Piraten Typologie

Typologie der Piraten

 

Kurzanleitung: Typologien sind hier struktural-funktionelle Merkmalszuordnungen zu sozialen Rollen, die auf speziell strukturale Arbeitsfelder bezogen werden. Dadurch kann Aufschluss über soziale Aktivitäten wie Erklärungsnormen, Verhaltensnormen und zu erwartendes Rollenverhalten der Typen erkannt, verstanden, prognostiziert und hinsichtlich gewünschter Funktionen organisiert werden.

 

Mitglieder einer politischen Partei, wie die Piraten, sind zunächst sämtlich als Freizeitpolitiker zu verstehen. Die Partei wird ehrenamtlich amateuristisch aufgebaut und organisiert. Typen können auf vielerlei hin erfasst und in Kohorten geordnet werden, z. B. nach Alter, nach Geschlecht, nach Bildung, nach Einkommen, Nationalität, Religion, nach Berufen oder digital native/digital immigrant u. v. a. wie hier Berufststatus.

 

Folgende Typologie sucht ökonomische Kraft und für die Partei verfügbare Zeit der Piraten zu erfassen, weil hiervon Zielorientierungen und Art, Umfang und Nachhaltigkeit der Individuen in ihrem parteipolitischen Engagement materiell strukturiert werden.

 

Hier geht es um zwei Hauptgruppen mit einer Anzahl von Einzeltypen, deren Merkmale eindeutig und verschieden sind:  – einerseits die selbst auskömmlich erwerbstätigen Piraten,  – andererseits die auskömmlich subventionierten Empfänger ihres Lebensunterhalts.

 

Piraten-Typologie

Ohne Rangfolge von den auskömmlich Lebenden, die oft sehr gebunden sind, hin zu den schlechtversorgten, die oft über mehr freie Zeit verfügen.

 

Typ A

Erwerbsmäßige Dienstklasse (Beamte, Angestellte nach öffentlichem Recht und in Verwaltungen, Militär, Schuldienst, Kirchen, repräsentativ-parlamentarischer Apparat, im Bereich der intermediären Organisationen (NGO wie Stiftungen, Vereinsleitung, Parteien, Gewerkschaften, Verbände, Lobbyisten u. a.))

 

Typ B

Marktwirtschaftlich Erwerbtreibende als Unternehmer

 

Typ C

Kapitalisten mit auskömmlichem Kapitalertrag aus Geldvermögen, Land- und Immobilieneigentum u.a.

 

Typ D

Altersruheständler mit auskömmlicher Pension oder Rente

 

Typ E

Von Familie oder Gruppeneinbindung auskömmlich getragene Mitglieder

 

Typ F

Kinder oder Schutzbefohlene von Versorgern

 

Typ G

Studenten, Schüler und Auszubildende mit gesetzlich vorgehaltenem Auskommen

 

Typ H

Gesetzliche Arbeitslose, Hartz IV-Empfänger und Empfänger staatlicher Mindestversorgung

 

Typ I

Kleinstunternehmer, Free Lancer, Gelegenheits- oder Tagelöhner, Naturalien- und Schwarzwirtschafter

 

Typ J

Unversorgte, nichtauskömmlich lebende Arme und Informelle

 

Die Anwendung der Typologie auf die konkreten einzelnen Mitglieder der Piratenpartei erfordert eine exakte sachliche Erfassung der empirischen Wirklichkeit. Dann wird erkennbar, welche mehr oder weniger offen agierenden Majoritäts- bzw. Minoritätsgruppen in der Piratenpartei bestehen. Daraus erschließt sich, welche Möglichkeiten des Engagements, geführt und gefühlt werden müssen, welche ökonomische Kraft von jedem einzelnen Pirat eingebracht werden kann und wieviel Zeit der einzelne Pirat in seine Parteiarbeit einbringen kann.

 

Die Wirklichkeit zeigt, dass wir mit statistischen, also quantitaiven Befunden wenig bis nichts erkennen können. Denn beinahe jeder Typus, A- J, kann wohlhabend oder arm sein, wenig oder kein Geld, über wenig oder begrenzt oder flexible großzügige Zeit verfügen. Und insbesondere finden wir in der Lebenswirklichkeit der Piraten überwiegend Typen, die typologisch zu mehreren Merkmalsgruppen gehören, zum Beispiel wie Beamter (Typ A) und Kapitalist (Typ C) und Familiengestützter (Typ E), oder wie Kleinstunternehmer (Typ I), Armer (Typ J) und Familiengestützer (Typ E) zugleich.

 

Noch beachtlich ist, dass nach gruppen- und organisationssoziologischen Erfahrungen die Mitgliedschaft des Individuums in der Partei in der Regel nicht den Parteizweck vorrangig verfolgt. Während die Parteiziele bekannt und gesetzt sind, zielen Mitgliedschaft und Engagement in der Piratenpartei auf diverse inner- und außenorganisatorische Seitennutzen und Exklusivgüter der sozialen Aktionsfelder. Das bedeutet in jedem Fall, dass ein Typus stets situationsspezifisch und optional unkonstant tätig, untätig oder indifferent ist. Das betrifft sein Multirollenspiel, seine diskreten und offenen Rollenwechsel, Aktivkraft und Aktivitätsrichtungen.

 

All diese typologischen funktionalen Qualitäten Typ A – J unterscheiden sich vollkommen von den Erwartungen an professionelles rollenspezifisches Parteipersonal.

 

Nähere Betrachtung der Piraten-Typologie

 

Die verschiedenen Piraten-Typen A bis J sind noch näher beschreibbar, was ich im Folgenden versuche. Gefragt sind ganz eigentlich Aktionsrichtungen, Aktivitätskräfte, Verlässlichkeit sowie die wirtschaftlichen Spielräume und die Verfügbarkeit der eigenen Zeit in und für die Parteimitgliedschaft aktiv sein zu können. Es reicht von Auskömmlichkeit zu Nichtauskömmlichkeit und von zeitlicher Eigenverfügbarkeit zu zeitlicher Begrenztheit und Fremdbestimmung.

 

In der Soziologie ist allgemein und speziell bekannt, dass sich soziale Verhaltensweisen als Rollen beschreiben lassen. Wobei heute allgemein angenommen wird, dass jeder Mensch zahlreiche diverse Rollen im empirischen sozialen Multirollenspiel ausüben kann, dass oft auch ein Rollenbewusstsein und ein Rollenselbstbewusstsein gegeben ist, dass aber auch oft dieses Bewusstsein fehlt, falsch oder lückenhaft ist. Hinzu kommen situativ bedingte Rolleninkonstanz sowie offene und diskrete Rollenwechsel, die je nach Motivationsstärke und Motivationsrichtung das Individuum mehr oder weniger verlässlich oder unverlässlich handeln und interagieren lässt.

 

Typ A

 

Piraten des Typs A, außer solchen, die als „Dienstklasse“ Erwerbsarbeit bei der Piratenpartei verrichten, sind sowohl auskömmlich versorgt, sind hinsichtlich ihrer Arbeitszeit, Arbeitsdauer sowie Freizeit und Urlaub prinzipiell gemäß ihrem Dienstvertrag verpflichtet und nicht selbstbestimmt. Oft gibt es für Dienstklasse-Piraten Typ A auch Loyalitätspflichten, Diskretionspflichten und eingeschränkte allgemeine Bürgerrechte, also Verdingungen durch das Dienstverhältnis, die eine selbstbestimmte Entfaltung eines Piraten, vom ehrenamtlich-amateuristischen hin zu höheren Ehrenämtern in der Piratenpartei oder im professionellen Management der Partei, schwierig, jedenfalls nicht frei verfügbar.

Es ist davon auszugehen, dass Typ A-Piraten materiell gesichert sind und auskömmlichen Erwerb sicher haben.

Wie weit Typ A-Piraten ihre beruflichen Fähigkeiten und sozialen Potenziale bereit sind, in den Dienst der Piratenpartei oder in den der Mitpiraten zu stellen, kann nur szenarisch-situativ erkannt werden. Alle Typen orientieren sich vorwiegend hin zu Bessergestellten und Peers.

Parteipolitik ist Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit. Typ-A-Piraten haben meist sehr besondere Verwertungsbedenken hinsichtlich ihres persönlichen öffentlichen Auftretens, mit Rücksichtnahme auf die dienstlichen Verdingungen.

Berufsspezifisch gibt es innerhalb der Dienstklasse weitere erhebliche Unterschiede. Während Soldaten oder Polizisten teils Geheimnisträger sind, müssen Lehrer eine gewisse Überparteilichkeit ausüben, bei Kirchendienern wird Politik meist auf moralische Themen hin öffentlich vertreten, während heikle Themen und Sachverhalte wie Krieg Heuchelei, Enthaltsamkeit und Unverbindlichkeit nahelegen. Gewerkschaftsfunktionäre müssen den sozialpolitischen Programmen ihrer jeweiligen Gewerkschaft beipflichten und gelegentlich auf Kritik verzichten. Mitglieder sonstiger Vereine, Mitglieder von Vereinsgeschäftsführungen oder von Vereinsvorständen müssen teils öffentlich, teils innerorganisatorisch Besonderheiten vertreten, die den allgemeinen Erfordernissen der Parteisatzung nicht immer entsprechen. Z. B. wenn in der Medienpolitik der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten der Erwerbs-Fußballsport bevorzugt wird, dafür beinahe sämtliche anderen Breiten- und Volkssportarten benachteiligt werden.

 

Typ B

 

Piraten des Typs B sind entweder Angestellte oder Manager in größeren oder sogar bürokratistischen Unternehmen. Oder sie sind selbständig als Einzelkaufleute oder -produzenten Vollhafter oder als Gesellschafter der verschiedenen in Deutschland gebräuchlichen Rechtsformen. In jedem Fall unterliegen alle Piraten des Typs B den betriebswirtschaftlichen, fiskalisch bedingten Anforderungen ihres Unternehmens. Marktwirtschaftliches Erwerbsleben bedeutet stets hohe zeitliche Bindung sowie oft großes materielles Risiko. Entsprechend sind Typ B-Piraten möglicherweise pekuniär gut versorgt, auskömmlich oder auch arm und in wirtschaftlicher Not. Entsprechend ist davon abhängig, wie viel und wie frei disponibel Zeit für die Mitwirkung als Pirat in der Piratenpartei und in der Öffentlichkeit erwartet werden kann.

Auch die Begehrlichkeit auf Niesbrauch aller erdenklichen Nebennutzen, außer den Parteizwecken und – zielen, ist situativ dispositiv. Der Typ B stellt seine eigenen berufsfachlichen und sozio-kulturellen Potenziale nicht unbedingt in den Dienst der Piratenpartei oder derjenigen der anderen Piraten. Piraten des Typs B gehören häufig weiteren Piratentypen an und sind zudem oft in mehreren anderen Vereinen aktiv.

Ein Unternehmer hat in der Regel vielfache Kosten, verglichen mit Arbeitnehmern, nämlich, Arbeitskraft- und Produktionsausfall, Substitutskosten, Kommunikationsausfall, eigene Freizeit- und Urlaubskosten, wenn er sich für seine Parteimitarbeit freizügig engagieren will. Andererseits kann ein Unternehmer willkürlich und spontan, auch während seiner Erwerbsarbeit, Piratenkommunikation und sonstige Piratenaktivitäten wahrnehmen, ohne dafür von Dritten gemaßregelt zu werden.

Öffentliche Kommunikation und Akquisitionsziele zu Zwecken der Piraten lassen sich für den Typ B in diversen Perspektiven seinen eigenen Zielsystemorientierungen als Nebennutzen integrieren.

 

Typ C

 

Als seltener Typ in der Piratenpartei ist der Typ C anzusehen – der Kapitalist. Dieser Typ lebt vom reichlichen Kapitalertrag, über den er bestimmen kann. Der Typ C kann sich in seinem öffentlichen Auftreten, in seinen sozialen Tradition, Abhängigkeiten und Veränderlichkeiten alles Mögliche leisten. Er kann seine möglichen Verdingungen offen aussprechen oder geheimhalten, vertuschen oder beliebig auslegen, während seine verfügbare Zeit ganz auf seine eigenen Ambitionen in der Partei und in der Politik in weitgehend zwangfreien Spielarten ausgerichtet werden können – freier als jeder andere Piraten-Typ. Auch hier spielen Nebennutzen, Prestige und Exklusivgüter in und durch die Partei eine bedenkliche Rolle.

 

Typ D

 

Mit dem Piraten-Typ D – also Altersruheständler – sind ökonomisch, hinsichtlich der verfügbaren Zeit und kommunikativ wiederum besondere und eher seltene Typen beschrieben. Typ D-Piraten sind wirtschaftlich relativ gesichert und dadurch unabhängig. Sie verfolgen die individuellen Motive des Alters, öffentliche und familiäres Prestige, Sesshaftigkeit, soziale Sicherheit, Macht, Ideale, aber weniger solche der heraufkommenden Generationen, wie Ausbildung, Berufskarriere, Mobilität, Partnersuche, Genealogie.

Hinsichtlich der ehrenamtlichen Parteimitgliedschaft finden sich unter Typ D durchaus Piraten mit praktischer politischer Erfahrung in der Vereins- und Vorstandsarbeit anderer Vereinigungen oder Parteien, als Funktionär, als Bürokrat, als „alter Hase“, als „Parteisoldat“, als „Klugscheißer“ oder als Multifunktionär.

Altersbedingt sind Piraten des Typs D nicht in jeder Beziehung voll oder hoch belastbar. Oft gibt es altersbedingte gesundheitliche Beschränkungen.

Altersarme Piraten sind häufig sehr aktiv und in den ehrenamtlichen lokalen Parteiaktivitäten sehr engagiert, während für sie Reiseumstände schwieriger sind. Als Digital Immigrants sind Typ D-Piraten möglicherweise hilfsbedürftig, aber auch aus den Berufsfeldern der Informationstechnologie und -wirtschaft kommend hilfsbereit und erfahrene Ratgeber.

Es gibt zahlreiche Piraten Typ D, die an den sozio-kulturellen Gemeinschaftsunterfangen und den lokalpolitischen Anliegen aus Geselligkeit teilnehmen, andere als Ratgeber mit weitgehend gültiger nützlicher Lebenserfahrung.

 

Typ E

 

Familiengebundene und -getragene Piraten kommen in der Piratenpartei teils als Erziehende mit Nachwuchs wie auch als selbst eher diskret gehaltene Privatleute vor.

Sie verfügen oft über wenig Taschengeld oder Finanzkraft, leben aber auskömmlich. Dafür ist ihre zeitliche Verfügbarkeit oft nicht konstant, weil ihre Familienbindung mit spontanen Pflichterfüllungen und Substitutstätigkeiten belegt werden kann. Ihre sozialpsychologische

Schwäche besteht in prestigeschwachen Abhängigkeiten und beschränkter Freizügigkeit.

Piraten des Typs E streben deshalb häufig nach prestigeträchtigen Aktivitäten und repräsentativen Rollen innerhalb und außerhalb der Piratenpartei. Sie sind dabei oft überlastet und nicht so flexibel wie die selbstbestimmteren Typen A, B, C, D, G, H, I und J. Soziale Pflichten und Pflichterfüllung in der Familie sind praktisch unausweichlich und auf Unabkömmlichkeit und Verlässlichkeit gestellt, sowie nicht ohne Weiteres durch Geld oder Aushilfen ersetzbar. Einerseits hat der Typ E damit den heikelsten Zwang, eine beschränkte Elastizität, und eine konstante Treueerfüllung zu leisten. Gleichzeitig fehlen Anerkennung und Prestigeträchtigkeit innerhalb der Piratenmitgliedschaft, sodass der Typ E oft unleidlich und unzufrieden scheint. Seine Kompromissfähigkeit und Geduld wird leicht als Schwäche betrachtet.

 

Typ F

 

Piraten des Typ F sind Kinder oder Schutzbefohlene von Versorgern. Typ F-Piraten

sind im Zusammenhang mit den Diskussionen um die Herabsetzung des aktiven Wahlrechts, wie es in Parteien seit Jahren immer wieder diskutiert wird, insbesondere bei den Piraten gefordert wird, zu beachten. Bei Kindern oder Schutzbefohlenen von Versorgern sind einerseits altersbedingte Urteilsschwächen, generelle sozialpsychologische Inkonstanz als fragwürdige Defizite anzuerkennen. Die im Heranwachsendenalter noch in der Entwicklung und Reife befindliche Persönlichkeit wird mit dem aktiven Wahlrecht überfordert. Heranwachsende können die eigenen Bedürfnisse und Entwicklungsperspektiven (Adoleszenz) hinsichtlich der politisch mit zu entscheidenden Fragen der Daseinsvorsorge und -gestaltung noch nicht in der nötigen Tiefe und Reichweite kennen. Es mangelt grundsätzlich an der Kraft zur Eigenständigkeit in den möglichen Konsequenzen von Fehlentscheidungen. Andererseits behalten sich Vormundschaften in der Lebenswirklichkeit infolge ihrer Allokationspflichten Bevormundungen vor. Damit leben Typ F-Piraten in einer altersbedingten Schonfrist und materiell in einem vom Vormund von Not freigehaltenen Schonraum. Damit werden Erfahrungserlebnisse abgefedert bzw. abgekoppelt und das existenzielle Fehlerlernen ist geschwächt. Politische Majoritäten von Typ F-Piraten sind für jede Gesellschaft durch unterentwickelte Urteilskraft gefährlich.

Typ F-Piraten verfügen in der Regel über ganz wenig bis ganz viel Geldmittel, je nachdem wie ihre Ernährer gestellt und orientiert sind. Zeit, sich der Partei und den Parteiangelegenheiten zu widmen, insbesondere die sozi-politischen und it-sozio-kulturellen, teils sehr zeitaufwendigen Kommunikationsaktivitäten mitzumachen, haben Piraten des Typs F im Vergleich mit den anderern Typen meist viel.

Typ F-Piraten sind nicht vollwertig selbständig für extraorganisatorische Aufgaben eingesetzt werden zu können, so wenig wie mit höherrangigen professionellen Rollen zu betrauen

 

Typ G

 

Typ G-Piraten sind Studenten, Schüler und Auszubildende mit gesetzlich vorgehaltenem Auskommen. Sie sind in der Regel – altersspezifisch verschieden – sehr einsatzfreudig und leistungsfähig. In der heutigen Situation der erst heraufkommenden neuen Sinnlichkeit der Digital Immigrants und Digital Nativs stellen besonders die IT-affinen Digital Nativs, Typ G-Piraten, eine geradezu in eine technologische  Macht- und Lehrerrolle hineingestellte Verantwortung. In dieser Situation kommt es in der heutigen historischen Phase der noch jungen IT-Revolution prinzipiell zu großen Verwerfungen und Handlungsstilschwächen. Stilbewusstsein und Urteilskraft ist oft nicht auf der Höhe des Vermögens technische Geräte zu bedienen.

Typ G-Piraten haben zunächst eher wenig Geldkraft, die auf die gesetzlichen Mindestbeträge beschränkten Budgets zur eigenen Verfügung. Sie haben aber hohe Kosten für ihre Teilnahme am IT-Betrieb, während Ausbildungs- und Studienfinanzierungen nicht wesentlich aufgebessert worden sind. Typ G-Piraten leben in ihrer Zeitverfügung vergleichsweise selbsbestimmt und frei, wie es im Studium, trotz extremen Anforderungen, freier zugehen kann als in anderen Erwerbsberufen. Menschen im jungen Alter sind grundsätzlich vergleichsweise mobil bzw. zur Mobiltät und zu kostengünstigen Reise-, Ernährungs- und Unterkunftsbedingungen fähig. Die heutige Piratenbewegung steht prinzipiell im Zeichen, hinter der Reichweite der praktizierten Fernkommunikation herreisen zu wollen. Wer miteinander kommuniziert, will auch die sinnliche Begegnung. Hierin liegen extreme Beschleunigung des normalen Lebens, wachsende Reichweite hin zur Fernfuchtelei sowie Defizite in sinnlichen sozialen Gewissheiten und Verbindlichkeiten. Typ G-Piraten testen und stressen die sinnliche Entkopplung zu Zwecken der Vorstellungsorientierung und Lebensdienlichkeit hin an die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit, Überreizung und Überforderung. Typ G-Piraten konfrontieren das etablierte Politiksystem leicht mit idealistischen utopistischen Konzepten und „schmerzbefreitem“ Defaitismus. Beispielsweise Forderungen der idealen Basidemokratie werden hier ausprobiert und unter völliger Hingabe geübt, ungeachtet dessen, dass politische Formen der Assoziation, Aggregration, Artikulation und organisatorischer Steuerung und Kontrolle sozial verträglich sein müssen, damit alle Typen erfolgreich teilhaben und mitwirken können. Rechte Positionen der „Exklusivität“ und Kompromissunfähigkeit sind bei den Typ G-Piraten weit verbreitet. „Shitstorm“ ist das Prinzip dieser speziellen gelebten „Volkshochschule“ – „Ego-Shooter“ der banalsten sozialdarwinistischen Schublade sind die moralischen Minimalisten. Hier, bei Typ G, haben wir es hauptsächlich und überwiegend mit jungen männlichen Adepten zu tun: männlich, technisch, rücksichtslos, hart, „schmerzbefreit“. Seelische Schieflagen sind Programm. Vorstellungen von Schwarm-Intelligenz und von den Vorzügen der Telematik und der Algorithmen gegenüber Selberdenken und sozialen Entscheidungen oder Zielsystemorientierungen, sind mangels Urteilskraft der Typ G-Piraten durch demokratische Abstimmungen nicht qualitativ sondern lediglich quantitativ zu erreichen.

 

Typ H

 

Piraten des Typ H sind gesetzliche Arbeitslose, Hartz IV-Empfänger und Empfänger staatlicher Mindestversorgung, also die vom Sozialstaat in verschiedenen Regelspielen klientelisierten Bürger. Sie sind materiell auf Gemeinschaftskosten durch Umlage subsitent mindestversorgt. Sie sind reglulär in keinem Fall „arm“. Doch ihre finanziellen Spielräume sind so knapp, dass ein sozio-kulturelles Piratenleben bestenfalls an der lokalen Ebene einer Großstadt möglich sein kann, nicht jedoch in den virtuell-digitalen Verkehrsformen. Typ H-Piraten als Dorf-, Kleinstadt- oder Landbewohner sind unmobil, können die IT-Medien nicht kaufen und nicht betreiben und sind damit von der momentanen Entwicklungsspitze in der Piratenpartei aufgrund ihrer materiellen Schwäche abgehängt. Hier ist heutzutage, im Jahr 2012 in Deutschland, die verfügbare freie Zeit, mangels Mobilität und Ausstattung weitgehend nicht in Teilnahmeformen an der ehrenamtlichen und der amateuristischen Piratenarbeit in der Piratenbewegung nutzbar.

 

Typ I

 

Der Piraten Typ I ist Kleinstunternehmer, Free Lancer, Gelegenheits- oder Tagelöhner, Naturalien- und Schwarzwirtschafter. Seine materielle Versorgung kann als „informell“ nicht tatsächlich erfasst werden und reicht von Armut bis Auskömmlichket und Überfluss. Die überwiegende Zahl der Typ I-Piraten leben auskömmlich und mit vielfältiger Naturalien-Selbstversorgung. Über Internet-Tauschbörsen  und als Gebrauchtwarenhändler, mit oder ohne eigenem Grund, in vielfältigen sozialen Gemeinschafts-Wohnformen. Der Typ I ist als Erwerbtreibender nur schwer kontrollierbar und bildet den Übergang zu Typ J. Der Piraten Typ I ist stets mit seiner eigenen auf den pekuniären oder naturalienorientierten Erwerb beschäftigt. Er kann seine sozialen Aktivitäten beliebig in die Lebens- und Arbeitssphären anderer Typen hineinwachsen lassen und nutzbringend betreiben. Der Typ I ist von hoher sozialer Kompetenz, aber von sehr unkonstanter Einsatzbereitschaft. Die Wertsetzungen der Piratenpartei, als politische Organisation im Sinne des „Citoyen“, sind hier eher aus der alltagspraktischen Beziehungsbereitschaft und Solidarität gestützt als aus den bürgerrechtlichen Zielen der Rechtsstaatlichkeit und Transparenz.

 

Typ J

 

Der Typ J Pirat ist der unversorgte, nichtauskömmlich lebende Arme und Informelle, der in jeder möglichen Spielart „informell“ in der distanzierten Nähe von anderen Typen der Gesellschaft zu leben versucht, zwischen Grauzonen und Abgründen, fallweise im normalen Alltagsleben zu Gast. Der Typ J kann in der Großstadt Anschluss an die allgemeinen Kulturausstattungen halten und begrenzt IT-Technologie nutzen und kennen. Er verfügt über sehr wenig finanzielle Spielräume.

Der Typ J hat frei verfügbare Zeit und ist in der ehrenamtlichen Piratenpolitik oft sehr aktiv und sucht darin Seiten- und Exklusivnutzen durch Mitgliedschaft. Er ist in der reinen Form anzutreffen, während die besser gestellten Typen oft Multirollen-Typen sein können, z. B. Beamter, Kapitalist, Familiennetz zugleich ist die Typ J Form geradezu Ausdruck der Formlosigkeit, Ungebundenheit und Verlassenheit.

 

Entwurf wird noch bearbeitet c. Dietmar Moews 2012

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