Claude Adrien Helvétius – Neue Sinnlichkeit 300ster Geburtstag

Lichtgeschwindigkeit 5386

vom Donnerstag, 26. Februar 2015

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Der zu seiner Zeit sehr beachtete französische Denker und philosophische Autor Claude Adrien Helvétius (bekannt „De l’esprit“), geboren 1715, gelebt in Paris, daselbst gestorben im Jahr 1771.

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Wir sehen einen damals bekannten Europäer, dessen Wirken als erhebliches Emanzipationsdenken der „Französischen Revolution“ auch heute größte Beachtung verdient:

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Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit“ – das sind die Kernbegriffe, die einer demokratischen Lebensweise das Drama der fortwährenden sozio-politischen Überforderung in der europäischen Moderne beschert:

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Die Knechtschaft der Freiheit“ – so lautet der Untertitel der Zeitschrift „Neue Sinnlichkeit 65“, hrs. Dr. Dietmar Moews, 2014 in Köln, und damit steht eine Grunderkenntnis von Helvétius im Zentrum heutigen Hochleistungs-Hybrid-Denkens in der Vorstellungsorientierung des Jahres 2015.

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Helvétius entwickelte in seinem Hauptwerk, das von ihm selbst zusammengestellt und herausgegeben worden war, „De l’esprit“ / „Vom gewitzten Geist“:

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Man sieht nur, was man weiß“. Helvétius ging davon aus, dass unsere menschliche Orientierung ursprünglich vom dinglichen Geschehen, von der sinnlichen Seinsbindung ausgeht.

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Aber bereits im Kern dieser eher banalen Wahrnehmungstatsache der menschlichen Sinnlichkeit sieht Helvétius das Wissen – und das ist im weiten Sinn, von Erfahrung, Tatsachenkenntnissen, aber eben auch Metaphysik, geisteswissenschaftliche Erkenntnisse und kritische Urteile – dieses alles sind Kategorien, die einen gesellschaftlich normativen Rang zugewiesen bekamen.

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Während individuelle Vorstellungen, konkrete sinnliche Ereignisse und der prozessurale Möglichkeitssinn, einschließlich psycho-sozialer Bedingungen bereits bei Helvétius zu Aspekten des emanzipierten Daseins unter den Forderungen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ wurden.

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Dankenswerter Weise: Heute, anlässlich der Wiederkehr des 300sten Geburtstags von Claude Adrien Helvétius, brachte der Deutschlandfunk (DLF) einen Radio-Kalenderbeitrag“ von Maike Albath, über diesen bedeutenden Mitgestalter unseres heutigen Lebens, Helvétius, geboren am 20. Februar 1715.

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Die neue Sinnlichkeit verdankt solchen Denkern, herkommend von Aristoteles, nicht so sehr von Platon, über Spinoza und solchen, wie Helvétius, Diderot, Leibniz, Lichtenberg, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche – die eine Sinnlichkeitslinie bilden (s. Friedrich Albert Lange „Geschichte des Materialismus“ und bei Nietzsche – Helvétius war kein Dialektiker in hegelianischen Sinn und er war kein Nachfolger von Marx (sondern Marx war ein Rosinenpicker und Honigsauger bei Helvétius).

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Auszugsweise der DLF-Text von Maike Albath:

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„… Der Philosoph Claude Adrien Helvétius inspirierte Marx und auch in der DDR berief man sich auf ihn. Denn er gilt als Vertreter eines kritischen Materialismus. Heute vor 300 Jahren wurde der Frühaufklärer in Paris geboren.

„Nur im Widerstreit gegensätzlicher Meinungen wird die Wahrheit entdeckt und an den Tag gebracht.“

Knapp, pointiert, eindeutig, so ergriff Claude Adrien Helvétius Mitte des 18. Jahrhunderts das Wort. Als Kammerherr der Königin war er am Hof wohl gelitten, und nun machte er sich auch als Gelehrter einen Namen. Mit der Kirche ging er streng ins Gericht.

„Die Religion hat viel Schlechtes und nur wenig Gutes hervorgebracht.“

Seine Offenheit sollte ihm noch Ärger einbringen. Am 26. Februar 1715 als einziger Sohn einer einflussreichen Familie in Paris geboren, wurde er früh gefördert. Fontenelle und Voltaire wetteiferten darum, den begabten und ausgesprochen hübschen Jungen unterrichten zu dürfen. Dann entdeckte dieser den Tanz und das Vergnügen. Denis Diderot bemerkte spitz:

„Die Hauptleidenschaft von Herrn Helvétius galt den Frauen: Als junger Mann widmete er sich ihnen bis zum Übermaß. Ich habe sagen hören, das sei lange Jahre hindurch regelmäßig seine erste und letzte Tagesbeschäftigung gewesen, unbeschadet der Gelegenheiten, die sich dazwischen boten.“

Helvétius glaubte nicht an die Sittlichkeit der Frauen und hielt die sinnliche Erfüllung für das Ziel allen Tuns.

„Man wird stumpf, sobald man aufhört, leidenschaftlich zu sein.“

Freunde lobten seine noble Gesinnung

Dass Sinnesempfindungen auch der Ursprung jeder geistigen Tätigkeit sind, wurde später zum Kern seiner philosophischen Überlegungen. Doch zunächst verschaffte ihm sein Vater 1738 eine Stelle als Generalsteuerpächter. Helvétius wurde binnen dreizehn Jahren sehr wohlhabend und konnte sein Amt niederlegen. Seine Freunde Diderot, Holbach und d’Alembert lobten seine noble Gesinnung und große Freigebigkeit: Er bot mehreren Künstlern ein Auskommen, darunter Marivaux. Im Salon der Marquise du Deffand lernte er deren Nichte Anne-Catherine de Ligniville kennen. Helvétius heiratete die kluge und anziehende Frau, widmete sich von nun an seiner Familie und der Wissenschaft. 1758 brachte er sein Werk „De l’esprit, Vom Geist“ heraus – anonym.

„Wir betrügen uns, wenn wir uns zu Richtern aufwerfen wollen und unser Gedächtnis doch nicht von all denen Sachen angefüllet ist, von deren Vergleich die Richtigkeit unserer Aussprüche abhängt. Nicht, dass jeder keinen richtigen Verstand hätte; denn ein jeder sieht wohl das, was er sieht. Sondern es setzet niemand genug Misstrauen in die eigene Unwissenheit und glaubet daher, dass das, was man von einem Gegenstande sieht, auch das sey, was man daran sehen könne.“

Empörte Kirchenvertreter

Ungeheuerlich! Vor allem die Kirchenvertreter empörten sich über derartig vermessene Äußerungen und erzwangen einen Widerruf. Die gesamte Auflage wurde beschlagnahmt, öffentlich verbrannt und vom Papst verdammt. Helvétius‘ Bedeutung tat dies keinen Abbruch. Denn der Gelehrte vertrat revolutionäre Positionen: Alle Menschen seien gleich, sämtliche Privilegien gehörten abgeschafft, was in der gegenwärtigen Staatsform kaum möglich sei. Deutlicher konnte man das Ancien Régime nicht infrage stellen. Nach einem Jahr glätteten sich die Wogen, und man schickte den Gelehrten 1764 nach dem Siebenjährigen Krieg nach Preußen, um die Beziehungen zu dem verfeindeten Land wieder aufzunehmen. Helvétius stand kurz vor der Veröffentlichung eines neuen Werkes, das Vom Menschen, seinen geistigen Fähigkeiten und seiner Erziehung heißen sollte, als er am zweiten Weihnachtsfeiertag 1771 starb. Im Vorwort hatte er resigniert resümiert:

„Ich hätte gern den Durchschnittsmenschen aufgeklärt – aber in fast allen Nationen ist dieser Durchschnitt der Sammlung unfähig: Was seine Aufmerksamkeit fordert, das widert ihn an. Was aber die Leute von Welt betrifft, so haben sie immer weniger Sinn für ein ernsthaftes Werk. Nichts kann sie verlocken außer einer Beschreibung von lächerlichen Zügen, die ihre Bosheit befriedigt, ohne sie in ihrer Bequemlichkeit zu stören.“

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Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

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Dietmar Moews meint: Mit Claude Adrien Helvéticus haben wir einen weiteren Adepten des Bildes:

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Wir stehen auf den Schultern von Riesen“ (s. auch den Überflug von Robert K. Merton „On the shoulders of Giants“ 1965).

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Ist es eigentlich erschütternd, wie das heutige europäische Denken von der Vorstellungsorientiierung der Neuen Sinnlichkeit sich mittels staatlicher Bildung und Kommunikations-Propaganda Lügenpresse) wegbewegt?

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Oder ist es der momentane postmoderne Tribut an die große Heerde, die zu ihren Gefühlen („emotionale Intelligenz“) die Verpitbullung und die Hitlerschlauheit als kulturgeschichtlichen Absturz – aber demokratisch mehrheitlich stimuliert und dahin geführt – organisiert?

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Franz Otto Kopp und Dietmar Moews, 4. 5. 2014 vor der Galerie Smend Köln, Mainzer Straße 31

Franz Otto Kopp und Dietmar Moews, 4. 5. 2014 vor der Galerie Smend Köln, Mainzer Straße 31

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Es käme so, ein zielführender Umweg zum altestamentarischen Armaggeddon, eine Endlösung heraus, die allerdings gar nicht den mehrheitlichen Idioten sondern den irreführenden Führern und Entscheidern entspringt, die auf dem Sofa sitzend sich an einer Brezel verschlucken.

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