jemand kannte, der oder die gejagt worden sein soll.

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Sehr geehrter Herr Bertolaso: Es ist deshalb der Vergleich von Köln mit Dresden grober Unfug, sofern nicht die entscheidenden Fakten in den Vergleich einbezogen werden: Tonnagen, Dauer, Häufigkeiten, Zerstörung, Opferzahlen und Weiteres.

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Und die Tonnagen von Tokio oder Pforzheim machen Einzel-Irrläufer, die bereits im Jahr 1944 als Einzel-Event von Dresden bekannt sind, und so sind die zwei Tage des Februar 1945 wirklich nicht geeignet, mit dem jahrelangen Inferno von Köln oder Hamburg und vielen anderen deutschen Städten, nicht zuletzt – aber erst zuletzt – Berlin, mit ausgerechnet dem schönen Blick vom Weißen Hirsch und vom Elbhang auf die leuchtende Altstadt Dresden aufeinander zu beziehen. Es sind Unwissende, die Briefe mit den 100.000 Opfer-Appellen versenden.

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Sehr geehrter Herr Bertolaso,

bitte schauen Sie sich die Bilder von Köln oder Hannover an, was es heißt, vier Jahre lang bei Fliegeralarm mit Kindern und Notversorgung in ungeeignete Keller zu kriechen.

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