Gideon Kremer und Andrej Makarewitsch als Künstler + Politik

Lichtgeschwindigkeit 4932

am Samstag, 27. September 2014

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ZUGINSFELD 41 DMW am 3. Juli 2014 in der Mainzer Straße Südstadt Köln, in Köln im Jahr2014 gemalt

ZUGINSFELD 41 DMW am 3. Juli 2014 in der Mainzer Straße Südstadt Köln, in Köln im Jahr2014 gemalt

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Zwei herausragende russische Musik-Künstler, der im Westen lebende lettische Star-Geiger Gidon Kremer sowie, davon unabhängig, der in Russland lebende Rockmusiker Andrej Makarewitsch, haben sich mit öffentlichen Erklärungen gegen die kriegerischen Aktivitäten Russlands und gegen andere Künstler, die den Krieg unterstützen, ausgesprochen.

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Makarewitsch wird zitiert: „Man kann mit Panzern keine slawische Welt aufbauen“.

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Kremer wird zitiert: „ Es hat den Anschein, als seien Manipulation, materielle und politische Interessen, Lügen und Machtspiele die „Orchestrierung“, mit der eine Partei der anderen antwortet. Und es ist bedauerlich, dass sich einige hochgeschätzte Künstler in dieses Spiel einbinden lassen. Ich kann einige meiner Kollegen nicht verstehen, die (um ihrer eigenen Bequemlichkeit willen?) diesen Stand der Dinge und die politischen Einschüchterungsversuche mittragen. Sie (wir wollen hier keine Namen nennen!) nennen das „Patriotismus“ …“

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Gidon Kremer ist mutiger als fast alle freien Musiker, die im Westen leben. Allerdings ist Kremer als Russe lettischer Herkunft, der seine Heimat im ehemaligen Sowjetsystem aufgegeben hatte, besonders aufmerksam.

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Aktuell wurde zum 18. September 2014, in Dresden, wo Kremer mit seinem Orchester „Kremerata Baltica“ gastiert bekannt gegeben worden:

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Im Hinblick auf das aktuelle Geschehen im Russland-Ukraine-Konflikt hat sich Gidon Kremer dazu entschieden, das Programm für seinen Aufritt mit der Kremerata Baltica zu ändern.. Deshalb hat der aktuelle Capell-Virtuose der Sächsischen Staatskapelle Dresden nun ein Programm zusammengestellt, das den Titel trägt: »Gidon Kremer – Mein Russland«. Dieses Programm erlebt in der Semperoper seine Premiere.“
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Gidon Kremer sagte: »Die aktuelle politische Situation in Russland und der Ukraine beunruhigt mich sehr. Deshalb war es mir ein besonderes Anliegen, dieses Programm zusammenzustellen, das meine große Verbundenheit mit der russischen Kultur und Musik zum Ausdruck bringt, deren Werte ich im heutigen Russland mehr als gefährdet sehe.« (Gidon Kremer)
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Angesichts der dramatischen Ereignisse, die sich derzeit in Russland und der Ukraine abspielen, kann ich nicht gleichgültig bleiben; sie erinnern sehr stark an die Situation in Europa kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Mit dieser Änderung will ich mich nicht als Politiker in Szene setzen; ich folge vielmehr meinem Auftrag als Künstler und als Musiker, meinen Gefühlen und meiner persönlichen Einstellung mit musikalischen Mitteln Ausdruck zu geben. Ich weiß nicht, was von beidem schlimmer ist – der Machthunger der Politiker oder die Tatsache, dass die Mehrheit der Angehörigen einer Nation (wie es heute in Russland der Fall ist) von den staatlich gelenkten Medien ihres Landes manipuliert und einer regelrechten Gehirnwäsche unterzogen werden?(…)
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Für das neue Programm habe ich Werke aus der Feder führender russischer Komponistinnen und Komponisten unserer Tage ausgewählt, Sofia Gubaidulina, Leonid Desyatnikow und Alexander Raskato (…) All diese Werke gehören zu dem, was ich als „mein“ Russland bezeichne, dessen kulturelle Traditionen auf dem Gebiet der Literatur, der darstellenden Kunst, des Theaters und des Kinos mir seit der Zeit, als ich bei dem großen David Oistrach an der Moskauer Musikhochschule studierte, besonders am Herzen liegen (…).

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In diesen Tagen erleben wir die lauten Parolen und das Getöse der Politik, die mich abstoßen. Es hat den Anschein, als seien Manipulation, materielle und politische Interessen, Lügen und Machtspiele die „Orchestrierung“, mit der eine Partei der anderen antwortet. Und es ist bedauerlich, dass sich einige hochgeschätzte Künstler in dieses Spiel einbinden lassen. Ich kann einige meiner Kollegen nicht verstehen, die (um ihrer eigenen Bequemlichkeit willen?) diesen Stand der Dinge und die politischen Einschüchterungsversuche mittragen. Sie (wir wollen hier keine Namen nennen!) nennen das „Patriotismus“. Sie haben natürlich das Recht, ihre eigene persönliche Wahl zu treffen – doch sollte es für sie als Künstler nicht Pflicht sein, für die Wahrheit einzustehen und positive Energien zu vermitteln und zu stärken?

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Mit dem russischen „Popstar“ Andrej Makarewitsch, der laut Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. September 2014, einer der beliebtesten russischen Rockmusiker ist, ist der Protest gefährlich und erheblich schwieriger zu kommunizieren.

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Makarewitsch Band, seit 45 Jahren „Zeitmaschine“, wurde gestoppt. Die aktuellen Konzerte wurden einfach abgesagt, während die Eintrittskarten angeblich „nicht nachgefragt worden seien“. Organisatorische Probleme überall, in Petersburg, Krasnojarsk, Kasan, Samara, Tomsk, Nowosibirsk und Saratow: „Mit der politischen Haltung des Sängers habe die Entscheidung, seine Konzerte ausfallen zu lassen, überhaupt nichts zu tun.

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Allerdings, erklärte der Konzertveranstalter laut FAZ: „Wir liegen nicht auf einer Wellenlänge“, und sagte den Auftritt in Kirow ab. „Er habe einfach eine andere Position als der Sänger.“

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Makarewitsch hatte an Vladimir Putin geschrieben. Er bat Putin, die Hetzjagd zu beenden, „man nennt mich einen Freund der Junta, Handlanger der Faschisten, Verräter, dabei sei doch sein einziges Verbrechen gewesen, in Swjatogorsk vor den Kindern von Flüchtlingen aus Donezk und Luhansk drei Lieder gesungen zu haben. Die Gruppe „Zeitmaschine“ habe in all den Jahren Millionen Anhänger in Russland und im Ausland gefunden .. wenn man uns eines nicht vorwerfen kann – dann, dass wir Russland nicht lieben.“

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Putins Sprecher kommentierte den Brief abschätzig. Man könne das, “was als Hetzjagd bezeichnet wird, auch als Reaktion der öffentlichen Meinung bezeichnen“, der Präsident habe damit übrigens nichts zu tun.“

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Auf einer neuen Platte von Zeitmaschine singt Makarewitsch: „Mein Land hat den Verstand verloren …mein Land ist in den Krieg gezogen, und ich habe es nicht aufhalten können“. Es sei nun an der Zeit, sich zu entscheiden. Wer sich entscheide, „ keine Scheiße zu sein“.

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Dietmar Moews meint: Ob Gidon Kremer Andrej Makarewitsch kennt und ob beide miteinander einverstanden sind, ist unwichtig. Es hindert nicht, zum Kriegsgeschehen Stellung zu beziehen. Es hindert nicht nur nicht, es verpflichtet jeden prominenten Künstler zur Stellungnahme.

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Gidon Kremer hat seine Prominenz im freien Westen und darf seine Werthaltung publizieren – wenngleich die Medien den Appell „Mein Russland“, von Dresden beinahe totschweigen. Denn Kremer kritisiert nicht nur die Putin-Opponisten in Moskau, sondern durchaus den aufkommenden Militarismus insgesamt.

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Makarewitsch muss weitere persönliche Schwierigkeiten und Sanktionen erwarten:

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Abgeordnete wünschen Makarewitsch öffentlich die Pest an den Hals und wollen ihm die Auszeichnungen (höchste Künstlerorden des Landes) am liebsten aberkennen. Das Staatsfernsehen macht ihn zur Hauptperson einer Sendung über Landesverräter. Auf einer langen schwarzen Liste von Künstlern, Oppositionellen und Journalisten, die im Konflikt mit der Ukraine die Interessen Russlands verraten haben sollen, steht Makarewitsch auf dem ersten Platz – noch vor Aleksej Nawalny, dem bekanntesten Oppositionellen des Landes. Auf Platz acht findet sich der Name von Jurij Schewtschuk, dem anderen russischen Kultrocker.

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Ich sehe nicht, dass wir in Köln „Künstler für den Frieden“ oder „Künstler gegen Krieggeschäfte“ zur öffentlichen Artikulation wahrnehmen könnten.

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Meine Ausstellung „ZUGINSFELD“ – zur Ächtung des Krieges und der Gesellschaft, die den Krieg hervorbringt – war auf sehr viel Sympathie und Zustimmung gestoßen, d. h. ohne jegliche praktische Resonanz.

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