Wem nützt Sterbehilfe? – EINSPRUCH in JÜDISCHE ALLGEMEINE

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am Sonntag, 26. Oktober 2014

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Als im Feld des Judaismus und der heutigen Israel-Problematik belesener Soziologe, beachte ich auch fortlaufend die in Deutschland publizierten und zugänglichen Medien, besonders die wöchentlich erscheinende Verbandszeitung des „Zentralrates der Juden in Deutschland“, die „JÜDISCHE ALLGEMEINE“.

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Geschmacksäußerung vorab: Mich interessieren die Neuigkeiten und von den jüdischen Redakteuren und Autoren ernsthaft betriebenen rückwärtigen Manipulationen des historischen Judentums – immer aus der heutigen lebensdienlichen Erwartung: Wer schreibt, der bleibt. (Nichts Anderes tut auch der jeweilige Papst mit seinen „Fortschritten“ – stets neu zu definieren, wie man an Gott – durch den Papst – glaubt).

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Und es stehen stets mich interessierende Darstellungen in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN. Ich finde das Blatt immer „wertvoll“, durchzuschauen, zu lesen und zu genießen. Und – rennhuhngestählter Leser von massenhaftem Zeug, das mir überhaupt nicht gefällt, mich aber interessieren „muss“, möchte ich ausdrücklich sagen: Die Wertvorstellungen zu allem möglichen Tun, Lassen, Vorstellen und Denken, mein eigenes Leben betreffend, stimmen meist mit denen in der JÜDISCHE ALLGEMEINEN gedruckten überein (wenn es nicht die Massakerkriegs-Krankheit in Israel betrifft). Das liegt am sozialliberalen jüdischen Wesen – ungeachtet religiöser Spezifitäten und orthodoxer jüdischer Lebensvorschriften. Dabei hilft zum Verständnis die geistreiche Bandbreite jüdischen Witzes, jüdischen Humors, und einer Abu Telfan-artigen Lebensbejahung.

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Mir gelten die Zeugnisse des vorchristlichen Juden Hillel zum Verständnis mehr als Talmud und alle späteren Textauslegungen. Was Juden nach Hillel, gegen Hillel bis zu den heutigen Staatsdoktrinen eines Massakerstaates Israels gereichen, halte ich nicht für jüdisch und nicht für lebensdienlich.

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BEISPIEL aktuell: „JÜDISCHE ALLGEMEINE“ vom 23. Oktober 2014, Titel-Kommentar EINSPRUCH“ von Yves Nordmann: „Wem nützt Sterbehilfe?“

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Nordmann ist Kinderarzt in Basel, meint: „gewerbliche Rechtsstellung für Sterbehilfe in Deutschland per Gesetz herbeizuführen, sei aus moralischen Gründen abzulehnen“.

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Sollen Ärzte Patienten beim Suizid unterstützen dürfen? Aus jüdischer Sicht ist eine Legalisierung der medizinisch assistierten Selbsttötung, wie sie gegenwärtig diskutiert wird, strikt abzulehnen. Der Rabbiner, Arzt und Philosoph Maimonides definierte im 12. Jahrhundert den Suizid explizit innerhalb des in der Tora definierten Tötungsverbotes.

Dahinter steht das Grundprinzip, dass der Mensch generell gemäß der jüdischen Tradition seinen Körper als Leihgabe zu betrachten hat. Dieses Konzept steht im Gegensatz zum aktuellen Trend der säkularen Ethik, der Autonomie des Patienten einen immer größeren Stellenwert einzuräumen. Es ist aber ein Irrtum, anzunehmen, dass die Entscheidung, sich selbst umzubringen, nur das Individuum selbst betrifft – und nicht die ganze Gesellschaft.

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem alten und armen Menschen, die sich ohnehin am Rande der Gesellschaft befinden, am häufigsten das „Recht zu sterben“ zugebilligt beziehungsweise nahegelegt wird. Der moralische Druck auf diejenigen, die trotz ihrer Leiden und trotz ihrer „kostenverursachenden Wirkung“ weiterleben möchten, würde dann zweifellos steigen.

Wem würde durch eine Legalisierung des ärztlich assistierenden Suizids geholfen? Dem leidenden Individuum, das unsere emotionale Unterstützung benötigt? Oder der Gesellschaft, welche die Probleme der stetig steigenden Gesundheitskosten und der limitierten Ressourcen …sich dabei „unbequemen“ Patienten entledigen könnte.

Aus jüdischer Sicht dürfen fundamentale Prinzipien wie die Unantastbarkeit und Heiligkeit menschlichen Lebens sowie das biblische Verbot der Tötung und der Selbsttötung nicht aufgehoben werden …“

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Dietmar Moews meint: Ich bin für Selbstbestimmung. Und das Würdepostulat der Präambel des Grundgesetzes reicht aus, dass sich jeder Mensch selbst entscheidet: Hillel – forderte die Lebensdienlichkeit des Wortes. Man könne und dürfe nicht die Tora gegen „Gott“ wenden.

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Etwas völlig anderes ist, dass informelles Individualschicksal zum staatlich geschriebenen Gesetz erhoben und durch Kontrolle in das Ureigenste hinein aufgewühlt werden soll.

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Natürlich kann Maimonides das Tötungsverbot extrapolieren – aber nicht gegen den älteren Hillel. Maimonides ist nicht biblisch, sondern mittelalterlich. Und das Argument scheint ja sehr gummiartig zu gelten, solange der Massakerstaat Kinder tötet. Denn Selbsttötung gemäß Tötungsverbot wird gewissermaßen hingebeugt, indem das Tötungsverbot ignoriert wird.

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Man macht mit der gesetzlichen Sterbehilfe Druck auf die an sich schon am Rande lebenden Kranken und Alten, die leben wollen und keine „Sterbehilfe-Verweigerer“ werden möchten. Denn man macht sofort die gesellschaftliche Geldabrechnung für pflegebedürftiges „Restleben ohne Sterbehilfe“.

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Ich stimme Herrn Nordmann final – nicht seinem nichtbiblischen Maimonides-Diktum – ausdrücklich zu und lehne ein Sterbehilfegesetz ab.

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Es gilt für alle die Weisheit: Ein Geheimnis kennt niemand.

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