Rupert Neudeck zur Afrika-Wanderung

Lichtgeschwindigkeit 5762

vom Mittwoch, 22. Juli 2015

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Im Deutschlandfunk (DLF) – Bunsepiek Deutschand – wurde ein Interview von Jürgen Liminski mit dem Journalisten und Rettungs-Aktivist Rupert Neudeck gesendet.

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THEMA: Zur Flüchtlings- und Wanderungssituation und der Zukunftsperspektive

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Die großen Auswanderungsländer der Zukunft sind aus Sicht Neudecks „leider fast alles die afrikanischen Länder“, weil diese den Anschluss an die globalisierte Welt nicht erreicht hätten und in denen die Demografie geradezu wüte.

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Es sei schlimm, so Neudeck, dass die Regierungen im Nahen Osten und in Afrika noch nicht begriffen hätten, was mit ihrer Jugend passiere. So gebe es zum Beispiel keine Bekundungen von Trauer der Regierungschefs aus Afrika, dass so viele ihrer jungen Leute im Mittelmeer ertrinken. Der Präsident der Hilfsorganisation fordert eine Initiative der EU, damit sich die Regierungen der Auswanderungsländer um ihre Jugend kümmere.

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Wann der Flüchtlingsstrom vor allem aus Syrien abebben könnte, sei überhaupt nicht vorauszusehen, sagte der Grünhelme-Vorsitzende Rupert Neudeck im DLF. Die Weltgemeinschaft habe die Situation auch selbst gegen die Wand gefahren. „Man muss davon ausgehen, dass dieses Land ausblutet.“ In Eritrea sei es ganz ähnlich.

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Syrer und Eritreer seien ganz eindeutig politische Flüchtlinge. Das syrische Volk befände sich in der größten Katastrophe, die es humanitär seit 40 Jahren auf der Welt gebe. „Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht.“ In Eritrea kämen die Menschen aus einem Befreiungskrieg. „Wir dachten, Eritrea sei das Land in Afrika, das es am ehesten schafft, aus der Misere der afrikanischen Gesellschaften herauszukommen“, so Neudeck. Doch würden die Menschen aus diesem Land fliehen, weil sie keine anderen Möglichkeiten mehr hätten, um dem furchtbaren Terror in ihrer Heimat zu entkommen.

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„DLF am 21. Juli 2015, Liminski fragte Neudeck: Sind das politische oder Wirtschaftsflüchtlinge?

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Neudeck antwortet: Diese beiden sind nun ganz eindeutig und ohne irgendeine Beimischung politische Flüchtlinge. Die Syrer sind in der größten Katastrophe, die wir humanitär seit 40 Jahren haben auf der Welt. Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht – von 22 Millionen sind elf Millionen auf der Flucht, die sich gar nicht mehr im Lande bewegen können, weil die Luftwaffe des Regimes sie an allen Ecken und Enden in dem Land erreicht mit einer neuen Waffe, die Fassbombe heißt.

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Und in Eritrea ist das eine dramatische Schicksalsvergessenheit – die Menschen sind dort aus einem Befreiungskrieg, der für uns alle ein ganz wunderbares Erlebnis war, wo wir dachten, Eritrea wird das Land in Afrika, das es am ehesten schafft, aus der Misere afrikanischer Gesellschaften herauszukommen. Und der Führer des Landes, Afewerki, hat die gesamte Jugend in einen Militärdienst hineingepresst, aus dem man nicht mehr herauskommt, und diese Menschen fliehen, weil sie keine anderen Möglichkeiten mehr haben, diesem furchtbaren Terror in ihren Ländern zu entgehen.“

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… In Syrien kann man das überhaupt nicht sehen, weil dort ja eine total verfahrene Situation – die Weltgemeinschaft hat das auch selbst gegen die Wand gefahren, es gibt nicht mal mehr irgendwelche letzten Versuche des Weltsicherheitsrats da etwas zu machen. Man muss davon ausgehen, dass dieses Land ausblutet und deshalb kann keiner Entwarnung geben. Eritrea ist es ähnlich – keine Weltgemeinschaft kümmert sich um das Los der eritreischen Jugend, die auf einem furchtbar schweren Weg in der Verfolgung durch Syrien, dann durch das Niltal bis zum Sinai, manchmal über Israel versuchen eben, wieder nach Europa zu kommen. Niemand kann absehen, wann dieses Fluchtdrama zu Ende gehen kann.

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Das Schlimme ist, dass die Regierungen im Nahen Osten und in Afrika noch gar nicht begriffen haben, was da mit ihrer Jugend passiert. Wir hören ja auch nicht eine einzige Bekundung von Trauer und Traurigkeit von afrikanischen Regierungschefs darüber, dass eben so viele ihrer jungen Leute auf dem Mittelmeer ertrinken.

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Es müsste wirklich eine große Initiative jetzt auch von der EU ausgehen, damit eben in diesen Ländern Regierungen, souveräne Regierungen, die nach 1960 in Afrika entstanden sind und die Mitglied der UNO sind, dass die sich endlich anfangen, um ihre eigene Jugend und die Arbeit und die Perspektive dieser Jugend zu kümmern.

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Gleichzeitig müsste man in den Ländern, die noch existieren am Mittelmeer, nämlich Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, dort müsste man versuchen, von der Europäischen Union mit den Regierungen zu verhandeln, damit die Hunderttausende, die dort auf eine Piroge warten, um den mörderischen Weg über das Mittelmeer zu beginnen, damit einige von den Hunderten und Tausenden von denen den Weg nicht machen und vielleicht durch eine Berufsausbildung in diesen Ländern die Chance haben, auch wieder in ihr Heimatgebiet und ihre Heimatländer zurückzugehen.

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Liminski fragt: Welche Länder sind denn für Sie die großen Auswanderungsländer der Zukunft?

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Neudeck: Das sind leider fast alles afrikanische Länder, weil wir von der dramatischen Situation ausgehen müssen, dass die afrikanischen Länder in der Hauptmasse – wenn wir mal Südafrika und die nordafrikanischen Länder ausnehmen –, das sind die Länder, die den Anschluss an die globalisierte Welt fast noch in keiner Weise erreicht haben, und in denen die Demografie geradezu wütet.

 

Das heißt, wir haben eine Situation, dass die eine Milliarde Afrikaner in kurzer Zeit wahrscheinlich um 500 Millionen stärker sein wird. Dieser Kontinent rückt auf die Länder, in denen sie erwarten, dass sie dort eine Perspektive der Ausbildung, der Berufsausbildung bekommen. Das werden die Länder sein, die subsaharischen Länder und die Länder in Ostafrika, die werden uns wahrscheinlich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren in Europa sehr, sehr lange beschäftigen. …“

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Dietnar Moews meint: Besten Dank dem DLF-Redakteur Jürgen Liminski für dieses Interview mit Rupert Neudeck. Flüchtlinge aus Afghanistan oder rumänische Zigeuner waren hier nicht das Thema.

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Und Dank und Anerkennung dem Rettungs-Aktivist Rupert Neudeck, der sowohl als ZEUGE wie als POLITIKER einerseits hohe Kompetenz in diesen heiklen Geschehnissen besitzt und in seinen Medienauftritten die pointierten Feststellungen nicht vermeidet, meist ohne Verantwortliche persönlich zu konfrontieren.

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Zum neuen Streit in der EU über die Flüchtlingsverteilungen ist Neudecks Einschätzung, Präsident der Hilfsorganisation Grünhelme, der auch schon viele Male in den betroffenen Ländern war, um die es hier geht, nämlich Eritreia und Syrien, hoch wichtig. Denn unsere gewählten Regierenden legen stark auf platte Mehrheitsstimmungen Wert, ohne offiziell von Regierungsseite für missliebige Fragen ausreichend die Öffentlichkeit zu informieren.

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Es ist eine weitreichende harte öffentlich-hitlerschlaue Stimmung der Deutschen angängig, die gegen Rettung, Asyl, Hilfe und Solidarität eintreten – und wehe den Politikern, die von der Schere zwischen unserem deutschen Eigendünkeln der Menschlichkeit und Nächstenliebe und der wirklich brutalen Solidaritätsverweigerung aufklären.

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Die Hitlerschlauheit besteht ja gerade darin, den Verantwortlichen vorwerfen zu können:

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Wir wissen nicht bescheid, wir werden ja nicht informiert, die da oben machen sowieso was die wollen.

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Wer also aufklärt, deckt die massenhafte Heuchelei auf und wird postwendend von der hitlerschlauen Majorität – immer über das Brechmittel „Boulevard der Einschaltquoten“ abgestraft.

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Das große Wort Europäische Union ist nicht nur wegen der Lissabon-Verträge und der abgelehnten EU-Verfassung eine Hochstapelei – selbst von E G zu sprechen wäre noch irreführend, sobald es um Solidarität der europäischen Gemeinschaft untereinander geht.

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Immigranten und Asylanten, die von außerhalb der EU nach Deutschland wollen, sind praktisch kaum ernsthafter parlamentarischer Auseinandersetzungen wert. Die Diskussionen, die hier als zulässig und üblich anzusehen sind, bestehen aus Schuldzuweisungen, Verdächtigungen, Zahlen und Quoten – beruhen aber keinesfalls auf einer Union der Menschlichkeit.

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Rupert Neudeck meint, Deutschland solle in den Heimatländern der Flüchtlinge konkret politisch ansetzen – zumindest den Machthabern in despotischen Ländern zusetzen, anstatt nur für reibungsfreie (Waffen-) Geschäfte zu sorgen.

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Die staatlichen deutschen Medien, wie hier im DLF, kümmern sich dankenswerter Weise um diese Themen zumindest.

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Wenngleich keine fordernden Expositionen mit Außenminister Steinmeier und Bundeskanzlerin Merkel, mit Verantwortlichen der Goethe-Institute und sonstigen staatlichen Mitspielern in den Talk-Shows zur Rede gestellt werden.

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