Do ut des – fragen will gelernt sein

Lichtgeschwindigkeit 5090

am Sonntag, 16. November 2014

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Wenn man unfassbar verständnislos und erschüttert ist, weil Menschen Familien und Kinder missachten, misshandeln und schändlich vernichten – und man fragt:

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Wie ist das möglich? Warum lassen die Menschen sowas zu?

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Dann kann man versuchen, solche Täter zu fragen, und hinzuschauen, ob das, was die sagen, mit dem übereinstimmt, was sie tun, wenn sie ungeschützte Menschen bombardieren.

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Dann kann man die Opfer fragen, was die glauben oder zu wissen meinen, wie und warum Familien und Kinder terrorisiert werden. (do ut des (lateinisch) = ich gebe, damit du gibst).

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Man kann, sollte man unbeteiligte Zeugen finden, ob sie verstehen, warum Menschen Menschen schinden – diese Zeugen fragen: Fühlten Sie sich nicht verpflichtet, den Opfern zu helfen, die Massaker zu verhindern oder abzuwehren oder Zuflucht zu bieten?

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In der „JÜDISCHE ALLGEMEINE“, vom 13. November 2014 / 20. CHESCHWAN 5775, Nr. 46, „WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK, KULTUR, RELIGION UND JÜDISCHES LEBEN wird über die Menschenschändung und die Menschenschänder berichtet und gewertet.

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EINS Speziell geht es um die „Reichskristallnacht“ vor 76 Jahren – die Novembernacht des Jahres 1938 in Deutschland, in der die weitere Öffentlichkeit der Deutschen alle Dämme der Menschlichkeit und der Solidarität brechen ließ und jeder einzelne Deutsche mitmachte oder wegschaute, wie alle deutschen Juden offen attackiert worden sind.

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ZWEI geht es speziell um die schwachen Formen des Widerstands, heute im Jahr 2014, gegen die 51 Tage dauernden Massaker gegen alle 1,7 Millionen lebenden Menschen in Gaza, die die heutigen Deutschen und die heutigen deutschen Juden und die heutigen Juden in Deutschland zeigen. Allerdings erheblich geschwächt durch eine breitwandige staatliche und massenmediale Übermacht, die diese Gaza-Massaker fördern oder zumindest dulden.

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Wir können mit soziologischem Tatsachenblick nicht übersehen, dass diese massenmediale und staatliche repräsentative Moralabsenz den Verhaltensspielraum für eine „Hitlerschlauheit“ (wegzuschauen und meinungsscheu nichts wissen zu wollen) und das angepasste „Mobschweigen“ öffnet und mit einschlägiger Propaganda füttert.

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Will man den heutigen Wegguckern zu den Gaza-Massakern ihre Indolenz und menschlich-politische Unreife, angesichts der öffentlichen Meinungsführung, nachsehen, ist allerdings mahnend darauf hinzuweisen, wie es den Judenkillern von 1938 in der Reichskristallnacht ebenfalls zur Erleichterung der Selbsterleichterung diente, sich nicht schützend vor ihre deutschen Juden und sonstigen Verfolgten zu stellen.

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Man hätte 1938 – unter der eskalierenden drohenden Gewaltlage für jeden einzelnen Menschen in Deutschland, durch das staatliche Innenministerium, die Polizei, besonders aber durch die SA und die GeStaPo und das gesamte NSDAP-Denunzianten-Unwesen – öffentlich die Menschenrechte verteidigen und fordern müssen. 1938 haben die Menschen gegenüber dieser einfachen öffentlichen Pflicht vollkommen versagt (informelle Ausnahmen immer respektierlich).

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Immerhin lassen sich heute die Tatsachen der geistigen und sozialen Armut erkennen – und es gab viele diskrete Anständige, die zu helfen versuchten, bis es nicht mehr ging.

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Dafür fehlen heute die meisten Zeugen.

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Alle Naziverfolgten, denen zur schlimmen Nazi-Zeit aus Motiven der Solidarität oder der politischen Dissidenz von mutigen Freunden geholfen worden ist, die schließlich bis 1945 doch von den deutschen Massenmördern fast restlos vernichtet worden sind, waren verloren – auch als Zeugen.

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Natürlich bezeugen die wenigen Überlebenden die Massaker und die Vernichtung durch massenhafte Unmenschen, denen sie ausgeliefert waren. Und die haben ihre individuelle Rettung meist mehr der eigenen sozialen Kraft und dem Schicksal zu verdanken, als gerade sonstigen Helfern.

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Bei den heutigen Gaza-Massakern ist es der Öffentlichkeit unbenommen, gegen die massenmediale und staatliche Führung zu reklamieren. Man dürfte fordern:

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STOPP mit der Menschenschändung!

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Man könnte öffentlich fragen: Warum lassen die Menschen so etwas zu?

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Die zur Zeit der Reichskristallnacht sechs Jahre alte Münchener Jüdin und heutige jüdische Funktionärin, Charlotte Knobloch in München, erhielt jetzt laut „JÜDISCHE ALLGEMEINE, S. 15 eine Ehrung:

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Ein Löwe für die Löwin. EHRUNG Charlotte Knobloch wurde mit dem Preis der evangelischen Akademie Tutzing ausgezeichnet. (von Helmut Reister)

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Frau Knobloch zitierte,

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„Bezug nehmend auf das „Gedenkjahr der Superlative“, den Beginn des Ersten Weltkrieges, des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren und den Fall der Mauer vor 25 Jahren … in ihrer Rede angesichts der internationalen Krisen den Philosophen Novalis „Alles ist gut. Nur nicht überall. Nur nicht immer. Nur nicht für alle.“ …und ergänzte .. „Solange es nicht für alle gut ist, ist es in letztlich für niemanden gut.“

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Weiter schreibt Helmut Reister hier:

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„Damit sprach sie die vielen Krisenherde in einer „überraschend schnell aus den Fugen geratenen Welt“ an: Krieg in der Ukraine, Gaza, Syrien und im Irak. „Diese Bilder dürfen uns nicht unberührt lassen“, betonte Knobloch. Sie richtete ihren Blick aber auch auf den neuentflammten Antisemitismus, auf die Tausenden Jugendlichen, die sich als militante Islamisten verstünden, auf die Behandlung von Flüchtlingen als Menschen zweiter Klasse und auf die Deutschland ganz besondere Bedeutung der Losung: „Nie wieder!““

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In einem anderen großen Zeitungsbeitrag in der selben JÜDISCHEN ALLGEMEINEN, Seite 15 wird groß aufgemacht „Mahnung und Warnung“ GEDENKEN … Opfer der „Reichskristallnacht“ … und da sagt angeblich Charlotte Knobloch:

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… Merkte die Präsidentin hinsichtlich der Explosion des Judenhasses während des Gaza-Kriegs dieses Jahr an. „Rückblickend auf diesen Sommer des antisemitischen Hasses stelle ich 76 Jahre nach der sogenannten Reichskristallnacht dieselbe Frage, die ich mir als sechsjährige gestellt habe: warum lassen die Menschen so etwas zu?“

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Dietmar Moews meint: Bei einem Bevölkerungs-Altersdurchschnitt von nur 15 Jahren, der 1, 7 Millionen Bewohnern des Gazastreifens, haben zweifellos zahlreiche sechsjährige Kinder die Frage: Warum?

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Es wäre jetzt moralische Pflicht der Frau Knobloch, denen zu antworten.

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Zugegeben, hohle Phrasen zu publizieren, ein Fragezeichen dahinterzuklemmen, um fein raus zu sein, aber keineswegs tatsächlich zu fragen und nach Antwort zu suchen – das ist „die Banalität des Bösen“. Bei der „Banalität des Bösen“, wie es Hannah Arendt dem Nazi-Adolf Eichmann im Glaskasten attestierte, liegt nicht Dummheit oder Urteilsschwäche oder mangelnde Einsicht in Moralität und Menschlichkeit vor, sondern banales Effizienzhandeln:

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Warum lassen die Menschen so etwas zu?

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Im Jahre 1938 finden wir zahlreiche Gründe, warum in Deutschland kein Widerstand erhob. Im heutigen Deutschland wäre die Liebe „der Deutschen“ zu „den Juden“, eine zumindest von infrage kommenden Juden nicht mit einfacher Banalitätsargumentation zu beantwortende Begründung zur Frage: Warum lassen die Menschen so etwas zu?

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Jedenfalls behauptet die Zeitung, wie auch Frau Knobloch: „ Sommer des antisemitischen Hasses…“ und bestätigt zumindest, dass wir es auch mit Stoffveränderung zu tun haben. Und was heißt nun „do ut des“?

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Und was wäre antisemitische Liebe, wenn hier von antisemitischem Hass gesprochen wird? – auch lustig „antisemitische Feindschaft“ im Sprachgebrauch mit antisemitische Freundschaft und Hassliebe? – Soll das der Hinweis auf Theodor Lessing sein?

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Wie wäre es mit Kritik an den Juden?

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Wie wäre es mit Bewertungen der Militärpolitik Israels?

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Wie wäre es mit Transparenz der harten deutschen Israelpolitik in der deutschen Öffentlichkeit? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den von Frau Knobloch beklagten Wertäußerungen von Menschen in Deutschland zum Gaza-Konflikt und der Politik der deutschen Blockparteien zum Nahen Osten über die öffentlichen Meinung hinweg?

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Kanzlerin Merkel erklärt wiederkehrend die deutsche Israelpolitik als und zur „Staatsräson“. Und damit ist das Thema in der veröffentlichten Massenkommunikation weitgehend erledigt.

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Während allerdings die Menschen unzufrieden damit sind, als Konsumenten und Publikum der deutschen Israelshow ausgegrenzt zu werden, bzw. pauschal und ständig als Antisemiten kollektiv beschuldigt zu werden. Während antiisraelische Handlungen selten vorkommen – wollte man nicht das soziologische Thema „Ressentiment“ und „Bildung“ erörtern.

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