Dieter Bartetzko 1949-2015 – Kurznachruf

Lichtgeschwindigkeit 5602

vom Donnerstag, 21. Mai 2015

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Der Architekturkritiker Dieter Bartetzko ist gestorben. Er wurde am 10. Februar 1949 in Rodalben geboren und starb 66-jährig am 19. Mai 2015 in Frankfurt am Main.

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Dieter Bartetzko war KÜNSTLERGELEHRTER: Musiker, Kunstgeschichtler, FAZ-Redakteur, Publizist, Germanist, Soziologe, hatte in Frankfurt am Main, Berlin und in Marburg studiert, wo er mit einer Arbeit zur Theatralik der NS-Architektur promoviert wurde.

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Ich zitiere den Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Jürgen Kaube, der mit Dieter Bartetzko viele Jahre zusammengewirkt hat, aus dem FAZ-Nachruf: „Wohnt ein Lied in allen Steinen. Ein leidenschaftlicher Journalist und ein großer Liebender: Zum Tode unseres Kollegen Dieter Bartetzko“.

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…Wer die Beiträge nachliest, die Dieter Bartetzko mit beispielosem Echo, nicht nur in der lesenden Stadtbürgerschaft, geschrieben hat, weiß, dass wir es auch hier mit, sollte das Wort für Journalisten erlaubt sein, einem Werk zu tun haben, das so schnell nicht vergehen wird. Es kommt nur nichts mehr hinzu. Das ist unfassbar traurig.“

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Es gibt Journalisten, die diesen Beruf nicht nur ausüben, sondern verkörpern. Dieter Bartetzko, der Architekturkritiker dieses Feuilletons, war solch ein Journalist. Er konnte einen stolz machen auf das, was in diesem Beruf möglich ist: menschlich, stilistisch, intellektuell. Er langweilte niemanden, mit keinem Wort, er trumpfte nie auf, er nahm sich verlorener Fälle an, er zog Geduld, Kenntnis und Ironie der Sensation vor, er schrieb für Leute, deren Herz und Intelligenz er voraussetzte, und er verachtete nur jene, die selbst mit der Verachtung angefangen hatten, in Form von angeberischen Bauwerken, unsinnigen Stadtplanungen und rücksichtslosen Stadtplanierungen. Wenn er zornig wurde, war in jeder Zeile klar, dass er es eigentlich nicht sein wollte und nur nicht umhinkam. Wenn er schwärmte, konnte keinem entgehen, dass er ein prekäres Glück festzuhalten suchte. Er war einzigartig in seiner Treue zum Vergehenden.

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War, denn Dieter Bartetzko ist gestern im Alter von sechsundsechzig Jahren gestorben, und dem Feuilleton dieser Zeitung ist, mit einer Formulierung aus seinem Nachruf auf den Jazzpianisten und Entertainer Paul Kuhn, zum Heulen. Bartetzko nämlich wurde nicht nur geachtet ob seiner Gradlinigkeit, geschätzt ob seines Urteils, bewundert ob seiner Kenntnisse auf voneinander entlegensten Gebieten – er wurde gemocht.

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Dietmar Moews meint: Die Todesnachricht hat mich umgehauen – welch ein Verlust! Ich weiß nicht warum er mit 66 Jahren starb. Gottfried Knapp, im ehrenden Nachruf der Süddeutschen Zeitung, Seite 29, am 21. Mai 2015, erwähnt ein Krebsleiden.

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Seit mir Dieter Bartetzkos Architekturkritik unter die Augen gekommen war, las ich Alles, was er schrieb. Er war ein ausgezeichneter Lehrer. Sein Tod ist ein unersetzlicher Verlust.

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Bartetzko war einer der seltenen Künstlergelehrten, die mir galten. Denn er hatte die Kompetenz des Musikanten und das Wissen, das ein Mensch im Rang der Geltung unseres „Unterganges des Abendlandes“ nur mit Genie ausgewählt haben konnte.

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Es ist in kurzer Zeit der zweite schwere Einschlag bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, nachdem Jürgen Kaube in die Chefrolle der FAZ wechselte und nun nur noch als „Gesamtkunstwerk“ zu haben ist – der oben zitierte Nachruf in der FAZ, am Mittwoch, 20. Mai 2015, Seite 9, ist eine Ausnahme – dafür verzeihe ich ihm den Nachruf zu dem SPD-Schriftsteller Grass.

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Unsere Haut und die Kleidung als Erweiterung des Körpers und das Zimmer im Haus und das Haus und die Stadt in der Landschaft – und in der Hundehütte in jeder Ecke ein Knochen. Dazu sollte man mehr wissen als man sieht:

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Architektur ist das selbstgemachte Weltgericht. Die Menschheit baut und vergisst die Gestaltung. Dieter Bartetzko hatte die Fähigkeiten zu dieser echten menschlichen Angelegenheit des Inter esses, dieses Weltgericht zu beurteilen und schriftlich mitteilen zu vermögen.

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Weltgerichts-Texte von Dieter Bartetzko sollte jeder Vierbeiner, der mit der Idee des aufrechten Ganges liebäugelt, im Bücherschrank haben und immer wieder lesen und immer wieder mit Leuten darüber reden.

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Indem ich Ihnen ein langes Leben wünsche, sparen Sie auf diese Weise ganz erheblich.

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