Markus Rehm und der Fortschritt der Prothetik ist ein Segen

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am Mittwoch, 30. Juli 2014

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Weitspringer Markus Rehm wurde vom Deutschen Leichtathletik-Verband nicht für die EM nominiert. Rehm kann nicht ohne Prothese als Sportler der beiden, nach Geschlecht getrennten Altersklassen-Kategorien, männlich / weiblich zu regulären Wettkämpfen antreten: Rehm fehlt ein Schenkel.

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Körperbehinderte

Es gibt zwischen Leben und Tod Normalvorstellungen einer validen psycho-somatischen sozialen Lebensfähigkeit. Wer als Körperbehinderter von besonderen oder stärkeren körperlichen und /oder geistigen Einschränkungen betroffen ist, muss sich darauf einstellen. Man kann und soll für die Stärkung seiner Situation sozialpolitisch eintreten. Die Stärkung der Schwachen und die Zähmung der Starken steht in der Tradition unserer christlich-rationalistischen Kulturgeschichte. Sozialpolitik gehört unbedingt dazu.

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Sport und Verbandssport

Sport soll ja gesund sein, wenn man es nicht falsch macht oder übertreibt. Wer im gesatzten, verbandlich organisierten Sport in internationalen Verbänden mitmachen möchte, muss sich den Regeln dieser Sportarten, z. B. Wettkampfregeln unterordnen. Wer beim Blindenfußball eine Sehhilfe benutzen will (Augenprothese), darf nicht mitmachen. Wer als Fußballer Kontaktlinsen trägt, darf mitmachen. Wer als Weitspringer einfach nur weit springen will, kann im DLV nicht die Jahreswettbewerbe mitmachen, weil der Verbandsweitsprung als ein Zielweitsprung aus einer Absprungzone gemessen wird und nicht die Sprungweite von einem beliebigen Absprung, so weit man kommt. Kurzstreckensprint auf der Bahn, mit Prothese, kann gehen, ist nach den Regeln nicht zulässig. Mittelstreckenlauf macht die Laufprothese für die Mitläufer gefährlich. Man kann diese Beispiele auf alle Verbandssportarten ausweiten. Will man mitmachen, muss man immer die Regeln und die Schiedsgerichte akzeptieren.

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Prothetik

Ich möchte das gesamte Werk aller Hilfsmittelbauer und Prothetikentwickler und Prothetikerfinder sowie das gesamte Wohlfahrtsthema zunächst loben. Es ist wie in der Kunst: Wirklich geniale Entwickler, oft selbst betroffene Behinderte, arbeiten freiwillig und sind inspiriert. Wenn einem Behinderten eine Erleichterung geschaffen werden kann, dann ist das Lob und Dank – Bezahlung ist, wie in Platons Staat, eine andere Kunst: eben Marketing und das Rechnungen Schreiben.

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Markus Rehm fehlt im Jahre 2014 der rechte Unterschenkel. Er ist zum Glück wohlhabend und lebt in einem wohlständigen Gemeinwesen. Ihm wären im Jahr 1914 andere Bedingungen gestellt gewesen, im Jahr 1814 ist von Amputierten wenig berichtet, Missgeburten der Goethezeit konnten im Lebenskampf sozial abgefedert werden – beim Maler Breugel, im 15. Jahrhundert, werden Krüppel abgebildet, die waren arm und starben früh.

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Die Prothetik hat sich in jedweden Anforderungsprofilen – organische Schwächen, Organersatz, Gliedmaßen, Sinnesbeschränkungen, Altersschwächen – außergewöhnlich weiterentwickeln lassen.

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Forschung, Materialien, neue Fertigungstechniken, Ernährungskunde – bessere Schulungen und Übungswissenschaften – und die Kostenlösungen im Sozialstaat, Alles ist zur Verbesserung und Erleichterung des Lebens im Schwang und zudem gesellschaftlich anerkannt und politisch gewünscht.

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Behindertensport

Jegliche Behinderung schränkt die soziale Dynamik eines Menschen ein. So entstehen mit Behinderungen Entfaltungs- und Lernerschwernisse. Wer sich als Behinderter für seine Möglichkeiten sportlich betätigen kann, sollte das tun können. Sport hat die individuelle und die soziale Perspektive. Je nachdem, welche Sportart ein Behinderter ausüben möchte, muss er dafür Möglichkeiten finden, die er allerdings nur begrenzt auf seine Bedürfnisse einstellen kann.

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Wer als Behinderter Erfahrungen im Sport macht, erwirbt sich nebenbei Urteilskraft und Legitimation für Behindertensport-Politik. Und da sollte er mitreden und seine Erlebnisse einbringen.

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Deutschland / Fechten, DMW 587.x.2, Seiden-Applikation

Deutschland / Fechten, DMW 587.x.2, Seiden-Applikation

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Dietmar Moews meint: Im heutigen Verbandssport werden zahlreiche Kategorien, Klassen – nach Alter, Gewicht, Geschlecht usw., eigene Finanzkraft übrigens bleibt unbeachtet – in überwiegend internationalen Amateursport-Wettkampfregeln gesatzt.

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Wenn man davon ausgeht, dass Amateursportler ihren Sport freiwillig ausüben, dazu unter anderem Sportgemeinschaften, Vereine oder Clubs beleben oder mit anderen zusammen sogar selbst gründen, braucht man dafür keine weitere Legitimation.

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In der konkreten Frage des Weitspringers Rehm liegt es nahe, dass er einer speziellen Kategorie angehört – mit seiner Karbon-Unterschenkel-Laufprothese. Das bedeutet, der Prothesenträger kann nach den Regeln im Leistungssport mit geregeltem Doping, nur diejenigen Hilfen benutzen, die diesen Regeln entsprechen. Die Leichtathleten-Satzungen sind leider nicht auf der Höhe der technischen Sportprothetik und drehen sich im Kreis der Regel: was nicht verboten ist, ist erlaubt und, was nicht erlaubt ist, ist verboten.

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Sportsoziologie

Als Sportsoziologe möchte ich vorschlagen, den Prothesen-Weitspringer einfach über die normale Qualifikation seiner Spring-Leistungen mitmachen zu lassen.

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Nur in der Endkampfwertung hat er seine eigene Kategorie. Wenn beispielsweise ein Prothesen-Weitspringer im Endkampf als bester Prothesenspringer die insgesamt viertbeste Weite erreicht, dann ist er der Sieger der Prothesenspringer, während es dazu einen Vierten der Zweibeinigen im Wettbewerb gibt, der nach den erzielten Springweiten, hinter dem Prothesensportler, gemäß seiner Weite auf dem fünften Platz gelandet ist. Bei der Siegerehrung steht der Prothesenspringer mit dem anderen Sieger und beiden Nationalhymnen oben auf dem Treppchen und beide bekommen eine Goldmedaille. Alle würden sich freuen können.

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Der Prothesenweitspringer sollte also voll mitmachen dürfen. Das Publikum – zum großen Teil ebenfalls Amateursportler – wird seine Leistungen mit Respekt und Freundschaft anerkennen. Für das Unterhaltungs-Eventpublikum wären Prothesensportler durchaus auch im Vergleich interessant mitzuerleben, interessanter als wenn Behinderte abgesondert eigene „Spiele“ vermarkten.

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Sofern der Prothesensportler in den Erwerbs- und Unterhaltungssport sich begeben will, muss er die von den Veranstaltern vorgegebenen Regeln akzeptieren.

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Es besteht ein Zusammenhang zwischen der gesellschaftliche Anerkennung und den sportlichen Leistungen. Diese Wertzuweisung aus Beachtung und Anerkennung kann die weitere Fortschrittsarbeit an Hilfsmitteln und Prothetik nur fördern und damit die Gesamtsituation für Behinderte erleichtern.

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Aus diesem möglichen Aufwertungs-Zusammenhang heraus, lehne ich die sogenannten Paralympics als Apartheids-Sportfest ab. Es könnten die Behinderten gut bei den normalen Olympischen Wettkämpfen mitmachen. 

Verwertungsbedenken der Geschäftemacher mit Massenmedien und -werbung im Spitzensport sollten das Herz der Sportler wirken lassen, lieber die Sportler entscheiden lassen, anstatt nach eigenen Quotenaspekten den Sport und die Wettkampfregeln zuzuschneiden.

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Bei weltweiter Übertragung von Olympischen Spielen in TV-Vermarktungs-Verträgen kann man getrost 24 Stunden täglich Wettkämpfe abhalten – irgendwo ist immer Fernsehzeit, irgendwo immer Morgen, Abend oder Nacht.

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Ich bin für die Integration der Paralympics in die Olympics und Abschaffung des Namens „Paralympics“ – Sport ist Sport, Mensch ist Mensch, Sportler ist Sportler, meint Doktor Moews, der selbst Sportler ist.

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