Sotschi Olympia-Gold für deutsche Skispringer-Mannschaft

Lichtgeschwindigkeit 4138

c. Dietmar Moews 2014

Snowboard halfpipe auf der Flagge von Italien

Snowboard halfpipe auf der Flagge von Italien

 

Goldmedaille für die deutschen Skispringer zum Abschluss ihrer Pflichtauftritte bei Olympia. Die Deutschen haben sich mit der Schanze in Krasnaja Poljana versöhnt. Im Mannschaftswettbewerb sicherte sich die Formation von Bundestrainer Werner Schuster die strahlendste aller möglichen Medaillen: Gold.

Der Sport-und Unterhaltungs-Fernsehzuschauer wird stets mit unvermittelten Dummheiten besendet, indem die alpinen, nordischen und die neueingeführten Wintersportarten des IOC mit Kommentaren versehen werden, als seien es Hallenwettkämpfe. Man redet bei Wind und Wetter über irreguläre Wettkampfbedingungen, Ungerechtigkeit, Wettbewerbsverzerrung, wenn das Eis während des Wettkampfes weicher wird, der Skispringer Seiten- oder Rückenwind bekommt, die Piste Eis- und Schlaglöcher bekommt, oder wenn Katarina Witt mit botoxartigen Albernheiten abseits jeder Selbstkontrolle vor der Kamera in Ekstase fällt, während Gerhard Delling den Günter Netzer mimt. Ich rufe die deutschen Staatsfernsehen-Programmverantwortlichen auf, Sport zu übertragen und nicht jedes Sendethema den schwachmatischen Grundmustern von seichten Unterhaltungs-Gags zu unterziehen.
Es ist für intelligentere Menschen, die sich für Themen am Fernsehen interessieren, schwer einsehbar, dass die Fernsehmacher mit dummen Ausreden davon kommen, wenn Sie ihre schwache Qualitätsarbeit mit der angeblichen Konsumentenmajorität (sprich: Einschaltquote) begründen.

Qualitätsfernsehen ist immer Nischenfernsehen. Denn, egal welches Metier, welche Adepten, welche Veranstaltung – stets befinden sich diejenigen, die in einem Fach qualitativ Ausübende, Kenner oder Forscher sind, als potentielle quantitative Konsumentengruppe immer IMMER!! in der Minderheit. Das an Qualität interessierte Publikum steht immer einer eher laienhaften, oberflächlich oder als Seiteneffekt interessierten (bei der ständigen Partnersuche z.B. – egal was gesendet wird) Mehrheit gegenüber.

Es darf nicht als allgemeingeltende Begründung und Legitimationsmuster durchgehen, wenn die Programmmacher ihre Quotengeilheit mit Majorität/Minorität-Schielen durchsetzen.

Skispringen auf der Flagge von Bosnien

Skispringen auf der Flagge von Bosnien

Mit der Mannschafts-Goldmedaille im Skispringen ist nach vorangegangenen Enttäuschungen bei diesen Winterspielen die vom Deutschen Skiverband (DSV) angestrebte Schadensbegrenzung bestmöglich gelungen – sie ist nun überhaupt kein Thema mehr. Das Quartett Andreas Wank, Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund setzte sich am späten Montagabend unter Flutlicht vor Österreich und Japan durch.

Zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele von Sotschi bot das Gastgeberland eine multimediale Show, die der Darstellung der russischen Geschichte dienen sollte.

Es gelang dem Veranstalter, zu unterschlagen, dass der Veranstaltungsort Sotschi ehedem die Hauptstadt Tscherkessiens war, wovon seit dem Jahr 2003 eine weiter südlich, Richtung Georgien, gelegene, sogenannte russische Republik “Karatschai-Tscherkessien” übrig gelassen worden ist. Das wurde in dieser russischen IOC-Geschichts-Show versenkt, als gäbe es Olympiageschichte zum Weichspülen. Dank dem Russen Wladimir Putin und dem deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach wird Geschichte erlogen. Der deutsche Staatsfunk – egal, ob ARD oder ZDF – sendet es anstandslos.

Der 21. Mai 1864 gilt offiziell als Ende der russisch-kaukasischen Kriege, das Datum, bis zu dem auch die Tscherkessen und Abschasen bezwungen werden konnten. Die letzten, vernichtenden Gefechte wurde im Gebiet oberhalb der heutigen Stadt Sotschi ausgetragen. Der – insbesondere von vielen Tscherkessen als solcher angesehene – Genozid an ihrem Volk findet hier zum russischen IOC-Olympia 2014 allerdings keinerlei Würdigung oder Gedenken. Doch nach wie vor betrachten viele Tscherkessen Sotschi als ihre letzte historische Hauptstadt betrachtet. Dort tagte ihre zentrale Versammlung, der Madschlis, 1864 letztmalig.

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