Dietmar Moews: Kulturindustrie aus Neue Sinnlichkeit 25

Lichtgeschwindigkeit 4840

am Montag, 1. September 2014

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Kulturindustrie. Das Wort Kulturindustrie hat mehrere Aspekte, die über das verständlich zusammengesetzte Hauptwort aus „Kultur“ und „Industrie“ hinausgehen.

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Wer das Wort Kulturindustrie sinnvoll verwenden und verstehen will, braucht Kenntnisse und Urteilskraft zu den verschiedenen Bedeutungsfeldern der Kultur und der Industrie, also der Kulturgeschichte und der Industriegeschichte.

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Ferner benötigt man Kenntnisse des Trends der prozessuralen Entwicklung der sozialen, materiellen, technischen Veränderungen, z. B. gehören zum Verständnis von „Industrie“ Wirkungskreise der Produktion, der Konsumtion, der Distribution und der Information.

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Ein Beispiel zu den Aspekten der verschiedenen Ausprägungen der menschlichen Produktion: Vormals gab es Handarbeit und Manufaktur mit Werkzeugen, später dann Industrie mit Kraft- und Werkzeugmaschinen, heute nennen wir „Industrie 4.0“, eine synergetische Kulturindustrie von Produktion / Distribution / Konsumtion / Kommunikation gleichzeitig, die computergesteuerte Produktionsautomaten eigenständig steuern kann – und zwar auf kurze Zeiträume profitorientiert.

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Zum Begriff „Kultur“ spare ich mir hier die Erklärung, denn es reicht der Hinweis, dass eine Begriffserklärung des zusammengesetzten Hauptwortes „Kultur“ und „Industrie“ bereits selbst Kultur ist. Und das Ergebnis des Kulturschaffens ist das so gesehen „gefestigte“, aber auch „flüchtige“, „Kulturgeschehen“.

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Wenn in der Kultur „Kunst“ entsteht, bleiben allerdings die „Kunstwerke“ als formgewordene Wertschätzung übrig, die aber mit ihrem Entstehen einen festen Zustand erhalten, während die Kultur und der Kulturbegriff sich weiterbewegen.

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Insbesondere wandelt sich das Urteils- und Wertschätzungsverhalten der Menschen in ihrer Kultur weiter, indem sie durch „Erinnern“ und Vergessen“ bzw. durch „nicht Lernen“ ehedem geschaffene Kunst nicht mehr erkennen oder nicht mehr wertschätzen.

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Z. B. wurden in Deutschland Kunst und Kultur derart verstaatlicht, dass es für alle Gewerke akademische, staatliche Professionals gibt, die aber infolge des ebenfalls staatlich festgesetzten Curriculums wesentliche Bestandteile der Kulturgeschichte nicht akademisch kennen lernen, wie z. B. die Malerei. Folglich fehlt in der staatlichen Kunstverwurstung der postmodernen Zeit das Personal, das diese Kunst der Malerei pflegen und der Gesellschaft angemessen bereitstellen würde.

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Die Anwendung des Begriffes „Kulturindustrie“ ist dann im Weiteren „Kultur“. Das Kulturgeschehen prägt außerdem durch jede Kulturhandlung eine neue Begriffsausprägung. Kurz: „Kultur“ ist eine „höhere, sozial geprägte Handlungs- und Lebensweise“, die allerdings unterschiedliche Höhen haben kann. Mancherlei Kulturhandeln hinterlässt Werke, wie die Malerei, oder die Schriftstellerei. Aber wer Worte in den Sand schreibt oder wer eine Ballettaufführung tanzt setzt andere physikalische und metaphysikalische Wirkungen ins ephemere Werk als Michelangelo mit dem Bau des Petersdoms.

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Kultur bedeutet nicht ständige Höherentwicklung der menschlichen Lebensweise, sondern es wirkt stets die soziale Bedarfslage der Menschen auf den Kulturprozess, ob höher, einfacher, atavistisch, folkloristisch, mehr sinnlich oder metaphysisch ausgerichtet.

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Wer Kultur verstehen will, hat auf die Seinsbindung und die sinnlichen Tatsachen zu blicken, statt mit Verurteilungen wie „Hochkultur“, Massenkultur“, „Unterhaltungskultur“, „Freizeitkultur“ „Wertverfall“ oder „Elitekultur“ herumzufuchteln.

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So weit bis hierher zur Erklärung, wie man den Begriff „Kultur“ in den Griff kriegt. In jedem Fall haben wir es, mit der Kultur und der Tatsache einer wie auch immer geprägten Kulturindustrie, mit sozialen Aktionen und Interaktionen und deren Folgen zu tun, zudem mit deren „sprachkulturellen“ Manifestationen, die ebenfalls potentiell ständigem Wandel unterliegen.

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Im Jahr 1994 begann ich mit meinem eigenen „Lexikon des Kunstwesens“, das ich in den Blättern Neue Sinnlichkeit, in loser Folge, schreibe und publiziere. Zum Schlagwort „Kulturindustrie“ habe ich mich bereits ganz am Anfang herbeigelassen, wie folgt:

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Kulturindustrie –  „Kultur“ ist eine „höhere, sozial geprägte Handlungs- und Lebensweise“, sie bezeichnet primär einen über ökonomische Aspekte einflussgewinnenden Wirkekreis innerhalb der „Organisation in der Produktion und Distribution von Kunst (OiPDK), wie allgemein für Industrialisierung, Massenproduktion, kapitalintensive Technologien, Kommerzialisierung und Massenkonsum typisch ist.

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Der Wirkkreis der Kulturindustrie ist sowohl für den totalen Kunstprozess wie für die OiPDK, die „organisierte Kunstförderung (OKF)“ und nicht für jeden einzelnen arbeitszeitintensiv handwerkelnden Künstler als Schlüsselproblematik anzusehen.

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Kollektivierung, Standardisierung, Mechanisierung und Unterdrückung persönlicher Freiheiten sind Folgen der Kulturindustrie für die Kunstproduktion. Die verändernde Dynamik hinsichtlich der visuellen Kultur und deren Organisation ist hinsichtlich Marktlage, Kunstkonsum und Preisentwicklung bedeutend.

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Die verschiedenen Organisationsebenen und Organisationsformen der OiPDK und der OKF sind auch infolge dieser ökonomischen Aspekte der Kulturindustrie gewachsen, zu denen Problemkreise Staat/Markt/Intermediäre/Privatsphäre oder For-Profilt/Non-Profit sowie deren arbeitsteiligen Mischformen gehören.

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Der Begriff Kulturindustrie ist laut Silbermann (1975) erstmalig im 19. Jahrhundert von Ruskin/Morris verwendet worden. Horkheimer/Adorno (1969) sowie Adorno (1973) sehen in der Kulturindustrie genannten Problematik die gesellschaftlich und kulturpolitisch totale, kapitalistische Systemübermacht. Silbermann (1974) sieht mögliche auf die Kulturindustrie zu beziehende Systemtransformationen als historische Prozesse, die von den soziologisch wirksamen Bedürfnissen der Menschen ausgehen und somit Kulturindustrie als gerufene Methode zur Bedürfnisbefriedigung an.

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Dietmar Moews meint: Die bedauerliche Tatsache, dass ich mir kein Gemälde des von mir hochgeschätzten Breugel kaufen kann, trifft man mit diversen anderen Beispielen im Prinzip überall, bis hin zum kostengünstigen Poster an der Wand mit dem Portrait von Doris Day, die sonst frei bliebe.

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Die Horkheimer/Adorno-Untergangsszenerie aus dem Fragment „Dialektik der Aufklärung“, mit der Kriegsparole „Kulturindustrie“ ist doppelt Mist. Einerseits ist das Buch selbst Kulturindustrie – (ich hätte es sicher nicht handschriftlich kopiert – es wurde kulturindustriell vervielfältigt). Und es ist auch in sofern Unfug, weil die defätistische Ansage von Horkheimer/Adorno im Zusammenhang mit der Kulturindustrie das Ende der Welt bedeute, blieb bis heute unvollendet, ebenso wie die Befreiungs-Revolution nach der marxistischen Methode der historischen Dialektik nicht kommt. Marx und Engels glaubten an die Selbstvernichtung des Kapitalismus in ihren Tagen, um 1860. Bis heute sehen wir die fröhlichen kostspieligen Improvisationspotenziale des „Molochs“. Und so ist es mit der Kulturindustrie des völlig überforderten Adorno und seiner Aufklärungsdialektik: Es ist Wichtigtuerei: Die Welt geht nicht vom Kapitalismus unter, sondern wenn, dann durch Wichtigtuer. Deshalb ist Adorno auch noch heute ein Stoff für Wichtigtuer.

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