Karl-Heinz Deschner 1924 – 2014 – Kurznachruf

Lichtgeschwindigkeit 4292

am 11. April 2014

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Karl-Heinz Deschner einer der wichtigsten Kritiker des Christentums in der modernen Zeit ist am Dienstag in Haßfurt / Unterfranken gestorben.

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Deschners Hauptwerk „Kriminalgeschichte des Christentums“, dessen zehnter und abschließender Band vor einem Jahr erschien, umfasst rund 6.000 Druckseiten und reicht vom 14. „vorchristlichen Jahrhundert bis zum Niedergang des Papsttums im 18. Jahrhundert“.

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In den befreundeten Künstlerkreisen des Malers und Soziologen Dietmar Moews (geboren 1950) gab und gibt es keinen, die nicht die Hauptargumente Karl-Heinz Deschners gegen das Christentum und die Kirchen, gegen Dogmen und Diktatur, kannten und in das eigene Argumentationsbild in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen anwendeten. Das sind überwiegend protestantische bzw. nichtgläubige Abendländer, weniger Katholiken.

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Beachtenswert ist auch Deschners Beitrag zur Kunstdiskussion, eine äußerst sachlich-empirische Kritik von Kitsch als ein basisdemokratisch legitimes ästhetisches Form-Inhaltsspiel.

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Deschner wurde bereits 1951 vom Bischof von Würzburg, Julius Döpfner, exkommuniziert, als er noch keinerlei christentumkritische Texte veröffentlicht hatte. Aber er hatte eine bereits einmal geschiedene Frau geheiratet. Deschner (geboren 1924) entspringt einer katholischen Familie in Bamberg.

Er wollte fortan keine Kompromisse eingehen und sagte: „Ich schreibe aus Feindschaft.“ Sein Feindbild waren nicht die Christen. Es war das Christentum, der organisierte und institutionalisierte Glaube, wie er von den Kirchen in Deutschland als Moralunternehmen bewirtschaftet wird.

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Deschner betrieb keine auslegende oder interpretierende Glaubenswissenschaft oder überhaupt nicht metaphysische Religionskritik, keine Christologie oder Leben-Jesus-Forschung. Er studierte auch nicht alte Quellen und deren Gültigkeit. Deschner nutzte, was ihm die einschlägige Forschung vorlegte – er kompilierte und suchte dazu empirische Geschichtstatsachen auf. Deschner widmete sich dabei einseitig den schlimmen Seiten der Kirchenvertreter, denn die gaben den Fraglichkeiten das entscheidende Gepräge von rücksichtsloser Herrschaft, Angst und Obrigkeitswesen im Namen des Christentums.

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Deschner thematisierte die unheilvolle Dreifaltigkeit Diktatur, Dogma, Demut, Kreuzzüge, Kriege und andere Verbrechen gegen Gläubige, Andersgläubige, Nichtgläubige, sofern diese nur dem universalen und totalen Machtanspruch der kirchlichen Klüngelherrschaft im Wege waren.

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Deschners Bücher wurden nicht zuletzt überhaupt nur dank privater Förderer veröffentlicht. Sie lagen quer zu der kirchengefälligen Meinungslandschaft bigotter Christlichkeit in der Bonner Republik. Karl-Heinz Deschner stand wegen Kirchenbeschimpfung vor Gericht. Das Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

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Karl-Heinz Deschner hat seine Lebenskraft der religionsorientierten Textgläubigkeit gewidmet und uns die schwärzesten Verbrechen gezeigt, die alle, die mit den Kirchen ihre Geschäfte machen als Teil ihrer Lebenskunst verstehen. Deschner ist fast neunzig Jahre alt geworden. Zwischen schwärzesten Verbrechen und Lebenskunst liegen unfassbare Lebenskünste.

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In den deutschen Massenmedien war der Tod von Karl-Heinz Deschner kein Nachrichten-Informationswert beigelegt. So bigott wie die Bonner Republik ist die Berliner mit Links. Kennt die Kanzlerin Merkel den Respekt, den sie Uli Hoeneß aussprach, bei Karl-Heinz Deschner etwa nicht wieder?

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Vielen Dank für das Interesse – und weiterhin viel Spaß

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