NEUE SINNLICHKEIT 61

Inhalt

Umschlag: aus einem H&M-Plakat 1

Zum Geleit 2

Inhalt 3

IMPRESSUM 3

ABONNEMENT NEUE SINNLICHKEIT AUF LEBENSZEIT FÜR 500 EURO

ERFOLGSKINDER 4

MERKEL IN DER KOHLKISTE 2009 7

GÜNTER SCHULTE: Rossets Prinzip Grausamkeit 29

ZUGINSFELD Ausstellung zur Ächtung des Krieges 32

DIETMAR MOEWS: IT-Revolution & Piratenpartei 35

CLÉMENT ROSSET: Portrait: Die Linie von Dietmar Moews 36

ADOLPH FREIHERR KNIGGE: ÜBER EIGENNUTZ UND UNDANK 1796

Knigge setzt Kants kategorischen Imperativ in allgemeinverständliche Klarheit; Fortsetzungen XII. Teil 39

FRANZ OTTO KOPP: Anglerlatein 43

THEATER AN DER ANGEL: Die Ballade von Garuma 44

DIETMAR MOEWS: Lexikon des Kunstwesens: Samisdat 45

RALF ROTHMANN trägt Literaturpreis Adenauer 2008 (nach FAZ) 48

Globus mit Vorgarten: NEUES vom Projekt in Berlin 52

Marx – 3. Lieferung Irrlauf der Theorie über die Henne und das Ei 53 CARL ZUCKMEYER: Noch so ein Idol: Der Kritiker Herbert Jhering 57

Die Kinderseiten der Epoche: Das kommt hin 61

Auflösung Qualitätsrätsel 60: Friedrich Hölderlin

QUALITÄTSRÄTSEL 61: Wer hats geschrieben? 63

Impressum: Neue Sinnlichkeit Blätter für Kunst und Kultur seit 1979 erscheinen in loser Folge im Pandora-Kunst-Verlag, Springe, Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Dresden, Berlin http://www.neuesinnlichkeit.com; Verlagsanschrift:

Dr. Dietmar Moews Schönholzer Straße 2 D-13187 Berlin ISSN 1432-5268

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abonnement auf lebenszeit NEUE SINNLICHKEIT ist so möglich:

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Zum Geleit

Herzlich willkommen liebere Leserin und liebster Leser. Die neuen Blätter sind da. Neue Sinnlichkeit liegt auf den Schultern der Riesen: Aus dem harten und zugleich geschichtlich abgemilderten Licht der erfolgreichen Menschheit kommen sie herauf: He, heraus du Ziegenböck, Schneider Schneider meckmeckmeck.

Abonnement auf Lebenszeit – das war klar. Ein solcher Modus wandelt seine Bedeutung im Wandel der Wahrnehmung. Wilhelm Busch, unser Maler als Schopenhauerianer, nannte es: Ein Zwei Drei, im Sauseschritt, läuft die Zeit, wir laufen mit.

Der Grundgedanke der Neuen Sinnlichkeit wird immer deutlicher: Wir Menschen müssen die Daseinsfreundlichkeit von der sinnlich-leiblichen Seinsbindung beziehen (wenns Kotelett schmeckt). Der moderne Verlust der Mitte und die Antiquierung der Menschen durch Robotik und Telematik sind Verirrungen. Schon wird der Normalmensch zum Sonderfall (keiner entspricht dem Durchschnitt). Und der Anpassungsdruck macht Seelenrisse und Depressionen. Schöne Metaphysik für Schwerverbrecher in Gefängnissen und für Tiefenpsychologen, noch nicht in Gefängnissen, die Depression zur Krankheit unserer Zeit erklären, um ihr Geschäft damit zu treiben. Die neue Sinnlichkeit knüpft hier an Kant, Goethe, Schopenhauer und Nietzsche und ich anmerke dazu, als Maler: das Primat dieser Blätter liegt auf Politik, nicht auf Kunst und Musen, sondern Politik vom Künstlergelehrten.

Mit diesem neuen Heft im Jahr 2010 (Zwanzighundertzehn) werden zwei wichtige Aspirationen angesprochen: Der kleine Prinz in mir und dir (die Rolle der Exklusivität unserer unausweichlichen Lebenspneumatik). Dazu ein grundmodernes soziales Lebensverständnis der Inklusivität: Alle Menschen sind zugelassen. Alle sollen auch Möglichkeiten des Zugangs und demütiges Mitwirkens nutzen können, fortwährend im Wandel, anthropozentrisch, geduldig, gut, aber intelligent. Der Spaß liegt auch im Reden über diese Blätter für Seemannsgarn und volle Pulle, obwohl sie „exklusiv“ sind.

Die Informationsgesellschaft, die IT-Revolution und eine dafür unerlässliche IT-Politik muss aufs Tapet gehoben werden. Witz und etwas Neugierde reichen, damit Spaß und Nutzen herausspringen.

Kunst und neue Kunst, bilden Nebenzwecke als Politik der Kunst. Schranzen und Honigsauger – sehen wir kritisch. Ich denke mit sinnlicher Gewissheit: Lebenlassen gilt.

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Erfolgskinder

Liebste Leserin, lieberer Leser, jeder einzeln ist beachtlich: Ich grüße Sie ganz herzlich, spare mir die Nachrufe, gratuliere lieber allen Neugeborenen, besonders denen, die in ein Abonnement auf Lebenszeit der Neue Sinnlichkeit hineingeboren worden sind. Das gibt es hier als Geschenk-ABO für nur 500 EURO (ist also wieder teurer): ANRUF genügt und schon flattern die losen Blätter ohne weitere Kosten ins Haus, so lange meine gelbe Postkutsche noch fährt.

Dieses neue Heft hat – wie ich es mir so dachte, ist es gekommen – etwas völlig Neues. Wenn bislang die intensive Textproduktion für die lose Folge, einschließlich der Numero 60, mehr eine Redaktions- und Auswahlarbeit war, aus des Lebens Überfluss herausfloss, die 62 Seiten hinzudramatisieren: Eine Freude des Komponisten und Künstlergelehrten. So ist es hier, jetzt, anders.

Mit Beginn der dietmarmoews LICHTGESCHWINDIGKEIT – Podcast für YOUTUBE – aus Sicht der PIRATEN unter Beziehung zur PIRATENBEWEGUNG, täglich frei und ungeschnitten auf unter zehn Minuten zu den täglichen Angelegenheiten – begann ich ein ganz neues Leben: Die Verbindung der täglichen Zeitungslage mit einer IT-medialen Komponente. NEUES LEBEN

das ist immer auch Tod. Man beendet

ein Leben, an das keinerlei Neuanknüpfung möglich ist. Sowas wirkt schon bei dem normalen Menschen durch die fortlaufenden Veränderungen wie abgeschnitten. Meine somnambul produzierende Künstlergelehrtenseele schneidet es den Produktionsfadens ab!

Dann beginnt das NEUE. Hingabe und Hineinverschwinden, bis die Produktion eine meisterliche Eigendynamik in die Tageswerke ausfaltet. Inzwischen bin ich, wie gehabt, glücklich und zeitvergessen. Nur, damit das klar ist: Was mal war, ist weg.

So steht es also, hier, mit der losen Folge der Blätter für Eigendynamik und Glück auf Erden. Heft 60 wurde geschlossen, die Textüberhänge stehen in den Speichern für die folgenden Hefte und rufen nach Sinn. Doch der Sinn ist abgerissen. Denn hier ist ja nun der neue Sinn. Und die hereinstehenden Texte von vorher – die werden vielleicht noch ausgeschlachtet, die werden vielleicht neu gelesen, damit nicht versehentlich eine für gut befunden Sentenz abgedruckt wird, die bereits vorher schon da war.

Will sagen: Numero 61 ist in sofern der Beginn einer neuen Reihe. Denn längst lese ich in meinen Heften, meist mit großem Vergnügen, was mir mal am Herzen lag. Neue Sinnlichkeit mitzuteilen, was ich selbst vergessen habe, dass ich nicht wetten könnte, aber die Gedanken, die ich selbst mal erfunden hatte, zweifellos das Thema unserer Tage ist: ROBOTIK oder MENSCH.

Nun gut. Das ist nicht Koketterie oder der verklemmte Versuch Altersbedingungen anzuzeigen. Und ich glaube, weil mir inzwischen die jahrelang geistig eng verbundenen Freunde ausgegangen sind, mit denen über die Neue Sinnlichkeit wie über gemeinsame Räuberhandlungen gesprochen werden konnte, fehlt mir das naturbedingte ständige Neuerinnern des Gehabten.

So oder so – ist es eben verschwunden.

Hier nun das neue Blatt Numero 61.

Ohne Lichtgeschwindigkeit, mit der Langsamkeit einer Fokoppschen Schreitmaschine, wenn die Polabatterie schlapp macht. Wir haben unsere Freude so und so im Eingemachten, hier:

IT-Revolution mit Piraten, mit Marx und mit Goebel, mit Soziologie, das ist die Liebe der Matrosen und der Maler.

Ah, Du bist ja jetzt in Berlin. Berlin. Das ist doch toll, Berlin. Da sind doch alle Künstler.

Nein nein, sage ich dann. Mein Weg ist nun ein neuer. Die Anknüpfungen

hier eignen sich nicht besonders für mich. Es gibt zu viel Prolzeug, zuviel DDR-Blendzeug, zuwenig Konsonanz für mein Gemüt, nennen wir es mal: Die Abwesenheit von Qualität und die Brutalität der durchaus legitimen Kulturherrschaftsansprüche des eisenhölzernen Nachwuchses, sind mir kein Stimulans und keine Herausforderung. Ab einem gewissen Niveau wird man vermutlich zeitlos – ich fühle mich zeitlos.

Dem neuen Berlin ist das Wumpe:

Denn es heißt ganz einfach: Woher kommt Geld? Und die Antwort lautet: Amt, Aufschäumen, Medien. Man hat eine Stelle in den Verwaltungen oder man serviert in der Gastronomie, macht Telefondienste oder trägt Zeitungen aus. In Ostberlin glaubt man an ca. 500 Kapitalisten (BILDERBERG/DAVOS), die die gesamte Welt missbrauchen und zugrunderichten, dass man sich dem Restbolschewismus anschließt, man unterwirft oder fertigmacht (so gings Pastor Scheel von Mitte), dass man sich nicht politisch informieren und austauschen müsse, und dass von hartem Alkohol Besoffensein als Menschlichkeit anerkannt ist. Das steht hier überhaupt nicht in Frage. Mit einem Wort: Leben, an der Untergrenze, wie im Dreißigjährigen Krieg, gilt unausgesprochen als individuelles Leitbild im Pankow-Osten – 21 Jahre nach Absturz der Genossen im

Geiste Marxens und Lenins und Stalins. Es sind Bratenwender aus Sicht der Vernunft – in 50 Meter Entfernung vom Pankower Rathaus heute, 2008 und 2010. Das ist schwierig. Bezahlen müssen das alle anderen. Das Wort Citoyen hatte man bei Marx nicht als Aufforderung vernommen.

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LIEBERE LESERIN

Das schöne neue Blatt, frisch gemacht, adressiert und abgepackt – was kann es Ihnen sagen, liebere Leserin? Hirndoping? Erweckung? Auf die Frage, welches der Hefte, welche Nummer denn empfehlenswert wäre, wenn man mal erst eines probeweise durchschauen möchte? Oder oft heißt es: Welches ist das beste Heft? – also

ganz ehrlich: Seit Beginn der Neuen Sinnlichkeit, Blätter für geistige Bewegung, steigert sich das Angebotene aus Sicht des Herausgebers, qualitativ, in jedem Belang. Allerdings ergeben sich aus dieser Eigenmaßgabe wieder und wieder schwieriger lesbare, teils ungemütliche Ausgaben. Während es schon als die wichtigste Qualität anzusehen ist, leicht lesbar und vergnüglich sein zu sollen. Es werden immer am Ende jedes Blattes kurze Texte, teils leichtsinnige und humorvolle, angreifendere Beiträge geboten. Dennoch, wer vor Beginn seiner Lektüre sich vergewissert, was und wie …

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Fragen ist erlaubt

Ich war in der SED, sagt mir der freundliche Berufsjugendliche, der die Spuren seiner offizialen Erwerbsarbeit in der Stadtteil-Kinderfreizeit, Berlin-Mitte in Habitus und Gesinnung vertritt. Ich habe in den 1990er Jahren Solchynizyns Archipel Gulag gelesen – die Zeugnisse des Stalinismus haben mich unvorstellbar erschüttert. Das Wort Stalinismus sollte man mit Vorsicht – nur für die Schlimmsten – benutzen. Ich frage hier die Leserschaft: Wie können Menschen sich verständigen, wenn die Einen erlebt haben, wovon die Anderen nur Worte machen können? Ich – war nicht in der SED. Ich kenne die sozial-demokratische Salonpersonnage.

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Beispiele helfen

Wer sich verständigen möchte, darf sich wohlverstanden an Beispielen festhalten: Nachdem auch in Jugoslawien, schließlich auch in Serbien, die Herrschaft der Kommunistischen Partei einem Mehrparteiensystem gewichen ist, kommt es dort zu Parlamentswahlen. Allerdings ist die Verwobenheit der Kommunisten mit Staat, Gesellschaft, Ämtern und Funktionen sehr dauerhaft und beansprucht weiterhin Vorherrschaft.

Stalinismus, das ist derjenige harte Begriff: Dass Herrschaft willkürlich tötet.

Doch Titos Jugoslawien hatte einen eigenen Komintern gemacht, keinen Kominform des moskauer Stalinismus, wie es Ulbrichts DDR mitmachte.

Dennoch oder wie im Stalinismus, wurde der Vorsitzende der Demokrati-schen Partei (DS), Zoran Djindjic, der die einheitsparteiliche Politiklinie Serbiens durchbrechen wollte, nachdem er demokratisch gewählt worden war, im Jahre 2003 in Belgrad erschossen. GETÖTET. Und nachdem 2008 der zweifellos für Massentötungen der bosnischen Serben an bosnischen Moslemen (Srebrenica) entscheidend verantwortliche Kominternationalist Radovan Karadzic in Serbien gefangengenommen worden ist, droht die Kommunistische Partei Serbiens offen mit der Ermordung des demokratischen Staatspräsidenten Tadic (Nachfolger Djindjics bei der DS). Denn Serbien hatte Karadzic an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert: Wir erinnern Tadic daran, dass in Serbien Verrat

niemals vergeben wurde.

Was will der erzählen, der die Hölle kennt? Sollen wir doch nichts in einen Topf werfen, Stalinist von Kommunist, Mörder von Opfer, Befehlshaber von Soldat, besonnen unterscheiden, wenn wir also fragen: Was meint der alte deutsche SS-Mann, der den Krieg überlebte? der zweifellos dem Bösen mehrfach begegnete, dabei oft Gut und Böse nicht unterscheiden konnte, sondern bestenfalls noch die Seite, auf der er sich befand, wenn er sagt: Ich habe mich immer zu meiner Vergangenheit bekannt und bin stolz darauf, dass ich mit meinen Kameraden der Wehrmacht, Europa und das Christentum vor Stalin und dem Bolschewismus retten konnte. Wie sähe denn die Welt und Europa heute aus, wenn Stalin seine Ziele erreicht hätte. Wie sähen Sie heute aus und die freie Presse (aus NEUES vom Kameradenwerk Korps Steiner e. V. Mühlheim, 2006). Was nützen da Zitate von Netanjahu?

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Herta Müller

Herta Müller, das ist eine Künstlerin, die ich liebe. Das passt hier jetzt mal hin. Dass Herta Müller einen Literaturnobelpreis erhielt, ist jetzt eine Heraushebung wert. Weil es der für Herta Müller ist. Zum Beispiel Günter Grass: der hatte nur den Literaturnobelpreis für Günter Grass erhalten, nicht den für Herta Müller (den würde Grass nie erhalten). ATEMSCHAUKEL ist mir so wert wie ein ganzes Liebesleben, wie eine kleine Buchstabenkollage. Ich komme noch drauf.

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Leichtes Lesen

Nun ist die Geheimdienstmitwirkung des Dichters Oskar Pastior, von dem eine IM-Verpflichtung und eine IM-Akte bei der rumänischen Securitate-Erkundung zum Vorschwein gekommen ist, keine Zutat für ein zartes selisches Künstlermillieu, sondern ein giftiger Angriff. Ich lese deshalb für Herta Müller aus ihrem auf das beschädigte Arbeitslagerleben des jungen Oskar Pastior bezogenen Roman Atemschaukel das Kapitel, wie der Arbeitslagertag zum Kunstwerk gemacht werden konnte, worüber der Haarschneider neidisch staunte und Herta Müller die Kunst der Lüge als Technik, das Schicksal zu umarmen, nun als Trostkunst beherzigen muss.

Leichter haben beim Lesen der Neuen Sinnlichkeit, wenn, wie beim Essay, ein roter Faden enigmatisch auseinander-strebt. Oder, wenn Teile der Fortsetzungen von Knigges Undank und Eigennutz teils als wenig dramatische Gleichform daherkommen. Oder, wenn ein Text zur Salonpersonnage, gewissermaßen um Wiederholungen zu sparen, dem Erstleser die Anknüpfung schwer macht. Nicht zuletzt, wenn Denken und Schreibkunst einfach nicht ausreichen und auch die ausgeprägteste Lese- und Verstehkunst ausgezerrt wird. Dann ist der Lohn zu gering bzw. der Preis zu kostspielig, das Heft hier als geistiges Lebensmittel so gründlich zu studieren, wie es notwendig wäre, eine höhere Warte sich anzueignen. Ich spreche von der Lesemühe einer liebsten Leserin oder eines liebern Leserers. Kurz, heute ist gerade das Heft Neue Sinnlichkeit Blätter für eine Dritte Kultur in der Welt der Empirie, aus dem Januar 2004, Numero 46, mein Lieblingsheft, darin: FRAGEN von Immanuel Kant – das erste der fünf 2004er Kanthefte.

Wiederentdeckung des Körpers in der Alternativbewegung der 1970er Jahre? NEUE SINNLICHKEIT? Die Kritik an der bürgerlichen Kultur durch die 68er und in der selbst als Avantgarde-verdächtige Jugendkohorte, der als Avantgarde sich bezeichnenden Moderne – die als Kleinkünstler das

Gefühl für die POSTMODERNE nicht merken konnten. Die Neue Sinnlichkeit wurde 1979 in dem Zeitpunkt begründet und mit einem Manifest von Dietmar Moews proklamiert, als die Zeitzeichen der Postmoderne auch für alle Nichtkünstler erkennbar waren – nämlich, das gebrochene blinde Vertrauen der überwiegenden Menschen am moder-nen Fortschritt des Höher, Schneller, Weiter war zuende.

In dem Moment, um 1970, wurde das Werk des Malers Dietmar Moews, sichtbar. Es war von Anbeginn vollendet. Moews eignete sich die ästheti-schen Mittel der Kunstgeschichte an, ohne die Verbote der Moderne und den Zwang zum schwarzen Quadrat zur Maßgabe des Kunstschaffens zu verinnerlichen.

Absurd die Unterstellung der Körperwiederentdecker, als hätten die früher Geborenen nicht die Fackel der Generationen deutlich tradiert, von Schwedentrunk bis Montessori, von Naturfreunde bis Arts and Crafts, von Organon bis Walpurgisnacht, von Auswahlzucht bis Wandervögel, von Charly Parker, den Commedian Harmonists bis Louis Armstrong, Enrico Caruso oder Maria Callas, von Matthias Grünewald bis Karl Hofer, (den sinnlichen Lüstling und Luftpionier Hermann Göring wie die Feuerrituale beim Erntedankfest in den Bückebergen/Externsteine in Erinnerung – was gab es da denn groß wiederzuentdecken?). Und hieß es nicht – Willkommen im neuen Blatt, liebere Leserin und lieber Leser. Ich hoffe, Sie schlagen hier mit Frohsinn auf und will mein Bestes dafür geben – bei Literaten: Augen-spiele in der Dichtung gehören für den Interpreten der unausgesprochenen, gestischen und leiblichen Kommunikation zum ertragreichsten differenziertesten Bild seiner Arbeit. Wohlan, sinnlich.

Die Neue Sinnlichkeit zeigt den weltweiten ästhetischen Vogelflug, der den Menschen Respekt zeigt, indem die Werke zugänglich sind, statt unzugänglich oder verstellt: Auge, Hand, Material – Denken, Wissen, Können.

Vorliegendes Blatt ist mit Beiträgen versehen, die als ausgewählte Anregungen und Empfehlungen sowie dem reinsten Lesevernügen einerseits verdienen, die andererseits zusätzlich ganz bestimmten Abonnenten zugedacht, dem Denkanstoß, der Reiseanregung und der Antwort auf verschiedentlich aufgekommene Fragen nützen können. Damit liegt das Verkleinerungsglas für die missliebigen kulturellen Müllwerker im organisierten deutschen Salonunwesen im redaktionellen Asservatenschränkchen und das Blatt der Abwechslung halber ist dem Schönen und Inspirierenden Raum zugewendet. Schließlich ist die Neue Sinnlichkeit keine Volkshochschule fürs Elend. Und

ein an sich froher Herausgeber muss sein Blatt noch selbst mögen können.

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Qualitätsrätsel

Eine Besonderheit stellte vorletztesmal das QUALITÄTSRÄTSEL dar; denn es ist eine vollständige Novelle, also ein umfangreicherer Text als gewohnt. Gesucht war der Autor. Auflösung im kommenden Blatt Numero 60 lautete: BERT BRECHT. Ja, das erstaunt. Bin ich doch ein aktiver Brechtächter. Gibt es doch vereinzelt hervorragende Texte von dem Wünstler und Arschloch Brecht.

Sehr erfreut fand sich die Passage aus der Preisträgerrede des Ralf Rothmann (geb. 1953), der den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung erhalten hatte. Ich finde die frische Art, so zu schreiben, als habe man was zu sagen, das so wichtig ist, dass es ungeschminkt formuliert am Schönsten ist: „Denn was geschieht eigentlich mit einem, der bis ins Kleinste, bis in sein Atemmuster oder die Pigmente seiner Iris hinein in Daten umgewandelt und erkennungsdienstlich erfasst wird? Ist er, auch wenn er sich vorläufig bewegen kann, wohin er will, auch wenn er vorläufig sagen kann, was er denkt, noch frei? Oder handelt es sich bei alldem nicht schon um den Widerru.

Ob der 1953 geborene Schriftsteller Rothmann den 1939 geborenen Philosophen Clément Rosset kennt, ist mir nicht bekannt. Zum Verständnis der Neuen Sinnlichkeit sind beide interessant. Rosset hat mit seinen Büchern über das Reale, „Das Reale in seiner Einzigartigkeit“ und „Das Reale -Traktat über die Idiotie“ sowie „Das Prinzip der Grausamkeit“, die Erörterung der Phänomenologien (bei Husserl) und der seinsgebundenen Urteilskraft von Kant her, Hannah Arendt, Merleau-Ponty, in die Reflektionsbezüge der heutigen seiner Person, um ihre Verwandlung in die jederzeit einsehbare Ansammlung sicherheitsrelevanter Daten? Und sein subjektives Empfinden, sein Freiheitsgefühl, in wieweit ist es noch authentisch und nicht vielmehr ausgehöhlt von Interessen, die längst nicht mehr seine eigenen sind?“

Sinnlichkeit gestellt. Vor unsere Augen treten Fernfuchtelei, Überreizung, soziale Abkopplung und Entmündigung. Das Virtuelle muss sinnlich bestehen.

Das Museum ZUGINSFELD nimmt seinen Ausgang: 13187 Pankow, Schönholzer Straße 2. Damit werden die Bilder von Dietmar Moews, die der Gestaltung menschlichen Daseins in den tragischen Verfängnissen und der Ächtung des Krieges gewidmet sind.

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Neue Kulturpolitik

Die Neue Sinnlichkeit 59 als Blätter für neue Kulturpolitik hat eine klare Mitteilung an die werte Leserschaft. Es ist vom Blick auf unser Leben bezogen – indem die (immer wieder von der materialistisch-profanen Weltsicht) bestimmten (dialektisch gemeinten) kulturellen Eingriffe sich als platte und ungeeignete Machenschaften einer Betonkulturpolitik erkennen lassen. – Die Weisheit des Künstlers ist indes, dass wir Gras wachsen lassen sollen.

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Gras wachsen lassen

Die Forderung der Neuen Sinnlichkeit lautet klar und deutlich: Keine Päppeleien, keine Förderungen, keine Subventionen in der Kunst. Zwar spricht damit noch nichts weiter gegen Mittelkunst, nichts gegen Kleinkunst, nichts gegen Unbegabtenkunst oder Kitsch. Außer, dass Hochkunst und Meisterkunst und Geniekunst und die Kennerschaft des Publikums hierfür allemal vorzuziehen seien. Denn die zweifellose Folge der kulturpolitischen Irreführungen, in denen ein entwertendes maßstabsloses Getue

dazu geführt hat, dass unbegabte Idioten auf staatlichen Veranstaltungen herumglucksen, ist der Niedergang des Publikums zur saufenden Public Viewingzone und der Verlust des handwerklich-künstlerischen Könnens bei all den unechten Künstlerinnen in der staatlich dirigierten Produzentenrolle des heutigen Kunstsalons. Das war mal ein Satz. Nochmal lesen.

Lese ich solche Machen der Salonpersonnage, die den Sozialdemokraten zwischen den heraushängenden Hämorrhoiden fummeln, nicht wissen wie raus und wie rein, hilft nicht Hegels Dialektik. Hilft nicht Unterscheidung vom Falschen mit dem Falschen als Moment der Wahrheit. Denn wer die sinnliche Erkenntnis nicht beurteilen kann, nur Negativität darin sieht, wie Hegel, sich selbst als Vorstellungsfehler und Wissensbehinderung vorstellt, wie Hegel in der Phänomenologie des Geistes, seiner Grundsatztheorie, der scheitert mit allen seinen Anstalten dann eben immer daran, dass er, seine Empfindung, seine Erkenntnisfähigkeit, seine Wissenschaft, negativ sind und bleiben. Wenn Hegel sagt: Ich stelle die einfache Wahrheit auf den Kopf, erkläre Sinnlichkeit und sinnliche Befunde als falsch und setzt stattdessen seine „wissenschaftliche Methode“ (auf den Kopf stellen), ohne die kein Wissen möglich sei, dann bleibt er damit in seiner eigenen „Negativität“ stecken. Deshalb geht uns Hegel nichts weiter an. Und Marx, der Hegel angeblich wieder auf die Füße stellt, nämlich die harte vulgärmaterialistische Sinnlichkeit instrumentalisieren will, ist weder ein Problemlöser noch ein potenter Hegelkritiker. Marx, war ein Angeber, der sich angeblich auf Kant bezog, hätte Kants Debatte zur Kritik der Urteilskraft und die Extrapolationen Kants zur Politik durchdenken gründlich durchdenken müssen. Dann hätte er zu Hegels Kopfstand Hirnrissigkeit diagnostizieren können, statt nun selbst einen eigenen Kopf-Kopfstand zurück in die vulgäre Machtsinnlichkeit zu postulieren. Ich traue es mir heute zu, in wenigen Sätzen, anhand wesentlicher sinngemäßer Hegelzitate, darzulegen, dass Hegel geistesschwach war. Sofern seine Metaphysik (Substanz, geistige Wesenheiten und dergleichen Wortgeklimper) als wissenschaftliches Wissen (Wahrheit) in Hegels Texten vorgestellt wird, stützt sich Hegel dabei auf ein selbstgebasteltes Prämissenwerk, dessen Negativität ihm entweder nicht aufgeleuchtet hat, bzw. dessen sinnliche Rückbindung ihm verborgen blieb.

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Arthur Schopenhauer

Hier wäre ich auch Arthur Schopenhauer geworden. Der zeigte Hegel, wo Vorstellung und wo Wille zur kritischen Urteilskraft der Menschen alltäglich anknüpfbar sind, statt einen Entwurf für Allmachtsdoktrinen und Despoten vom Beamtenlehrstuhl Berlins. Ja, Schopenhauer, der die Tage 150 Jahre tot ist, war dem preußischen Unfug entgengetreten. Während Hegel nachgeborene Wichtigtuer wie Marx und Adorno erfolgreich ansprach. So dass noch heute die Salonpersonnage aufbrüllt, wenn das deutsche Außenministerium eine sozialdemokratische Pfründenquelle stoppt, wie jetzt das türkische „Künstlerhaus“ in Istanbul Tarabya. Dazu habe ich meinen Beitrag zur Wissenschaft geliefert: Dissertation Universität Bremen 2000: Verirrte Kunstorganisation. Man kann prüfen, dass und wie unter dem schönscheinenden Signum „Kulturautonomie als Herzensangelegenheit“ (FAZ, 17. Sept. 2010 S. 31), die begehrlichen Sozialdemokraten ihre Salonpersonnage versorgen zu können, von der Bundes-regierung verlangt. Ich rufe auf: Künstler! Wehrt Euch gegen diese Bolschewiken, die sich ihren dummen Hegel so auf den eigenen Kopf stellen, dass es sich fett leben lässt.

Wir hören zum Ausstellungsthema WERTE, eines staatlich ausgelobten Eventkonzeptes in Dresden-Hellerau 2008, eine eingeladene, ja, angeblich von einem „hochkarätigen“ Jurorenteam ausgewählte sogenannte Künstlerin ins O-Ton-Mikrofon des Deutschlandfunks rufen, sie kreischte förmlich: Es gibt keine Werte – yippee. Man hätte sie sofort unter einen tropfenden Wassereimer setzen müssen. Solange, bis sie freiwillig gesagt hätte: Weitermachen oder Aufhören – so lange Tropfen für Tropfen auf ihre dumme staatsgeförderte Kulturpolitikbirne herabpinkern lassen, bis sie sich auf ein menschliches Maß besonnen hätte, zu erkennen, dass es auf Unterschiede ankommt und nicht auf Gleichmacherei. Dass es nicht nur den Wert Wassertropfen oder Keine Wassertropfen gibt. Dass es nicht nur für sie selbst Unfug ist, auszurufen: Es gibt keine Werte. Sondern, dass es vermutlich für Alle und Jedes Werte und Werteunterschiede, Wertewechsel und möglichst nüchterne Vernunftbegabung geben muss, sein Verhalten und seine Werthaltungen gut treffen zu können und zu wählen. Um klarzumachen: Es gibt immer Werte. Es kommt für uns Menschen überhaupt auf die Wertorientierung und das Werte Unterscheidungsvermögen an.

Eine Kulturpolitik, die das vergessen hat, muss sofort beendet werden. Die Bemittelungen müssen sofort gesperrt werden. Auch wenn es den postengeilen Sozialdemokraten, die dieses Salonpersonnage-Unwesen erfunden und seit den 1978er Jahren in der Kulturpolitischen Gesellschaft Hagen e. V. unter Olaf Schwencke in Deutschland, zur ei-genen Fleischfresserbande (Klaus Staeck) ausgebaut haben, an dieFunktionärsbäuche geht – muss zugunsten der Menschheit gerufen werden: Schluss damit.

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Beuys war kein Künstler

Was soll denn immer Beuys? Nicht jeder ist ein Künstler und, Ja, das muss man aber richtig verstehen, wie es Beuys gemeint hatte, statt lamentieren? Mein Zeuge, Peter Janssen, Klassenkamerad an der Düsseldorfer Akademie, sagte nur: Beuys war der unbegabteste, konnte nicht zeichnen und nicht malen. Mit etwas Geschichtskenntnis – ich hatte den Maler Peter Janssen (1906-1978) gefragt, der an der Düsseldorfer Akademie den unbegabten Jungmaler Beuys in der Klasse hatte – Beuys konnte weder zeichnen noch malen, und Beuys verschwand damals dann auch aus der altersgemäßen Künstlerszene, die sich in die Kunstgeschichte hineinmalte, ohne Weiteres. Bis man Beuys in der neuen Kulturpolitik als Nichtskönner mit seinen Gags auftreten ließ, mit Kriegsverletzungsemblem und Fliegeraureolen, mit Schamanenfilz und Nietzschezitaten, mit Alternativschein und Öko:

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Jeder ein Künstler –

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damit stand Beuys auf dem Parkplatz am Fridericianeum in Kassel und verkaufte zur Documenta für eine Mark Postkarten, ich war da – hab den Honigpumper gesehen – Honig floss kaum – an das Massenpubliklo: Abb.: Joseph Beuys mit Filzhut, Fliegerweste und Rolls Royce, dazu gratis sein Autogramm. (Wollen Sie einen Künstler zum Freund? – Hier für 1 Mark).

Im Jahre 2008 hat sich diese „Neue Kulturpolitik“ so weit verstiegen, dass die durchweg staatlich budgetierten Kulturprogramme nicht nur unechte Künstler als sozialdemokratisches Personal und das Geld dafür einsetzen, Nichtkunst in den Mittelpunkt des staatlich aufgezogenen Kunstbetriebs zu stellen, nun gibt es Programme, bis hin zum Deutschlandfunk, zur Vorbereitung des Publikums auf die Bereitschaft sich mit unverständlicher Nichtkunst statt mit Kunst einzulassen. Hierfür wird dasjenige Publikum angesprochen, das ohnehin weniger einen gesellschaftlichen Salon begeistern könnte, das auch keine Salonlöwen hervorbrächte, sondern die Unterklasse, Interesse für Partyzone und Freibier eingeschlossen, wenns, bei Angst vor der Leere, sonst wenig kostet. Während die unterste Unterklasse – Bier ohne Zone – gar nicht berücksichtigt.

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Der neue Adel

wird. Demokratie, lieber Leser, liebere Leserin, Demokratie soll doch auch den leistungsschwachen Naturen entgegen-gehen. Der dumme Mensch hat doch auch Individualität. Ja. Warum auch nicht, und Ehrgeiz. Ja warum auch nicht. Nicht nur die Persönlichkeit, die man an ihrer Vernunftbegabung erkennt, möchte einen Sonnenplatz, auch das Individuum, dessen Geltungssucht sich als Selbstausdruck einer ehrgeizigen Natur auf den kulturpolitischen Marktplatz stürzt, ist dynamisch und kräftig – ja, Beuys war kräftig. Beuys hat sich auch durchgebissen in Oberkassel. Demokratie – was spricht denn die Demokratie? Genauer hingeschaut trifft man noch heute in Deutschland den gesetzlich ab-geschafften alten Adel, die Freiherren und Grafen, Barone und Prinzessinnen, die Buchhalter der Stammbäume und die Dr.-Titelträger mit besseren Verbindungen, die Familienbuchführer, die Familientreffen und die Adlige heiratenden Töchter, um ja keinen bürgerlichen Familiennamen zu erhalten. Denn das sieht keiner gerne. Adel klammert sich an seine Durchwachsungen, wie die Stalinisten in Serbien an ihre Pfründe. Der Adel will nicht in die Schnauze haben, wenn er frech in alle Gesichter grinst: Diese Erben, diese Schwachmaten. Wer davon anständig sein wollte, wird bereits in den Anfängen von Familienbüchern gestoppt. Da sind Selbstmordquote und erfolglose Selbstmorde, Alkohol-, Spiel und sonstige Süchte und Vorführeffekte, sie werden nicht im Familienbuch dokumentiert.

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Der alte Adel

Und die halten sich traditionell für Elite – das siehst du am Adelstitel, der bekanntlich lediglich Teil des Namens mehr ist; Herr Graf Lambsdorff und Frau Graf Lambsdorff müsste das heute heißen (keineswegs Frau Gräfin Lambsdorff). Der Freiherr Balken im Auge verzeiht sich und sein Getue, denn Adel verpflichtet. So wäre es doch eine Haltung der mitmenschlichen Ungleichheit und Nichtgerechtigkeit, wollte man hier den alten Adel für so blöd hinstellen, wie er sich historisch ausgewiesen hat, aber den neuen Adel strenger beurteilen (stürzte also die Erbenbagage der Oppenheims samt Erbe ins leere Nichts der Geistlosigkeit). Nun mit dem neuen Adel haben wir es mit Volkern und Rosas zu tun, der Nomenklatura des Arbeiter- und Bauernstaats, der sich inzwischen zwar selbst abgeschafft hat, sein Personal aber weiter lebt. So trifft man in Pankow des Jahres 2010 lauter Adelige des ehemaligen Arbeiter- und Bauernparadieses, die sich als Eigentlichkeit gesellschaftlicher Dominanz und moralischer Bevorrechtung sahen und als neuer Adel weiterhin aufführen. Und das kann dem weichen Herzen nicht egal sein: während der alte Adel noch immer herumspinnt, wieso sollten dann die Naivlinge des neuen Arbeiter- und Bauernadels nicht ebenfalls mit den Familienbüchern vom Dietz-Verlag herumfuchteln – der Oberpropagandist Oskar Lafontaine zeigt doch, wies im materialistischen Tauschverkehr geht: Gib mir deine Stimme – erklär ich dich zum Adel. Viel mehr Theoriearbeit ist hier nicht vonnöten. Deshalb können unsere Alt-68er auch locker und kaum widersprochen neutönen:

Ja, Marx, nicht im Sinne des DDR-Revisionismus (alle einzelnen Marx-ideen durchzuprobieren), lebt? Nein, der Zukunftsmarx à la Oskar Negt und Gregor Gysi ist der Bringer: Die Frustrations-Utopie. Marx sei utopisches Denken? Unser deutscher Gesellschaftsvertrag brauche angeblich jene Linkspartei fürs Utopische, bei und von Marx? Nun-ja, wen es tröstet – lösen wir also das Volk auf – und wählen ein neues: Neuer Adel, alter Adel – was alles so geredet wird, ist wegen der Blödheit der meisten Menschen nicht gar so gefährlich, wie es der Deutung nach wäre. Denn – man redet so – um die Pausen des Nichtssagens zu erfüllen. Mit der neuen Kulturpolitik der Neuen Sinnlichkeit wird nun nicht nur das Denken gerettet, nicht nur das Sprechen als mitmenschlich Gültiges, nein, auch das Schweigen. Das permanent überforderte und doch darüber hinaus belustigungsbedürftige

Mittelvolk wird mit der Stille, mit der Ruhe und mit dem Genuss der eigenen Leere vertraut gemacht. Und dann den schönen und großen Angelegenheiten einvernommen, die das Lebensmaß bieten, die in den heutigen Chaostagen kaum noch den großen Persönlichkeiten erreichbar sind, weil die Massengesellschaft mehr abrichtet als entfaltet: Die neue Kulturpolitik der Neuen Sinnlichkeit stellt auf Entfaltung und bietet Platz für Jedermann: GELD spricht. Ja, schlaue Leute meinen sogar, GELD denke. Denkt Geld?

Angenommen, GELD dächte (materiell spricht ja GELD auch hier), und, angenommen, es spräche, und wir könnten verstehen, was das Geld uns sagt, nämlich, wie es funktioniert. Und die Generalverdächtigung seitens derjenigen, die behaupten, GELD spricht, GELD denkt, dass am Geld zu lernen wäre, wie das Dasein zu Potte kommt, wie es optimal auszulegen wäre, und man müsse nur den Anweisungen des GELDes folgen und Alles wäre geritzt. Denn, die Wege und das Bewegungsgesetz, die unser Leben bestimmen, müsse man nur dem Geld abschauen, müssten nur verstanden werden. Was das Geld im Geldgeschäft anstellt, habe eine so hohe Kraft, dass es nur noch abgelauscht werden müsse. Und du kannst als Lebensmeister bestehen. (Einschub) – Damit ist nicht GELD arbeitet gemeint, wie ja eine gängige Floskel lautet – wenn man sich von Geldfürzinsenanlegen eine Rendite möglichst herbeiwuchert. Oder sich für Geld Arbeitskräfte kaufen kann. Während man selbst die Füße hochlegen kann; was „GELD arbeiten lassen“ bedeutet, ist nur das GELD als Medium (Einschub zuende). Nein, GELD spricht in der Sprache in der Geld denkt, heißt: Ich muss es beobachten, dann spricht es zu mir, wie es denkt. Und wie es zu verstehen ist, so kann man – kann – man sich orientieren. Selbst, wenn man das selbststeuernde GELD so erfassen und interpretieren könnte, dass das GELDLICHE in Sinn und Form entschlüsselt vor uns läge, so hätten wir damit lediglich das Aktions-muster des GELDES, die mögliche Abirrung ins Unmenschliche: Der EISENHANS, THE GOLDEN TOUCH: KING MIDAS IN REVERSE – Aber zur GELD-art gehört Alles, nicht nur das Ökonomi-sche, Heckende; es enthält auch Hoffnungen, Gefühle und deshalb:

Nein, so mach ich es jedenfalls nicht.

Weil es – wie das Geld denkt – nicht die menschlichen Spielräume eröffnet, die das Leben verlangt, sondern verschließt.

Einmal verstanden, wie das Geld spricht und denkt, muss sich der Mensch eine menschlich-soziale Spielweise kulti-vieren. Muss tun, was er nicht lassen kann.

Und dann ist es noch meist diese

furchtbare ARTE POVERA, die heraus-kommt, das arme Minimalkonzept, das auch noch tötlich endet. Weil Menschen schlecht gebildet sind, nicht nüchtern und aufgeräumt das Mitmenschliche treiben, sondern sich gehen lassen.

Oh, wie wird hausen der Tod. Der 1909 geborene Alphons SILBERMANN, dachte angesichts des Todes: Das Soziale wird als Seinsbedürfnis aus dem Sozialen konstituiert – und soll es auch.

Ja, was soll ich noch nett sein zu solchen Tröten, bei denen überhaupt keine Vorstellung dafür vorhanden ist, welchen Sinn es haben könnte, einen Text zu lesen, dessen kürzeste Kurzfassung nicht unmittelbar zum GELD-Erwerb taugt. Denn daraus entstehe doch der Erwerb des Geldes.

Ja – Mutmaßungen zur Einsamkeit -, danke der Nachfrage. Aber bemühen sie sich nicht weiter. Was ist denn so Besonderes daran, wenn die Freundin glaubt, das Heranziehen der Kinder, sei nun schon staatstragend – machen es doch alle Leute aller Staaten keineswegs anders: RTL – Rammeln, Töten, Lallen. Etwas mehr muss es schon sein. Jaja, klar, Geld muss heran. Kinder kosten. Da wird schon mal das Telefon benutzt, das Automobil, der Komputer, das Internetz, der Fernsehschirm muss schon 2 Meter breit sein, das Bildtelefon, naja-und, gibt es doch die IP-Telefonitis mit und ohne Bild. Was macht man nicht alles? Unter <Alles Billiger> ersteigert man ALLES BILLIGER. Man könnte Alles suchen. Es googelt, es findet. Ich frage: Was machst du da am Komputer? Ich habe nur kurz was gesucht. Und ich stelle fest, gesucht wird einzig ein Text oder ein Inhalt, der zur Verwertung nützt, zur Verwertung, damit Geld heranzuschaffen. Ich stelle fest, dass keinerlei andere Texte überhaupt auch nurnangelesen oder verstanden werden. Ja, überhaupt keine Vorstellung dafür vorhanden ist, welchen Sinn es haben könnte, einen Text zu lesen, dessen kürzeste Kurzfassung nicht unmittelbar zum Erwerb taugt. Daraus entstehen dann Manuskripte fürs Fernsehen und für Zeitschriften, wird durchaus gedruckt oder gesendet. So wird es breitgetreten, vom Mob aufgenommen, abgeschaut. Was das Geld im Geldgeschäft anstellt habe eine so hohe Kraft, dass es nur noch abgelauscht werden müsse. Und man könne als Lebensmeister bestehen. Gedruckt oder gesendet, ohne Sinn und Verstand, Hauptsache Geräusch. Wenn s Geräusch bezahlt wird, ist das dann der Sinn. Gedruckt oder gesendet, ohne Sinn und Verstand, Hauptsache Geräusch. Wenns Geräusch bezahlt wird, ist das Sinn? So schreibt der >Drehbuchautor<, so komponiert der >Komponist der Neuen Musik<, so arbeitet der Journalist bei der Deister Zeitung und bei der Süddeutschen Zeitung und für den Deutschlandfunk und für RTL. Der staunende Blickt fragt noch mit gewisser Ungeduld: Was könnte denn beim Denken Besseres herauskommen als Geld?Wieso denn lange oder kompliziert denken, wenn es mit kernigen Ansagen getan ist?

Ich spare mir weitere Anknüpfungen, nur, diese Gedankenlosigkeit führt zum Krieg. Die Konfliktlinie lautet: MEIN GELD DEIN GELD – MEINE KINDER DEINE KINDER – UNSERE KINDER-MORDE, es ist furchtbar, was meinst du, lieber Leser? – ALGORHITMEN?

Täglich die neuen alten Säue, die man durchs thematische Dorf jagt – heute:

Marx – der ist nun wieder ganz relevant (Oskar Negt, SPDHabermas, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine, Wolfgang Wippermann) – heute nennen die das:

Utopien. Wir brauchen/der Mensch brauche Utopie. Wir sollen Bloch und Marx neu lesen. Schreck lass nach. Im gesamten Marx stimmt die Sprache nicht, die Worte sind den starren

Ideen von Marx gar nicht angemessen. Komponisten der Klingeltöne erhalten bei der GEMA Kunstpreise. Kurze Musik, gute Musik. Geldmusik, gute Musik. GELD GUT. GELD. Berlin ist kein guter Ort für ein Konzerthaus, schreibt die FAZ am 23. September 2008, jenen halb trägen, halb hysterischen, im Geistigen so seltsam ambitionslosen Mobs unter Europas Metropolen … Ich frage, wieso ratlos? Eine Hochrechnung der geringen Intelligenz des berliner Lumpenproletariats bildet eben einen schlechten sozialen Resonanzboden für geistige Dynamik. Die haben keine Ahnung von Paris. Jaja, weiß wohl, dass da Zentralismusfeinde gegen Paris stehen: Paris macht den Umkreis von 300 Kilometern zur Vorstadtbrache, Entmischung, Verarmung, Wüste. Paris hat Pracht. Paris ist Spitze. Strengt euch an.

Zum Abschluss die Misserfolgskinder: Menschen, die – wie in Lessings Fabel,

die indischen Hunde – zwar frecher als die europäischen, aber, dümmer sind als diese: Es sind die Banker. Wo greift die kalte Hand, wie die Bankmacht? Besonders schlimm, wenn aus dem edelsten

Prinzip der Banken, dem Genossenschaftsprinzip der Volksbanken und der Raiffeisenbanken – wonach das soziale Ansehen von Mitgliedern als Sicherung gelten soll – aus spekulativen Motiven Lehman-Zertifikate mit Geld der Genossen verspekuliert worden ist.

Kurz, unsere angebliche Finanzkrise, betreffs der Pleitebanken, ist keine Naturkatastrophe, wie schlechtes Wetter – es sind Begehrlichkeit und Luxusleben auf Pump. Es ist das unendliche Gefühl, das auch Hitler und Ernst Jünger hatten, damals, am Morgen in PARIS, was Größe sein kann. Es sind Staatsbanken, es sind Staatsschulden. Es sind nicht Sozialstaatskosten, sondern Verschwendung und Bereicherung. Es ist Krieg.

Die Banken mit dem angeschlossenen System sind Pleite, wie die DDR. Man leiht sich schon gegenseitig nicht mehr, so spricht der Soziologe:

Die Bankenpleite entsteht nicht aus der kriminellen Ruchlosigkeit der Banker allein – sondern die Gegenseitigkeit, die Bereitschaft der Kunden, ihre Hehlerei – ein geklautes Fahrrad geschenkt zu nehmen – das Kundenverhalten, ist der Schlüssel. Wenn keiner Falschgeld annähme, käme keins in Umlauf. Und Wachstum – das ist ein großes Wort – auch das hat eine soziale Dimension. Wachstum kann aus Leistungssteigerung entstehen, sonst ist Wachstum nur eine Schuldenblase, an der alle Beteiligten Schuld sind. Lüge und Schuld – so heißen unsere Machenschaften.

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