Uli Hoeneß – Kampfmoral und Unmoral eines Steuerkriminellen 8

Lichtgeschwindigkeit 4222

am 18. März 2014

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Die Strafverfolgung des prominenten Steuerkriminellen Uli Hoeneß ist mit dem Verzicht der Parteien auf Einsprüche rechtsgültig.

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Zwar liegt die schriftliche Urteilsbegründung bislang nicht vor (kommt innerhalb von fünf Wochen nach Verkündigung). Doch sind die im Prozess bekanntgewordenen steuermindernden Verlustvorträge von Hoeneß, die er gleichzeitig mit unversteuerten Schwarzgewinnen auf dem Schweizer Konto betrügerisch erwirkt hatte, weder in der Anklageschrift noch im Urteil hinreichend geklärt und gewichtet worden.

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Hoeneß hatte auf ein bei einer deutschen Bank für Aktien- bzw. Devisen-Spekulationsgeschäften parallel zu den Schwarzkonten geführten offiziellen Konto, einen legalen Schein für seine Spekulationsaktivitäten betrügerisch erzeugt. Diese Konstruktion betreffs betrügerischer Zielgeschäfte wurde mit der Herstatt-Bankpleite im Jahr 1974 und dem Betrüger Dany Dattel „klassisch“.

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Die Süddeutsche Zeitung fordert heute, nunmehr den gestürzten Uli Hoeneß zufrieden zu lassen, um seine Resozialisation zu fördern.

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Der Berliner Tagesspiegel hat heute Vorstellungen über „Bandenkriminalität“ von Hoeneß und FC Bayern München dargestellt, mit dem Hauptargument, dass ein derart „großes Rad“ der Spekulationen, wie die bis heute bekannten Umsätze auf Hoeneß Schweizer Schwarzkonten verzeichnet sind, jedenfalls nicht derart gelaufen sein können, wie es das Münchner Landgericht abschließend ungeklärt stehen ließ.

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Das „Herstatt-Dattel-Betrugs-Modell“

Das Betrugsmodell von Dany Dattel bei Herstatt war ganz einfach und hatte mehrere Stufen. Uli Hoeneß hat dieses Konzept in seinen Schwarzgeschäften nachempfunden:

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Man erzeugt in seinem offiziellen Handel Verluste, die als Gewinnminderung mit steuerminimierende Wirkung der Steuerbehörde vorgelegt werden. Gleichzeitig macht man „schwarz“ Gewinne, die unversteuert bleiben.

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Der Kick liegt darin, dass es sich bei diesen Kauf-und Verkaufsorders um Zielgeschäfte handelt, die zunächst nur per Telefon akquiriert werden. Wenn dann das Terminziel erreicht wird und entweder Gewinne oder Verluste der Kurse feststehen, werden diese Geschäfte schriftlich fixiert. Gewinngeschäfte landen im Schwarzkonto, Verluste werden steuerrelevant auf einem offiziellen Konto gebucht.

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Zitat aus Herstatt-Pleite bei Wikipedia, 18. März 2014

…Als Gewinnpotenzial identifizierte man die aus der Freigabe der Wechselkurse am 10. Mai 1971[11] resultierenden Devisenkurse, die nicht mehr innerhalb von relativ engen Wechselkursbandbreiten schwankten, sondern von Zentralbanken fast vollständig der Marktentwicklung überlassen wurden. Da das Kundengeschäft hierfür nicht ausreichte, wurde der Devisenhandel überwiegend als Eigenhandel betrieben. Auch andere Banken hatten weltweit hierin Gewinnmöglichkeiten erblickt. Entscheidend war bei der Devisenspekulation die Einschätzung der künftigen Kursentwicklung des US-Dollar und anderer wichtiger Währungen.

Die Ära der frei schwankenden Wechselkurse („Floating“) beginnt. Dadurch verstärken sich die Devisen-Spekulationen weltweit, der Eigenhandel in Devisen (also nicht kundengetriebenes Geschäft) wird zum Kernstück des Herstatt-Bankgeschäfts. Auch viele andere deutsche und internationale Banken entdecken das offensichtlich lukrative Geschäft. Bei Herstatt sind für diese Geschäfte die sogenannten „Goldjungs“ zuständig: sechs erst knapp über 20 Jahre alte Devisenhändler. Die Abteilung leitet Dany Dattel. Die Devisenabteilung arbeitet weitgehend ohne Kontrolle, was durch die vergleichsweise geringen aufsichtsrechtlichen Vorschriften begünstigt wird, und mit wenig Kontakt zu den anderen Geschäftsbereichen.

Die Goldjungs dürfen nur bis zu zehn Millionen Dollar Devisen pro Person/Tag kaufen. Jedoch umgehen sie diese Begrenzung durch andere Mitarbeiter der Bank, die als Strohmänner fungieren. Da diese Mitarbeiter als Privatpersonen nicht termingeschäftsfähig waren, traf sie keine Erfüllungspflicht. Diese Geschäfte fielen damit im Verlustfall letztlich auf die Bank zurück. …“

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Im Herstatt-Dattel-Komplex spielte das notwendig umfangreiche „Betriebskapital“, das die Betrüger von der Herstatt-Bonität beziehen konnten.

Herauskam diese Plünderung der Herstatt-Bank so: Nachdem im Tresor kein Geld mehr zu finden war, fiel auf, dass im Kassenbuch Guthaben stand. Die Buchhaltung und der Chefrevisor, der das bei Herstatt zu überwachen hatte, hatten die Zahlen gefälscht. Während die Verluste wuchsen, standen gute Zahlen in den Büchern.

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Hier liegen die Fragen im Fall der Steuerkriminalität Hoeneß: Hoeneß verfügte nicht über eine Herstatt-Bank, die er hätte plündern können. Hoeneß drehte aber ebenfalls ein riesiges Geldrad, wenn er in der angeblichen Weise Devisen-Zielgeschäfte gemacht haben will. Denn beim Devisengeschäft geht es um ganz kleine kurzfristige Kursschwankungen – mit zweistelligen Millionen-Käufen lassen sich nicht dreistelligen Gewinne erzeugen.

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Woher stammt also das „Betriebskapital“ der Uli Hoeneß Schwarzgeschäfte? Das Howe-Würstchen-Geschäft wirft diese Summen nicht ab. Allein, privat, konnte Uli Hoeneß das Rad nicht drehen. Wer sind die Hintermänner? Banken? Fußball-Konnektion? Bestechungstransfers?

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Das Landgericht München und der Bayerische Rechtsstaat haben den Fall Hoeneß abgeschlossen, ohne die auf dem Tisch liegenden Fragen zu klären.

Liegt dafür ein besseres Hintergrundwissen vor?

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Fortsetzung folgt

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