Leinwand öffne dich! – 65. Berlinale zur Kulturindustrie als Code

Lichtgeschwindigkeit 5328

vom Donnerstag, 5. Februar 2015

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Leinwand öffne dich! – heute abend wurde die Eröffnungsfeier der diesjährigen Film-Berlinale auf 3Sat-TV übertragen: Saal, Bühne, Anke Engelke, Berliner Dauerfex Dieter Kosslick, die internationalen Juroren, das Publikum als deren freie Mitarbeiter, die beiden Redner Kulturstaatsministerin Grütters und der neue Regierende Bürgermeister Müller:

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Die KULTURINDUSTRIE schafft das KUNSTWERK, das im Zentrum des KUNSTERLEBNISSES steht (wenn man es bereitstellt: 400 neue Videos in Berlin 2015).

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Das FILMKUNST-ERLEBNIS steht in der Mitte des sozialen Prozesses, in dem Publikum als Konsumenten, sämtliche Filmschaffende als Konsumenten, die Künstler und die vor- und nachgelagerten Aktiven als Produzenten, ein Werk erleben und zum Wertbestandteil des filmkulturellen Geschehens wird. So etwa sehen Filmfestspiele aus Sicht der empirischen Filmwirtschafts-Soziologie aus.

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Ich möchte damit nur verdeutlichen, welche Einordnung die Künstler in der Produktion des filmindustriellen Werkes erleiden – ob Schauspieler, Literaten, Musiker, Dramaturgen, alle künstlerischen Techniker am Set und im Studio, alle Technikentwickler der Aufnahme, der Verarbeitung, der Wiedergabe, Regiepersonal, Juristen, Kulturpolitiker, Salonpersonal, Geldorganisatoren und Publizisten:

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Was schert es eine verknitterte Logopädin, ob die Schauspielschülerin mal über einen roten Teppich stolpern darf?

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Wie ambitioniert ist die Kostümschneiderin, wenn kurz vor der Premiere ein Strassteil aus der Uniform fehlt?

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Auch Taxifahrer können stimmungsvoll sein, wenn der Fahrgast ein Schauspieler ist, der gar nicht anderes kann, als immer zu spielen, egal, was er gerade macht: Fahrgast, Schauspieler, Modell, Partylöwe, Bankkunde … er spielt den Bankkunden, bis er die Nerven verliert CUT!

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Diverse alljährlich wiederkehrende Filmfestivals sind MARKT und MESSE für alle, die auf die FILMINDUSTRIE reflektieren – so die 65. BERLINALE 2015.

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Kurz: Als Teil der deutschen Wirtschaft in meist internationaler Arbeitsteilung und dem Distributions-Markt hat die föderal organisierte deutsche „Filmförderung“ den Aspekt der „Freiheit der Kunst“ keineswegs im Auge:

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Deutsche Filmförderung versteht sich satzungsmäßig stets als INVESTITION, nicht als SUBVENTION. Es wird im Fund-Matching WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG betrieben. Wer Quote erzielt, darf wiederkommen.

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Immerhin ist es über viele Jahre inzwischen gelungen, eine deutsche Produktionswirtschaft anzufüttern (Babelsberg, München, Köln), die in Deutschland tätig ist.

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Das betrifft große Projekte von deutschen Filmindustriellen/TV-Filmschaffenden, die für den nach wie vor US-Amerikanisch-Englischsprachigen Fernsehabsatz gemacht werden, und – zumindest ästhetisch – auch in Kinos vermarktet werden. Die aber durchaus auch als Fernseh-Serien für andere internationale TV-Sender abgesetzt werden können – Indien, China, Europa, Südafrika, Russland.

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Das betrifft aber für die deutschen Filmmodells und Autoren auch mittels regionaler Filmförderungs-Fonds den Berufsstart zu schaffen, sich auf kleinen Festivals zu bewerben, letztlich auf allen Ebenen der Kulturwirtschaft anzugreifen.

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Wer zur Berlinale-Eröffnung persönlich gehen darf, hat zumindest Zugang. Welche Formen der zukünftigen Teilnahme daraus folgen ist letztlich immer von „ENTSCHEIDERN“ abhängig – wie eben so Entscheidungen getroffen werden:

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Die Kulturindustrie und die Filmindustrie sind vorrangig ein „Markt der Ideen“ des Selbstmarketings und des integrierten Projekt-Managements:

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Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass die Chefsekretärin eines Siemens-Vorstandes für eine Film- oder Serienrolle besetzt wird, während eine reife Frau, als junge Erfolgs-Schauspielerin, immer weniger ihren PR-Postkarten-Abbildern entspricht und deshalb auf TV-Brüll-Talk-Shows, Dschungel-RTL oder Chanson mit Liebeslyrik für Bank-Jubiläen ausweicht.

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Dietmar Moews meint: Natürlich muss der Berufsarschkriecher den Gebern angenehm erscheinen und funktionieren.

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Kosslicks Auftritt zur Eröffnung war abgehalftert. Müde, aber immerhin im sicheren Gefühl, dass Berlinale 65. in der Reihe der Berlinalen – zwischen Redundanz und Innovation – mit dem Stichwort „erzählerische Kraft des Fernsehens“ erneut das sinnlose Ufer des an Wiederholung und Wiedererkennbarkeit inter-essierten Publikums erreicht hat.

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Die Luftnummer Anke Engelke war erneut zum Kindeln aufgeboten, schlechte Tagesform ständige Textunsicherheit und unprofessionelle Versprecher – angeblich war sie aber genau für Gedankenlosigkeit bestellt worden – ich finde es muss Esprit her – auch wenn jemand nur Guten Tag sagt. Wer hätte sie für einen Zweiminutendiskurs über Testosteron- und Östrogenschwankungen im mittleren Alter gerügt? – Herta Müller hat ja auch beschrieben, wie sie beim Weinen laufen gelernt hatte und beim Laufen weinen.

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Eine Unverschämtheit war dann die Kulturstaatsministerin Grütters, die eine unerwünschte schädliche Kompetenz-Anmaßung des Bundeskanzleramtes ist – wann wird der Posten endlich gestrichen?

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Was soll jetzt die Frauenquote bei der Darstellung von Frauen oder Männern, wenn die Schwätzerin von der Kunst rein gar nichts weiß?

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Was soll die Frauenquote im Kanzleramt oder in der Malerei? – Grütters? schlimmes Gerede vor einer FILM-Wirtschafts-Klientel zur Bienale-Begrüßung, die dazu brav clacqueurt.

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Besser wäre mal ein richtiges Aufgeld für Wim Wenders und Peter Handke – die Brisanz, die in der staatlichen Soßen-Produktion durchaus geeignet ist, Ästhetik und Qualität konkret von wirklichen Meistern anzuklagen, wie es sich gehört:

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Wir sind gerade in einer Kriegsvorbereitung, die über die staatlich geführte Massenkommunikation eingebettet wird in eine hitlerschlaue Konsumentenhaltung:

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Das hätte ich gerne mal aus dem Mund eines Film-Förderungsempfängers Wim Wenders, Werner Herzog oder des Persers Jafar Panahi gehört – wie ist es mit Video on demand, mit Netflix und Amazon zu Katzenvideos im Smartphon? –  wo sich die neue Kreativität einen neuen Weg der Zerstreuung und der Massenteilnahme sucht.

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Den Bundeszuschuss zur Film-Wirtschaftsförderung kann man Jahr für Jahr ohne eine solche Grütters-Camouflage hergeben.

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Zumindest hätte Frau Grütters was Wahres und Sinnvolles sagen müssen.

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Während mit dem im Munde gefrierenden „Freiheit der Kunst“ dem Thema „Deutsche Filmförderungs-Organisation“ weder Aufklärung, noch Information, noch Interpretation aus Sicht des machiavellistischen Staatswesens mit Blick nach USA, gegeben hat.

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Ja, Staats-Kultur – was soll das sein? Was macht dann die Kunst, die zur Staatskultur gemacht wird? Was wird aus der Staatskunst in der Staatskultur? – welche künstlerischen Aspekte werden denn abgeriegelt und vernichtet, wenn der Staat mit seinem Funktionärs-Personal eine Selbstorganisation aufzieht, an deren Türen dann alle drängen und rummachen müssen?

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Ich habe nichts gegen kommerzielle Angebote auf einem frei zugänglichen Markt.

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Was macht also der freischaffende Schauspieler mit den Ansagen einer solchen Kultursoldatin? Wird dann noch mal von Kunst, von Können, von Ausstrahlung, von Dramaturgie, von Darstellung, von Gefühl und Einfühlung, von Buch und Drehbuch, von guter und schlechter Besetzung gesprochen?

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Womit kommt der Gitarrist in die Massenmedien? – wenn er die Gitarre auf der Bühne kaputtkloppt, wenn er Löcher in der Nasenscheidewand hat oder überall nervt. Wenn Mike Reinhardt ein grandioses „Lady be good“ spielt, aber Paco de Lucia berühmt wird, ist die Kunst des Künstlers auf sein Erfolgsmarketing auf dem roten Teppich eingetrocknet.

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Von „Freiheit der Kunst“, die ja aus Sicht der Künstlerin gelten muss, nicht aus Sicht der Bundesregierung oder der Profitwirtschaft, weiß Frau Grütters nichts zu sagen. Dabei hat das unendlich vielfältige lebenswichtige Bestimmungen und Ambitionen.

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Und was hat der Dauerfex Koschnick gesagt?

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Immerhin hat der Regierende Bürgermeister Müller das Filmwirtschaftstreffen 2015 in Berlin organisieren lassen und das notwendige Metierwissen auf eine Aktualität gebracht, der man zwar die Peristaltik anmerkt, die aber dennoch in Maßen zu Stuhle kommt. Keiner verlangt für Berlin die erste LIGA – andere Messeplätze rangieren davor. Immerhin hat Müller nicht den blödelnden Wowereit zu geben versucht.

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Was Müller nicht kann, ist die Zeichen der Zeit zu lesen und Filmkünstler herauszufordern. Wir etablieren die Entfremdung, die Fernfuchtelei und die IT-Revolution hemmungslos. Müller müsste von Kosslick Kunstqualität fordern, statt lediglich auf den Standort- und Wirtschaftsfaktor und die große Zahl des Massenmarktes mittels beschleunigter Klein-Bild-Chaotik mitzusurfen.

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Diese Berlinale hat mit Kosslick einen Fex, der mit dem Fluss ins Meer schwimmt, dabei nett und konditionsstark herumlächelt und von einer Software ersetzt werden könnte:

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Online-Bewerbung – und Aiweiwei kommt mit seinem neuesten Film – jetzt auch als TV-Serie Online.

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Von den vielen Sponsoren der 65. Berlinale und von den neuen Filmen kann ich hier zur Eröffnungs-3Sat-Übertragung wenig Vernünftiges sagen.

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Und? Hatten Sie interessante Gespräche? Angenehmes Wiedersehen mit Kollegen? Saßen die Haare? Ach – jetzt haben Sie ein Problem mit den Haaren?

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